Klingbeil: BGA-Chef warnt vor Jobabbau im Mittelstand
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:19 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBGA-PrĂ€sident Dirk Jandura hat die Einkommensteuer-PlĂ€ne von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) scharf kritisiert. Sie fĂŒhrten aus Sicht des Bundesverbands GroĂhandel, AuĂenhandel, Dienstleistungen zu massivem Jobabbau im Mittelstand.
Jandura spricht von Belastung fĂŒr Personengesellschaften
âDer deutsche Mittelstand und seine ArbeitsplĂ€tze sind dem Bundesfinanzminister offensichtlich egalâ, sagte Jandura der âBild-Zeitungâ fĂŒr deren Samstagsausgabe. Klingbeils Vorhaben sei âkeine Reform der Einkommensteuerâ, sondern âdie SPD-Maut fĂŒr den deutschen Mittelstandâ und ein âechter Jobkillerâ, so der BGA-PrĂ€sident.
Jandura kritisierte insbesondere die geplante zusĂ€tzliche Belastung von Personengesellschaften. Ihm sei âvöllig schleierhaftâ, wie der SPD-Finanzminister âim 7. Jahr der Wirtschaftskriseâ auf diese Idee komme.
Kritik an Abgaben und Haushaltspolitik
Im Mittelstand erlebe man âRekordschulden des Staates und Rekordabgaben fĂŒr die privaten Unternehmenâ, sagte Jandura weiter. Hinzu kĂ€men der Haushalt und eine Welle neuer Steuererhöhungen.
âGespart wird entweder gar nicht oder nur bei denen, die nicht zur eigenen WĂ€hlerklientel gehörenâ, sagte der BGA-PrĂ€sident. Wer von einem Land âohne Unternehmerinnen, aber voller Staatsbediensteterâ trĂ€ume, sollte jetzt glĂŒcklich sein.
Die Kritik des BGA-PrĂ€sidenten richtet sich gegen einen zentralen Bestandteil des Einkommensteuer-Entwurfs: Die Bundesregierung will kleinere und mittlere Einkommen entlasten, die Gegenfinanzierung aber unter anderem ĂŒber höhere Belastungen fĂŒr sehr hohe Einkommen organisieren. Davon können auch Personenunternehmen betroffen sein, deren Gewinne ĂŒber die Einkommensteuer versteuert werden.
SteuerplÀne im Bundestag umstritten
Der Entwurf sieht nach den bisherigen PlĂ€nen einen höheren Grundfreibetrag, höhere familienbezogene Leistungen und einen höheren Arbeitnehmer-Pauschbetrag vor. Vorgesehen ist zugleich ein Spitzensteuersatz von 47 Prozent fĂŒr Einkommen oberhalb von 280.000 Euro; die erste Beratung im Bundestag hat die politische Auseinandersetzung verschĂ€rft.
FĂŒr den Mittelstand ist entscheidend, wie stark zusĂ€tzliche Einkommensteuerbelastungen die Finanzierung von Investitionen, Einstellungen und Entnahmen beeinflussen. Personengesellschaften unterscheiden sich dabei von Kapitalgesellschaften, weil ihre Gewinne in der Regel direkt bei den Gesellschaftern der Einkommensteuer unterliegen.
Bedeutung fĂŒr Unternehmen und Haushalt
Die Bundesregierung begrĂŒndet die Reform mit Entlastungen fĂŒr breite Einkommensgruppen. Nach den vorgestellten Berechnungen stehen Bruttoentlastungen von rund 9,9 Milliarden Euro Mehreinnahmen von etwa 4,3 Milliarden Euro gegenĂŒber. Ob die Reform in dieser Form umgesetzt wird, hĂ€ngt von den weiteren Beratungen im Bundestag und innerhalb der Koalition ab. FĂŒr Unternehmen bleibt neben dem Steuersatz die Frage wichtig, ob zusĂ€tzliche Belastungen durch Investitionsanreize, BĂŒrokratieabbau oder andere MaĂnahmen ausgeglichen werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âEinkommensteuer: Klingbeil verteidigt Entwurf fĂŒr Steuerreformâ (08.10.2026)
Der Beitrag beschreibt Klingbeils Verteidigung des Entwurfs und die Kritik aus Opposition und Koalition. Im Mittelpunkt stehen die geplanten Entlastungen fĂŒr kleine und mittlere Einkommen, die Gegenfinanzierung sowie der weitere parlamentarische Beratungsprozess.
tagesschau: âErste Lesung im Bundestag: Union stell Bedingungen fĂŒr Steuerreformâ (08.10.2026)
Dieser Bericht legt den Schwerpunkt auf die Forderungen der Union und die mögliche Belastung von Personenunternehmen. Damit ergĂ€nzt er die Kritik des BGA um die politische Bedingung, dass zusĂ€tzliche Belastungen durch MaĂnahmen fĂŒr BeschĂ€ftigung und Investitionen ausgeglichen werden sollen.
Ăbereinstimmung besteht darin, dass der Entwurf Entlastungen und eine stĂ€rkere Belastung hoher Einkommen miteinander verbindet. Offen bleibt, welche Ănderungen die parlamentarischen Beratungen bringen und wie sich die geplanten Regeln konkret auf Personenunternehmen auswirken.
