Koalitionspaket, Steuersenkung

Koalitionspaket: Steuersenkung um zehn Milliarden Euro ab Januar

02.07.2026 - 22:04:04 | boerse-global.de

Die Koalition beschließt ein 34-Punkte-Reformpaket mit Steuersenkungen ab 2027 und erweiterten Befristungsmöglichkeiten.

Koalitionsreform: Steuerentlastung und flexiblere Arbeitsmärkte
Koalitionspaket - Ein Stapel Euro-Banknoten und Münzen auf einem Schreibtisch, mit einem Taschenrechner und Stift im unscharfen Hintergrund. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es umfasst 34 Punkte in den Bereichen Steuerpolitik, Arbeitsrecht, Bürokratieabbau sowie Renten- und Wohnungsbaupolitik. Kern der Einigung: eine steuerliche Entlastung von rund zehn Milliarden Euro und eine deutliche Ausweitung der sachgrundlosen Befristungen.

Steuersenkungen ab 2027

Die beschlossenen Steuerentlastungen treten am 1. Januar 2027 in Kraft. Ein Haushalt mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro soll bis zu 600 Euro pro Jahr sparen. Das Kindergeld steigt bis 2028 auf monatlich 272 Euro.

Gleichzeitig werden sehr hohe Einkommen stärker belastet. Die Reichensteuer wird gesplittet: 45 Prozent ab 250.000 Euro, 47 Prozent ab 280.000 Euro. Der reguläre Spitzensteuersatz bleibt bei 42 Prozent. Die Handwerkerabsetzung steigt auf 15 Prozent, die Pauschalsteuer für Minijobs sinkt auf 5 Prozent.

Arbeitsmarkt wird flexibler

Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen wird ausgeweitet. Künftig sind bis zu 48 Monate möglich, mit bis zu sechs Verlängerungen. Die Regelung gilt zunächst bis zum 31. Dezember 2030.

Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Beschäftigte müssen ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit eine Bescheinigung vorlegen. Im Gegenzug gibt es steuerliche Privilegien für Abfindungen bei Jobwechseln. Die steuerfreien Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit steigen auf bis zu 75 Euro pro Stunde.

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Für junge Menschen ohne Schulabschluss startet das Programm „Zweite Chance“. Im Rentensystem plant die Koalition die Einführung einer Kapitalrente und eine Anhebung des Rentenalters über 67 Jahre. Die abschlagsfreie Rente mit 63 soll entfallen.

Bürokratieabbau für Unternehmen

Die Koalition will Berichtspflichten pauschal aufheben und innerhalb eines Jahres ein Viertel aller Dokumentationspflichten streichen. Kleine Betriebe sollen von bestimmten DSGVO-Vorgaben ausgenommen werden.

Eine Genehmigungsfiktion soll Verfahren beschleunigen: Anträge gelten nach vier Monaten automatisch als bewilligt, wenn die Behörde nicht entschieden hat. Die Digitalisierung der Finanzverwaltung wird vorangetrieben – Steuernummern sollen innerhalb von vier Wochen zugeteilt werden.

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Geteilte Reaktionen

Arbeitgeberpräsident Dulger begrüßte die Beschlüsse als überfälligen Kurswechsel. Der DIHK lobte den Bürokratieabbau, kritisierte aber die Verschärfung der Reichensteuer. Der BDI sprach von einem positiven Zeichen, vermisst jedoch einen kraftvollen Wachstumsimpuls.

Die Gewerkschaften reagierten deutlich ablehnend. Ver.di-Chef Werneke sprach von einer Misstrauenskultur gegenüber den Beschäftigten. Der Hausärzteverband bezeichnete das Ende der telefonischen Krankschreibung als katastrophal. DIW-Präsident Fratzscher nannte das Paket ein Symbolpaket mit sozialer Schieflage.

Der Auftritt der Koalitionsspitzen galt als geschlossen und staatstragend. Merz betonte das Ziel, die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland wiederherzustellen.

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