Krankmeldungen in Belgien: Ein-Tages-AusfÀlle steigen um 54 Prozent
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach dem Wegfall der Ă€rztlichen Attestpflicht fĂŒr einzelne Fehltage verzeichnen belgische Unternehmen einen deutlichen Zuwachs bei KurzausfĂ€llen. Eine Untersuchung des Personaldienstleisters Securex zeigt, dass die eintĂ€gigen Krankmeldungen in Betrieben mit ĂŒber 50 BeschĂ€ftigten seit EinfĂŒhrung der Neuregelung Ende 2022 um 54 Prozent gestiegen sind.
WĂ€hrend der Arbeitgeberverband Voka Limburg die Kosten fĂŒr einen Betrieb mit 100 BeschĂ€ftigten auf durchschnittlich bis zu 160.000 Euro pro Jahr beziffert und die RĂŒcknahme der Regelung fordert, bewerten Arbeitsmarktexperten den Anstieg differenzierter.
Wirtschaftliche Belastungen und organisatorischer Aufwand
Die Kostenfolgen sorgen bei Unternehmern fĂŒr erhebliche Diskussionen. Laut Voka Limburg laufen die finanziellen Belastungen fĂŒr einen Betrieb mit 100 BeschĂ€ftigten im Schnitt auf bis zu 160.000 Euro pro Jahr auf. Der Verband fordert daher die Abschaffung der Regelung und verlangt, dass die Betriebe selbst ĂŒber die Handhabung der Attestpflicht entscheiden können sollten.
Der Personaldienstleister Securex sieht dagegen keine höheren direkten Lohnkosten, da die Anzahl der Tage mit garantiertem Lohn unverĂ€ndert geblieben sei. Allerdings entstĂŒnden spĂŒrbare indirekte Kosten durch den administrativen Aufwand und organisatorische Umstellungen.
In den betrieblichen AblÀufen macht sich die Zunahme deutlich bemerkbar: Kurzfristige SchichtÀnderungen, die aufwendige Suche nach Ersatzpersonal und eine höhere Belastung der anwesenden Kolleginnen und Kollegen stellen die Organisation vor Herausforderungen.
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VerÀndertes Verhalten statt Missbrauch
Bei lĂ€ngeren AusfĂ€llen zeigt die Auswertung keine signifikanten AusschlĂ€ge. Die Absenzen von 2 bis 5 Tagen blieben stabil und gingen im gleichen Zeitraum nicht zurĂŒck. Auch der gesamte Kurzzeit-Absentismus von bis zu einem Monat verĂ€nderte sich laut Securex statistisch nicht signifikant.
Securex fĂŒhrt die Zunahme der TagesausfĂ€lle auf eine VerhaltensĂ€nderung der Belegschaften zurĂŒck. Arbeitnehmer entschieden sich demnach eher dafĂŒr, sich bei Unwohlsein einen Tag lang auszuruhen, anstatt krank zur Arbeit zu gehen. Anzeichen fĂŒr einen Missbrauch sieht die Organisation nicht.
Heidi Verlinden von Securex erklĂ€rte, dass es keinen zwingenden Hinweis auf Missbrauch gebe. Stattdessen ermögliche die rechtzeitige Pause möglicherweise eine schnellere Erholung. Wer strukturell nie krank fehle, trage zudem ein höheres Risiko fĂŒr ein Burn-out.
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Gesetzlicher Rahmen und PrÀvention
Die Befreiung von der Attestpflicht trat Ende 2022 fĂŒr belgische Betriebe mit mindestens 50 BeschĂ€ftigten in Kraft. UrsprĂŒnglich galt die Freistellung fĂŒr maximal 3 Tage pro Jahr ohne Ă€rztliches Attest, ab 2026 dĂŒrfen sich BeschĂ€ftigte maximal zweimal pro Jahr fĂŒr einen einzelnen Tag ohne Attest krankmelden. Den Arbeitgebern stehen zwar Kontrollmöglichkeiten offen, diese unterliegen jedoch rechtlichen Grenzen.
Aus Sicht von Securex könnte die MaĂnahme auf lange Sicht positive Effekte mit sich bringen. Da eine frĂŒhzeitige Erholung bei akuter Erschöpfung oder Stress dazu beitragen kann, schwerere Langzeiterkrankungen abzuwenden, könnte der unkomplizierte eintĂ€gige RĂŒckzug letztlich prĂ€ventiv wirken.
