Kritis-Schutz: DIHK fordert nach 165 Sabotagen Mindeststandards
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 02:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts einer Häufung von Sabotageakten in der Bundesrepublik hat die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) einen beschleunigten und deutlich erweiterten Schutz der kritischen Infrastruktur (Kritis) angemahnt. Die Organisation bewertete das seit März 2026 geltende Kritis-Dachgesetz als unzureichend und drängte auf die Einführung einheitlicher Mindeststandards für die Sektoren Energie, Verkehr sowie Informationstechnik und Kommunikation.
Sicherheitslücken und fehlende Rechtsverordnungen
Obwohl das Kritis-Dachgesetz bereits seit mehreren Monaten in Kraft ist, fehlen laut Angaben des Bundesinnenministeriums weiterhin die zugehörigen Rechtsverordnungen. Dieser Umstand führt zu Kritik von verschiedenen Seiten.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie die Wirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, verwiesen auf erhebliche Schutzlücken und sprachen von zu vielen Leerstellen in der aktuellen Gesetzgebung. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Irene Mihalic, forderte von Bundesinnenminister Dobrindt ein schlüssiges Gesamtkonzept.
Das Bundesinnenministerium stufte die Gefährdungslage für die kritische Infrastruktur nach jüngsten Zwischenfällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen als hoch ein. Dabei betonte das Ministerium jedoch, dass primär die Betreiber selbst für den Schutz ihrer Anlagen verantwortlich seien.
Sabotagefälle und polizeiliche Erkenntnisse
Das Bundeskriminalamt (BKA) legte Ende August 2026 ein aktuelles Lagebild vor, das das Ausmaß der Bedrohung verdeutlicht. Demnach wurden bundesweit 165 Sabotageverdachtsfälle und 24 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Spionage registriert. Besonders betroffen sind die Bundesländer Brandenburg mit 23 Fällen sowie Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit jeweils 21 gemeldeten Ereignissen. In Niedersachsen wurden 15 Fälle aktenkundig.
Ein besonderer Schwerpunkt der Sicherheitsbedenken liegt auf der unbefugten Nutzung von Drohnen. Das BKA verzeichnete 747 Sichtungen mit insgesamt 1.068 Drohnen über kritischen Anlagen. Ermittlungsbehörden gehen nach Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen von verfassungsfeindlicher Sabotage aus.
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So kam es am 1. September 2026 zu einem Angriff auf das Umspannwerk Turnow-Preilack. Die Täter verwendeten dabei nach ersten Erkenntnissen selbstgebaute Flugkörper und Kabel, um gezielte Kurzschlüsse herbeizuführen.
Ähnliche Muster wurden bei einem Vorfall in Bergheim beobachtet. Der CDU-Politiker Redmann sprach in diesem Zusammenhang von Anzeichen für einen koordinierten Angriff auf die deutsche Strominfrastruktur.
Debatte um Drohnenabwehr und Kosten
In der politischen Diskussion steht derzeit die sogenannte Beleihung privater Betreiber im Fokus. Das Innenministerium erwägt, Unternehmen hoheitliche Befugnisse zur Drohnenabwehr zu übertragen.
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Während die CDU diesen Vorstoß unterstützt, kommt Widerstand von der Linken und den Grünen. Letztere warnten davor, staatliche Verantwortung vollständig an Private abzugeben. Die AfD forderte stattdessen eine Stärkung der Bundeswehr und der Grenzkontrollen.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul sprach sich ebenfalls für erweiterte Befugnisse der Betreiber aus. Brandenburg plant unterdessen als erstes Bundesland die Einrichtung eines „360-Grad-Sicherheitszentrums“ sowie ein eigenes Beleihungsgesetz.
Der Verband der Betreiber kritischer Infrastruktur wies unterdessen auf die wirtschaftlichen Folgen verschärfter Sicherheitsvorgaben hin. Durch die Umsetzung neuer Schutzmaßnahmen sei mit einer Vervier- bis Versechsfachung der Kosten zu rechnen. Parallel dazu warnte auch der Verfassungsschutz erneut vor zunehmenden Aktivitäten in den Bereichen Spionage und Sabotage gegen zentrale Infrastruktureinrichtungen.
