Krankenstand, Millionen

Krankenstand: 54 Millionen Fehltage kosten Wirtschaft 4,8 Milliarden

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krankheitsausfälle kosten die deutsche Wirtschaft Milliarden. Immer mehr Unternehmen investieren in Mitarbeitergesundheit als Wettbewerbsvorteil.

Milliardenkosten durch Krankheitsausfälle: Betriebe setzen auf Prävention
Eine Gruppe lächelnder Mitarbeiter nimmt an einem Firmen-Gesundheitsprogramm in einem modernen Büro teil, symbolisiert Mitarbeiterbindung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Immer mehr Betriebe erkennen: Investitionen in die Gesundheit der Belegschaft rechnen sich.

Die Zahlen der Wirtschaftskammer sind alarmierend: Rund 5,9 Millionen Krankenstandsfälle und 54 Millionen Fehltage belasten die Unternehmen mit geschätzten 4,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig zeigt eine Erhebung der Arbeiterkammer eine besorgniserregende Entwicklung: 2025 gaben 72 Prozent der Beschäftigten in Oberösterreich an, krank zur Arbeit gegangen zu sein. Früher lag dieser Wert bei 30 Prozent.

Doch die Statistik hat auch eine andere Seite. 93 Prozent der Arbeitnehmer fehlen nie unberechtigt. Trotzdem vermuten 38 Prozent der Befragten gelegentlichen Missbrauch bei Kollegen. Das verschärft die Forderung nach effizienteren Kontrollen.

Prävention als Wettbewerbsvorteil

Das Linzer Softwareunternehmen MIC zeigt, wie es anders geht. Seit 2013 läuft das Programm „fit2mic“ mit rund 40 Präventionsangeboten. Das Ergebnis: Die Krankenstandstage liegen 25 Prozent unter dem Branchendurchschnitt. Bei rund 600 Mitarbeitern.

Noch beeindruckender ist die Mitarbeiterloyalität. In der Technologiebranche liegt die Fluktuation üblicherweise zwischen 15 und 20 Prozent. MIC verzeichnet lediglich 6,6 Prozent. Der Fokus liegt zunehmend auf mentaler Gesundheit – um die Resilienz der Belegschaft nachhaltig zu stärken.

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Personalarbeit wird zur Chefaufgabe

Experten von Great Place To Work fordern eine Aufwertung der Personalabteilungen. „Die Gestaltung von Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur und Führung ist eine strategische Kernaufgabe“, betont ein Vertreter. Sie entscheide unmittelbar über die Wettbewerbsfähigkeit. Gerade im Zuge der Digitalisierung gewinne die menschliche Komponente an Bedeutung.

Doch der technologische Wandel hat auch eine Schattenseite. Kritiker bemängeln: KI wird oft als Vorwand für Entlassungen genutzt, die eigentlich strukturelle Gründe haben. Laut Marktforschern wurden dieses Jahr bereits über 100.000 Stellenstreichungen mit KI-Bezug angekündigt – unter anderem bei Oracle, Amazon und der Citi Group. Die Einsparungen fließen häufig direkt in IT-Infrastruktur und Sicherheit, statt die Belegschaft zu entlasten.

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Restrukturierung oder Beteiligung?

Während Volkswagen mit Werksschließungen und bis zu 100.000 Stellenstreichungen die Umsatzrendite steigern will, werden alternative Modelle diskutiert. Ein prominenter US-Investor schlug Mitte Juli vor, Aktien breit an alle Teammitglieder zu verteilen. Unternehmen, die Mitarbeiter prozentual ähnlich am Eigenkapital beteiligen wie Führungskräfte, sollten steuerlich begünstigt werden.

Der Druck bleibt hoch. In Bayern plant jedes vierte Unternehmen einen Stellenabbau, in der Industrie sogar jedes dritte. Als größtes Geschäftsrisiko gelten die Arbeitskosten. Gleichzeitig könnten die Sozialversicherungsbeiträge Prognosen zufolge weiter steigen – wenn politische Reformen ausbleiben.

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