Kommunale Verpackungssteuern: Nur 0,7% Marktabdeckung, 4,1 Mrd. Kosten
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer aktuellen Untersuchung, die am 6. August 2026 vorgelegt wurde, kritisieren die GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und das ifeu-Institut die Auswirkungen kommunaler Verpackungssteuern in Deutschland. Die im Auftrag eines breiten Branchenbündnisses – bestehend aus dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem AVU, dem Bundesverband der Systemgastronomie (BdS), der Papierindustrie, dem FFI, dem Handelsverband Deutschland (HDE), dem IPV sowie PRO-S-PACK – erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass solche Sonderabgaben mit einer hohen bürokratischen Belastung verbunden sind, während der ökologische Ertrag minimal bleibt.
Geringer Effekt auf Abfallmengen und Klima
Den Ergebnissen der GVM/ifeu-Studie zufolge erfassen kommunale Verpackungssteuern in ihrer derzeitigen Form lediglich einen Bruchteil des deutschen Verpackungsmarktes. Konkret seien nur 0,7 % des gesamten Verpackungsverbrauchs in Deutschland betroffen, was einer Menge von etwa 122.000 Tonnen jährlich entspricht. Die Untersuchung zeigt auf, dass selbst bei einer fiktiven bundesweiten Ausweitung dieser Steuermodelle kaum signifikante ökologische Effekte zu erwarten wären.
In einem solchen Szenario würde das Verpackungsaufkommen laut den Berechnungen lediglich um 0,04 % sinken, was einer Reduktion von 8.000 Tonnen entspräche. Bezogen auf die gesamten Siedlungsabfälle läge die Einsparung sogar nur bei 0,02 %. Auch der Beitrag zum Klimaschutz wird in der Studie als marginal eingestuft: Die Treibhausgasemissionen würden bei einer flächendeckenden Einführung der Steuer lediglich um 0,0013 % zurückgehen.
Massive Kostensteigerung und bürokratische Hürden
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Ein zentraler Kritikpunkt der Studienautoren ist das Missverhältnis zwischen dem administrativen Aufwand und den erzielten Steuereinnahmen. Demnach betragen die Verwaltungskosten für die Erhebung der Steuer zwischen 10 % und 15 % des gesamten Steueraufkommens. Für die betroffenen Unternehmen würde eine bundesweite Einführung zudem eine drastische finanzielle Mehrbelastung bedeuten.
Die Studie beziffert den Anstieg der Abgabenbelastung in einem solchen Fall von derzeit 0,1 Milliarden Euro auf rund 4,1 Milliarden Euro. Dabei würde die Belastung für einzelne Verpackungen um das 20- bis 30-Fache steigen. Die beteiligten Verbände warnen vor diesem Hintergrund vor einer unverhältnismäßigen Schwächung der betroffenen Betriebe durch komplexe Abrechnungsverfahren und hohe fiskalische Lasten.
Doppelbelastung und lokale Sonderregelungen
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Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung vom 7. August 2026 verdeutlicht die Problematik der Mehrfachbelastung: Demnach unterliegen bereits 89 % der von kommunalen Steuern betroffenen Verpackungen anderen gesetzlichen Abgaben, etwa im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung.
Wie sich solche Regelungen in der Praxis auswirken, zeigt das Beispiel Freiburg. Dort wird bereits seit dem 1. Januar 2026 eine lokale Verpackungssteuer erhoben. Die Stadt verlangt eine Abgabe in Höhe von 50 Cent pro Einwegverpackung sowie weitere 20 Cent für jedes bereitgestellte Einwegbesteck. Die Studie nutzt solche Beispiele, um die Fragmentierung des Rechtsrahmens durch kommunale Alleingänge zu verdeutlichen, die nach Ansicht der Auftraggeber den bürokratischen Aufwand für überregional agierende Unternehmen zusätzlich verschärfen.
