Krankheitskosten: 85,6 Milliarden Euro für Entgeltfortzahlung 2025
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die finanzielle Belastung für deutsche Arbeitgeber durch krankheitsbedingte Fehlzeiten hat einen neuen historischen Höchststand erreicht. Wie aus einer am 28. August 2026 veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, summierten sich die Kosten für die Entgeltfortzahlung im Jahr 2025 auf insgesamt 85,6 Milliarden Euro. Damit setzt sich der Trend steigender Ausgaben für krankgeschriebene Mitarbeiter weiter fort und belastet die Liquidität der Betriebe massiv.
Zusammensetzung der Krankheitskosten
Die Rekordsumme von über 85 Milliarden Euro setzt sich aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen. Den größten Anteil bilden laut der Untersuchung die Bruttoentgelte, die nach Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ein Volumen von 72,5 Milliarden Euro umfassen. Hinzu kommen die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, die mit weiteren 13,1 Milliarden Euro zu Buche schlagen.
Im direkten Vergleich zum Vorjahr verdeutlicht sich die Dynamik der Kostenentwicklung. Im Jahr 2024 beliefen sich die Gesamtkosten noch auf 81,2 Milliarden Euro. Somit verzeichneten die Unternehmen im Jahr 2025 einen Anstieg der Belastung um gut 4 Milliarden Euro innerhalb von nur zwölf Monaten.
Besonders prägnant ist der langfristige Rückblick: Innerhalb der letzten 15 Jahre haben sich die nominalen Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mehr als verdoppelt.
Ursachen für den kontinuierlichen Kostenanstieg
Für die drastische Zunahme der finanziellen Aufwendungen führt die IW-Studie verschiedene strukturelle und konjunkturelle Gründe an. Ein wesentlicher Faktor ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Sowohl die gestiegenen Löhne als auch die insgesamt höhere Zahl an Beschäftigten treiben die Summe der Fortzahlungen mathematisch nach oben. Parallel dazu wird ein allgemein hohes Niveau beim Krankenstand konstatiert.
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Interessanterweise spielt auch die Digitalisierung des Meldewesens eine Rolle bei der statistischen Erfassung. Die Experten des Instituts weisen darauf hin, dass der statistisch ausgewiesene Krankenstand seit dem Jahr 2022 durch die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) gestiegen ist.
Durch die automatisierte Übermittlung der Daten werden Krankmeldungen mittlerweile lückenloser erfasst als im vorherigen papiergebundenen Verfahren, was die offiziellen Zahlen beeinflusst.
Skepsis gegenüber verschärfter Attestpflicht
Vor dem Hintergrund der steigenden Kosten werden in der politischen Debatte regelmäßig Maßnahmen zur Senkung des Krankenstandes diskutiert. Ein häufig genannter Vorschlag ist die Einführung einer Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag. Das Institut der deutschen Wirtschaft positioniert sich in seiner Studie jedoch skeptisch gegenüber einer solchen Regelung.
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Die Studienautoren erwarten demnach keine flächendeckende Umsetzung einer solchen Verschärfung. Als Hauptgrund für diese Einschätzung wird der erhebliche Verwaltungsaufwand angeführt, der mit einer Attestpflicht ab dem ersten Tag einhergehen würde.
Eine solche Maßnahme würde nach Ansicht der Experten nicht nur die Arztpraxen, sondern auch die Personalabteilungen der Unternehmen zusätzlich bürokratisch belasten, ohne zwingend zu einer signifikanten Reduktion der Fehlzeiten zu führen.
Das IW mahnt stattdessen eine sachliche Auseinandersetzung mit den Ursachen des hohen Krankenstandes an, um die finanzielle Stabilität der Arbeitgeber langfristig zu sichern.
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