Krankschreibung: Attestpflicht ab Tag eins geplant, Telefon-AU fÀllt weg
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 14:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mediziner, VerbÀnde und Opposition laufen Sturm.
ReformplÀne im Bundestag
Am 10. Juli 2026 wurde im Bundestag kontrovers ĂŒber die VerschĂ€rfungen diskutiert. Das Paket sieht vor: Arbeitnehmer mĂŒssen kĂŒnftig bereits am ersten Krankheitstag eine Ă€rztliche Bescheinigung vorlegen. Die 2023 dauerhaft eingefĂŒhrte telefonische Krankschreibung soll wieder entfallen.
CSU-Chef Söder verteidigte das Vorhaben im ZDF-Morgenmagazin. Die Neuregelung sei sinnvoll, um Missbrauch besonders an BrĂŒckentagen vorzubeugen. Im Parlament formierte sich jedoch breite Kritik. Politiker von GrĂŒnen, Linken, SPD und AfD â namentlich Lang, Stange, Dieren und Sichert â zweifeln an der praktischen Umsetzbarkeit. Sie warnen vor einer Misstrauenskultur gegenĂŒber Arbeitnehmern. UnterstĂŒtzung kam dagegen von CDU-Abgeordnetem Borchardt.
HausÀrzte schlagen Alarm
Die Kombination aus Attestpflicht ab Tag eins und Wegfall der Telefon-Krankschreibung könnte zu VersorgungsengpĂ€ssen fĂŒhren. Ărzte in StĂ€dten wie Jena befĂŒrchten eine Ăberlastung ihrer Praxen. Patienten mĂŒssten dann nur fĂŒr eine formale Bescheinigung kommen.
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Der HausĂ€rzteverband forderte den Bundesrat bereits am 9. Juli auf, das Vorhaben zu stoppen. Die Praxen arbeiteten jetzt schon an ihrer Belastungsgrenze. Eine verpflichtende persönliche Vorstellung bei Kurzzeiterkrankungen wĂŒrde wertvolle KapazitĂ€ten binden. Fehlen könnten diese dann fĂŒr schwer erkrankte Patienten. Zudem könnten die Fehlzeiten durch den notwendigen Praxisbesuch sogar steigen.
Was bedeutet das fĂŒr Arbeitnehmer?
Arbeitsrechtler weisen auf eine wichtige EinschrĂ€nkung hin: Die neue Regelung gilt nicht automatisch fĂŒr alle. Dank des GĂŒnstigkeitsprinzips können bestehende ArbeitsvertrĂ€ge, die eine spĂ€tere Vorlage der AU vorsehen, weiter Bestand haben. Individuelle Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und BeschĂ€ftigten bleiben möglich.
Ist die Reform ĂŒberhaupt nötig?
Die statistische Grundlage ist umstritten. Die AOK-Chefin bezeichnete die PlĂ€ne als Symbolpolitik. Ihr Argument: Nur zwischen 0,8 und 1,2 Prozent aller Krankschreibungen erfolgen telefonisch. Die OECD sieht Deutschland bei krankheitsbedingten Fehlzeiten mit 6,8 Prozent auf Rang 7 â im Spitzenfeld. Andere Erhebungen, wie die EuropĂ€ische ArbeitskrĂ€fteerhebung, verorten Deutschland dagegen nur im oberen Mittelfeld.
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Ausblick: Teilkrankschreibung ab 2028
Als Teil langfristiger Planungen stellte die Regierung zudem eine Teilkrankschreibung fĂŒr 2028 in Aussicht. Ein formeller Gesetzentwurf fĂŒr das aktuelle Reformpaket liegt noch nicht vor. Bis auf Weiteres bleibt die bisherige Rechtslage bestehen.
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