Krankenstand, Psychische

Krankenstand: Psychische Erkrankungen seit 2016 um 50% gestiegen

09.06.2026 - 13:41:27 | boerse-global.de

Tesla stellt in Deutschland die Lohnfortzahlung bei Langzeiterkrankungen ein und prĂŒft Ă€rztliche Atteste systematisch.

Tesla stoppt Lohnfortzahlung bei Langzeiterkrankten in Deutschland
Krankenstand - Eine Silhouette in einer Fabrikhalle, die auf einem Tablet Datenvisualisierungen betrachtet, die hohe KrankenstĂ€nde darstellen. 09.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Tesla stellt bei Langzeiterkrankungen die Lohnfortzahlung ein und zweifelt systematisch die GĂŒltigkeit Ă€rztlicher Atteste an. Der Schritt des US-Autobauers sorgt in der deutschen Industrie fĂŒr Aufsehen – und zeigt, wie Unternehmen zunehmend restriktive Maßnahmen ergreifen, um die wirtschaftlichen Folgen hoher ArbeitsausfĂ€lle zu begrenzen.

Tesla reagiert auf drastischen Anstieg

Die Entscheidung folgt auf eine deutliche Zunahme der Abwesenheiten. Laut Dokumentationen der Krankenkasse DAK stiegen die Fehlzeiten am Standort 2024 um 38 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Das Unternehmen beziffert den finanziellen Schaden pro Fehltag auf 300 bis 600 Euro.

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Doch nicht nur Tesla kĂ€mpft mit dem Problem. In der Schweiz kritisierte Martin Lörtscher, CEO der Hugelshofer Logistik, Anfang Juni eine aus seiner Sicht zu laxe Praxis bei der Ausstellung von Arztzeugnissen. Sein Unternehmen verzeichnete durch 26.000 Absenzstunden einen Verlust von ĂŒber drei Millionen Franken – ein Ausfalltag kostet rund 1.000 Franken. Der Schweizer Nationalrat stimmte bereits fĂŒr strengere Regelungen bei der Vergabe von Ă€rztlichen Bescheinigungen.

Krankenstand bleibt auf Rekordniveau

Der allgemeine Krankenstand in Deutschland verharrt trotz eines minimalen RĂŒckgangs auf hohem Niveau. Daten des BKK Dachverbands weisen fĂŒr 2025 eine Quote von 5,83 Prozent aus, nach 5,90 Prozent im Vorjahr. Von Januar bis November 2025 fehlten BeschĂ€ftigte im Schnitt an 17 Tagen.

Ein wesentlicher Faktor: die Zunahme bestimmter Krankheitsbilder. Muskel-Skelett-Erkrankungen machen weiterhin den grĂ¶ĂŸten Anteil aus. Doch der Anteil psychischer Erkrankungen ist seit 2016 um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Neben medizinischen Ursachen rĂŒckt auch das Verhalten der Arbeitnehmer in den Fokus. Eine im Juni veröffentlichte Studie der Pronova BKK ergab: 60 Prozent der BeschĂ€ftigten haben sich schon einmal krankgemeldet, obwohl sie sich arbeitsfĂ€hig fĂŒhlten. Sieben Prozent gaben an, dies hĂ€ufig zu tun.

Pflegesektor besonders betroffen

Besonders stark belastet zeigt sich der Pflegesektor. Daten der Techniker Krankenkasse fĂŒr 2024 belegen: PflegekrĂ€fte waren durchschnittlich 28,5 Tage pro Jahr krankgeschrieben. In der Altenpflege lag dieser Wert mit 33,1 Tagen sogar deutlich ĂŒber dem Gesamtdurchschnitt aller Berufsgruppen von 18,2 Tagen. Hauptursachen: Atemwegserkrankungen, psychische Belastungen und Probleme des Bewegungsapparates.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden neue AnsĂ€tze erprobt. Die AOK Bayern und die Hochschule Allensbach planen ab 2026 eine Pilotphase fĂŒr das Projekt „Gesundes Onboarding in der Pflege“. Ziel ist es, neue FachkrĂ€fte durch gezielte gesundheitliche Integration langfristig an den Beruf zu binden. Eine flĂ€chendeckende Umsetzung ist fĂŒr 2027 vorgesehen.

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Kontrolle oder PrÀvention?

WĂ€hrend Unternehmen wie Tesla auf Kontrolle und finanzielle Sanktionen setzen, deuten Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf einen anderen Hebel hin: Betriebe mit besserer Bezahlung arbeiten produktiver. Allerdings betonen Ökonomen, dass höhere Löhne nicht automatisch die ProduktivitĂ€t steigern.

Der Standort Deutschland steht unter Druck. Die Abgabenlast erreicht mittlerweile 48 Prozent der Arbeitskosten. Zudem verstĂ¶ĂŸt die Bundesrepublik seit Anfang Juni gegen EU-Recht – die Umsetzungsfrist fĂŒr die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz ist abgelaufen. Das könnte weitere regulatorische Anforderungen an die Personalabteilungen nach sich ziehen.

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