Krankschreibung, Urlaubsabsage

Krankschreibung nach Urlaubsabsage: Wann Ärzteattest seinen Beweiswert verliert

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Arbeitgeberverband meldet zunehmende Zweifel an Krankschreibungen nach abgelehnten UrlaubsantrĂ€gen. Gerichtsurteile erlauben strengere PrĂŒfung.

Krankschreibung nach Urlaubsabsage: Arbeitgeber zweifeln an Attesten
Eine Personalverantwortliche in einem modernen BĂŒro betrachtet konzentriert Dokumente auf ihrem Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

In der betrieblichen Praxis nehmen die Spannungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beim Thema Krankschreibungen zu, insbesondere wenn diese unmittelbar auf abgelehnte UrlaubsantrÀge folgen.

Wie die Braunschweiger Zeitung Mitte August 2026 berichtete, Ă€ußerte sich ein Arbeitgeberverband besorgt ĂŒber FĂ€lle, in denen BeschĂ€ftigte nach einer Urlaubsabsage zeitnah eine ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung (AU) vorlegen. Die Organisation betonte dabei, dass Arbeitgeber in solchen Konstellationen zunehmend den Beweiswert der Ă€rztlichen Atteste anzweifeln.

Rechtliche Grundlagen und der erschĂŒtterte Beweiswert

Der Fokus der juristischen Auseinandersetzung liegt auf der Frage, inwieweit eine ordnungsgemĂ€ĂŸ ausgestellte Krankschreibung als unumstĂ¶ĂŸlicher Beweis fĂŒr eine ArbeitsunfĂ€higkeit gilt. GrundsĂ€tzlich kommt der AU ein hoher Beweiswert zu. Dieser kann jedoch erschĂŒttert werden, wenn ernsthafte Zweifel an der tatsĂ€chlichen Erkrankung bestehen.

Der Arbeitgeberverband bezog sich in seiner Stellungnahme auf die geltende Rechtsprechung, insbesondere auf ein richtungsweisendes Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) aus dem Jahr 2021.

Nach Auffassung der Richter kann der Beweiswert einer Krankschreibung entfallen, wenn die zeitliche Abfolge der Ereignisse Fragen aufwirft. Dies ist hĂ€ufig dann der Fall, wenn die bescheinigte ArbeitsunfĂ€higkeit exakt den Zeitraum abdeckt, fĂŒr den zuvor vergeblich Urlaub beantragt wurde, oder wenn die Krankmeldung passgenau bis zum Ende einer KĂŒndigungsfrist reicht.

In solchen Situationen obliegt es dem Arbeitnehmer, den Nachweis der tatsĂ€chlichen Erkrankung durch weitere Belege oder Zeugenaussagen zu fĂŒhren, sofern der Arbeitgeber den Beweiswert der AU substantiiert bestritten hat.

Anzeige

Wer sich mit dem Beweiswert von Àrztlichen Attesten und den damit verbundenen Pflichten befasst, muss seine ArbeitsvertrÀge rechtssicher gestalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie rechtswidrige Klauseln erkennen und Ihre VertrÀge an die aktuelle Gesetzeslage anpassen. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen entdecken

PrÀzedenzfall zur Drohung mit Krankschreibung

Die rechtlichen Konsequenzen fĂŒr Arbeitnehmer, die eine Krankmeldung als Druckmittel einsetzen, sind erheblich. Bereits vor einigen Jahren befasste sich das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm mit einem entsprechenden Sachverhalt (Az. 10 Sa 156/15).

In dem Fall, ĂŒber den Mitte August berichtet wurde, hatte ein Arbeitnehmer nach der Ablehnung seines Urlaubswunsches explizit einen Arztbesuch angekĂŒndigt. Die daraufhin rĂŒckwirkend ausgestellte ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung wurde vom Gericht kritisch gewertet.

Das LAG Hamm entschied, dass die Drohung mit einer Krankschreibung fĂŒr den Fall einer Urlaubsablehnung eine fristlose KĂŒndigung rechtfertigen kann. Das Gericht sah in einem solchen Verhalten eine schwerwiegende Verletzung der arbeitsvertraglichen Treuepflicht.

Der Beweiswert der spĂ€ter vorgelegten AU wurde durch die vorherige AnkĂŒndigung des Arbeitnehmers als erschĂŒttert angesehen. Juristen weisen darauf hin, dass die AnkĂŒndigung einer Erkrankung als Reaktion auf eine verweigerte Freistellung das VertrauensverhĂ€ltnis zwischen den Vertragsparteien nachhaltig schĂ€digt.

Implikationen fĂŒr das Personalmanagement

FĂŒr HR-Abteilungen bedeutet die aktuelle Entwicklung eine Sensibilisierung fĂŒr die Dokumentation von UrlaubsantrĂ€gen und deren AblehnungsgrĂŒnden. Wenn ein zeitlicher Zusammenhang zwischen einer Ablehnung und einer Krankmeldung besteht, raten Fachleute fĂŒr Arbeitsrecht dazu, den Sachverhalt genau zu prĂŒfen.

Anzeige

Um bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen im Personalmanagement rechtssicher zu agieren, sind aktuelle Musterformulierungen unerlĂ€sslich. Dieser Gratis-Report enthĂŒllt, welche Standardklauseln in ArbeitsvertrĂ€gen seit der letzten GesetzesĂ€nderung nicht mehr zulĂ€ssig sind. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen

Sollte der Beweiswert der AU durch objektive UmstĂ€nde erschĂŒttert sein, entfĂ€llt zunĂ€chst die Pflicht des Arbeitgebers zur Entgeltfortzahlung. In einem solchen Fall muss der BeschĂ€ftigte im Rahmen einer abgestuften Darlegungs- und Beweislast darlegen, dass er tatsĂ€chlich arbeitsunfĂ€hig war.

Die Rechtsprechung des BAG aus dem Jahr 2021 bietet Arbeitgebern hier eine verlÀssliche Grundlage, um gegen MissbrauchsfÀlle vorzugehen und die IntegritÀt des Systems der Entgeltfortzahlung zu wahren.

Der Arbeitgeberverband unterstreicht, dass dies notwendig sei, um die betriebliche Planungssicherheit zu gewÀhrleisten und Fehlzeiten entgegenzuwirken, die nicht auf einer echten medizinischen Indikation beruhen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 69953625 |