Ohne Digitalisierung geht nichts mehr: Wo Einrichtungen im Gesundheitswesen jetzt ansetzen mĂŒssen
18.05.2026 - 14:24:42 | presseportal.de
Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein Organisationsprojekt. Wer nur Software einfĂŒhrt, ohne AblĂ€ufe zu verĂ€ndern, wird keine echte Entlastung spĂŒren. Nachfolgend erfahren Sie, wo Digitalisierung aktuell konkret blockiert, welche Fortschritte erkennbar sind und welche MaĂnahmen jetzt erforderlich sind, um Prozesse zu beschleunigen und Versorgung nachhaltig zu sichern.
Der unsichtbare Engpass: Digitalisierung als Voraussetzung fĂŒr FachkrĂ€ftegewinnung
Ein zentraler, oft unterschĂ€tzter Hebel liegt auĂerhalb der einzelnen Einrichtung selbst: in den administrativen Prozessen rund um die Gewinnung von FachkrĂ€ften. Denn das deutsche Gesundheitssystem leidet nicht nur unter einem Mangel an qualifiziertem Personal, sondern ebenso unter Strukturen, die vorhandene Ressourcen ausbremsen. Insbesondere internationale FachkrĂ€fte in therapeutischen und medizinischen Berufen scheitern hĂ€ufig nicht an Qualifikation oder Motivation, sondern an langwierigen, analogen Verfahren.
In der Praxis zeigt sich regelmĂ€Ăig, dass Bewerbende trotz vorliegendem Arbeitsvertrag und ausreichenden Sprachkenntnissen ĂŒber Monate hinweg auf formale Bearbeitungsschritte warten. Fehlende digitale Schnittstellen, papierbasierte AblĂ€ufe und uneinheitliche Anforderungen fĂŒhren dazu, dass sich Verfahren erheblich verzögern und FachkrĂ€fte in dieser Zeit alternative Optionen in anderen LĂ€ndern prĂŒfen.
Wo Prozesse heute konkret blockieren
Die Ursachen sind dabei klar identifizierbar. So werden qualifizierte elektronische Signaturen, obwohl rechtlich gleichgestellt, in vielen FĂ€llen nicht akzeptiert. Stattdessen entstehen MedienbrĂŒche: Dokumente werden ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und per Post versendet â oft ĂŒber Kontinente hinweg. Allein dieser Schritt kann Verfahren um mehrere Wochen verzögern und erhöht zugleich die FehleranfĂ€lligkeit.
Zugleich fĂŒhrt der föderale Aufbau zu erheblichen Unterschieden. Je nach Bundesland variieren Anforderungen und AblĂ€ufe deutlich, wodurch identische Qualifikationen zu völlig unterschiedlichen Bearbeitungszeiten fĂŒhren. WĂ€hrend einige Regionen bereits digital arbeiten, halten andere weiterhin an papierbasierten Prozessen fest. Diese Uneinheitlichkeit erschwert nicht nur die Planung, sondern bindet zusĂ€tzliche Ressourcen.
DarĂŒber hinaus fehlt es vielerorts an Transparenz. Weder Antragstellende noch Einrichtungen können den Bearbeitungsstand zuverlĂ€ssig nachvollziehen. RĂŒckfragen erfolgen telefonisch und sind hĂ€ufig mit langen Wartezeiten verbunden. Im Vergleich zu anderen Bereichen, in denen digitale Tracking-Systeme lĂ€ngst etabliert sind, wirkt dieses Vorgehen strukturell ĂŒberholt.
Ein weiterer Hemmschuh liegt in der mangelnden Vernetzung der Systeme. Behörden arbeiten vielfach isoliert, sodass Daten mehrfach eingereicht werden mĂŒssen. Das Once-Only-Prinzip bleibt damit in der Praxis weitgehend ungenutzt. ErgĂ€nzend kommen regulatorische HĂŒrden hinzu, etwa bei Ăbersetzungen: Trotz technologischer Fortschritte bestehen weiterhin umfassende Pflichtanforderungen, die Zeit und Kosten erhöhen.
Erste Fortschritte â aber mit begrenzter Wirkung
Gleichzeitig gibt es Entwicklungen, die zeigen, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen grundsĂ€tzlich umsetzbar ist. Einzelne Institutionen haben bereits vollstĂ€ndig digitale Verfahren etabliert. So können Zeugnisbewertungen inzwischen online und ohne MedienbrĂŒche beantragt werden, und auch der Austausch bestimmter Genehmigungen erfolgt zunehmend digital.
Auf politischer Ebene wurden zudem MaĂnahmen zur Beschleunigung von Anerkennungsverfahren beschlossen. Allerdings entfalten diese bislang nur eingeschrĂ€nkte Wirkung, da sie nicht alle Berufsgruppen gleichermaĂen einbeziehen. Insbesondere in therapeutischen Berufen bestehen weiterhin deutliche LĂŒcken.
Was jetzt notwendig ist
Vor diesem Hintergrund lassen sich klare Ansatzpunkte ableiten. ZunĂ€chst bedarf es bundesweit einheitlicher digitaler Antragsstrecken, um Prozessunterschiede zu reduzieren. ErgĂ€nzend sollte die Akzeptanz qualifizierter elektronischer Signaturen verbindlich geregelt werden, sodass unnötige MedienbrĂŒche entfallen.
Ebenso wichtig ist die EinfĂŒhrung transparenter Tracking-Systeme, die allen Beteiligten jederzeit Einblick in den Verfahrensstand ermöglichen. Parallel dazu erfordert die Umsetzung des Once-Only-Prinzips â ein Grundsatz der EU-Digitalstrategie, der besagt, dass BĂŒrger Daten nur einmal einreichen sollen â eine stĂ€rkere technische Vernetzung zwischen den beteiligten Stellen. SchlieĂlich erscheint eine Anpassung der regulatorischen Vorgaben bei Ăbersetzungen sinnvoll, um vorhandene technologische Möglichkeiten effizient zu nutzen.
Diese Punkte verdeutlichen, dass Digitalisierung weit ĂŒber interne AblĂ€ufe hinausgeht. Sie beeinflusst unmittelbar, ob FachkrĂ€fte gewonnen werden können und wie schnell sie in der Versorgung wirksam werden. Damit wird klar: Wer Entlastung schaffen und Versorgung sichern will, muss Digitalisierung konsequent als strukturellen Hebel begreifen und entsprechend umsetzen.
Ăber Tobias Frese:
Tobias Frese ist GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Frese Recruiting GmbH. Die Personalagentur vermittelt qualifizierte Physiotherapeuten aus dem Ausland an deutsche Praxen. Dabei ĂŒbernimmt die Agentur den kompletten Prozess von Auswahl bis Integration. Mehr Informationen unter: www.frese-recruiting.de
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Vertreten durch: Tobias Frese
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