Kündigungswelle: 30 Prozent der Beschäftigten trennen sich vom Arbeitgeber
Veröffentlicht: 03.06.2026 um 10:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Fluktuation auf dem deutschen Arbeitsmarkt erreicht Rekordniveau: Fast ein Drittel der Beschäftigten trennte sich zuletzt von seinem Arbeitgeber. Der „Kündigungsreport“ von HR Works zeigt für 2026 eine Trennungsrate von 30 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber 19 Prozent im Jahr 2021.
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Kündigungswelle erfasst alle Branchen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 16 Prozent der Arbeitnehmer kündigten selbst, während 14 Prozent von ihrem Arbeitgeber entlassen wurden. Besonders betroffen ist der Einzelhandel, wo 18 Prozent der Beschäftigten von sich aus gingen.
Bei den Kündigungen durch Arbeitgeber dominieren betriebsbedingte Gründe mit 38 Prozent. Weitere 12 Prozent entfallen auf allgemeinen Personalabbau, sieben Prozent auf strategische Neuausrichtungen. Leistungsbedingte Kündigungen machen zwölf Prozent aus.
Künstliche Intelligenz wird zum Jobkiller
Ein neuer Trend zeichnet sich ab: KI verdrängt zunehmend Arbeitsplätze. Wurde künstliche Intelligenz 2021 nur bei einem Prozent der Trennungen als Grund genannt, stieg dieser Anteil bis 2025 auf acht Prozent. Die Entwicklung dürfte sich weiter beschleunigen.
Industrie baut massiv Stellen ab
Der Arbeitsmarkt kühlt sich spürbar ab. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldet für das erste Quartal 2026 einen Rückgang der Erwerbstätigen um 160.000 auf 45,64 Millionen. Besonders dramatisch: 270.000 Vollzeitstellen gingen verloren, während 150.000 Teilzeitjobs entstanden. Die Teilzeitquote liegt nun bei 40,1 Prozent.
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Ein separater „Jobverlust-Report“ für Mai 2026 dokumentiert den Niedergang der Industrie: 486.000 Arbeitsplätze gingen innerhalb von drei Monaten verloren. Große Arbeitgeber meldeten massive Einschnitte: Commerzbank (3.000 Stellen), BioNTech (1.860), ContiTech (1.600) und Wacker Chemie (1.600). Die Automobilindustrie erwartet bis 2035 insgesamt 225.000 wegfallende Jobs – allein im Mai strich Porsche 500 und Mahle 350 Stellen.
SAP-Markt flaut ab – Fachkräftemangel bleibt paradox
Der Bedarf an hochqualifizierten Spezialisten stagniert. Der SAP-Stellenmarkt wuchs 2025 nur noch um 2,3 Prozent – ein massiver Einbruch nach 6,5 Prozent im Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 blieb die Zahl der SAP-Vakanzen nahezu unverändert.
Doch die Nachfrage verschiebt sich: Projektmanager verzeichnen ein Plus von acht Prozent, Fachkräfte mit Berufsausbildung sogar 58 Prozent. Gleichzeitig brach die Nachfrage nach Akademikern um 24 Prozent und nach Berufseinsteigern um 22 Prozent ein. Die Arbeitslosigkeit unter IT-Spezialisten erreichte im März 2026 mit über 61.000 einen historischen Höchststand.
Wolfgang Achilles, Chef von Jobware, konstatiert: „Die Krise am Arbeitsmarkt dauert nun seit über 18 Monaten.“ Während die Nachfrage nach Uni-Absolventen drastisch gesunken sei, blieben Handwerk, Fernverkehr und Pflege stabil.
Gehälter steigen – doch die Sorge bleibt
Zwar deuten aktuelle Tarifabschlüsse auf steigende Reallöhne hin. Doch die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist groß. Der Kununu Happiness Index befragte über 3.000 Beschäftigte: 90 Prozent nennen finanzielle Sicherheit als Priorität, aber nur 58 Prozent glauben, sie sich leisten zu können.
Auswanderung auf Rekordniveau
Die innenpolitischen Spannungen treiben immer mehr Deutsche ins Ausland. Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 288.579 Auswanderer – der höchste je gemessene Wert. Zwei Drittel sind unter 40 Jahre alt, drei Viertel haben einen Hochschulabschluss. Beliebtestes Ziel bleibt die Schweiz.
Parallel sinkt die Nettozuwanderung nach Deutschland drastisch: 2025 um 45 Prozent auf 235.000 Menschen. Zwar zogen 1,48 Millionen Menschen nach Deutschland, doch 1,25 Millionen verließen das Land. Gegenüber anderen EU-Staaten ergibt sich sogar ein Wanderungsverlust von 54.000 Personen.
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