Kunststoffsteuer, Euro

Kunststoffsteuer ab Juli 2027: 550 Euro je Tonne geplant, VerbÀnde warnen

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Gesetzentwurf sieht 550 Euro je Tonne Kunststoff vor; WirtschaftsverbÀnde verlangen ein regulÀres Verfahren und eine FolgenabschÀtzung.

Kunststoffsteuer ab 2027 geplant: Abgabe und Widerstand der Wirtschaft
Haufen aus sortierten Kunststoffflocken in einer industriellen Recyclinganlage bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD bereiten die EinfĂŒhrung einer nationalen Kunststoffverpackungssteuer vor. Laut einem Gesetzentwurf mit dem Bearbeitungsstand vom 30. September 2026 soll die Abgabe ab Juli 2027 greifen und 550 Euro je Tonne enthaltenen Kunststoffs betragen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bringt das Vorhaben auf den Weg, das von der Bundesregierung im Eilverfahren umgesetzt werden soll.

Geplante Abgabe auf Verpackungen und Folien

Der Entwurf sieht vor, dass Verpackungen, Folien und Verbundverpackungen mit einem Kunststoffanteil von mehr als 5 Prozent steuerpflichtig werden. Die Steuer soll bei der Herstellung, dem Verbringen oder der Einfuhr anfallen. Bei einer 1,5-Liter-PET-Flasche wĂŒrde die Belastung knapp 2 Cent betragen, solange kein Plastik wiederverwendet wird. Neumaterial ist am Markt hĂ€ufig gĂŒnstiger als recycelter Kunststoff.

Verpackungen aus Rezyklaten können auf Antrag entlastet werden. FĂŒr Privatpersonen bleibt die Weitergabe der Produkte steuerfrei. Im Jahr 2023 fielen rund 3 Millionen Tonnen KunststoffverpackungsabfĂ€lle an.

ZunĂ€chst sollen jĂ€hrlich rund 3 Millionen Tonnen steuerpflichtig sein; der BegrĂŒndung des Entwurfs zufolge dĂŒrfte diese Menge kĂŒnftig sinken. Es wird erwartet, dass Unternehmen die Abgabe an die Endkunden weitergeben.

Seit 2021 zahlen die EU-Mitgliedstaaten bereits eine Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen an die EuropÀische Union; LÀnder wie Spanien und Portugal geben diese an Verbraucher weiter. Neben der Kunststoffabgabe vereinbarte die Koalition zudem eine Zuckersteuer sowie höhere Alkohol- und Tabaksteuern.

Erwartete Steuereinnahmen und bĂŒrokratischer Aufwand

FĂŒr das Rumpfjahr 2027 werden Mehreinnahmen von 805 Millionen Euro erwartet, wĂ€hrend das Finanzministerium von 670 Millionen Euro fĂŒr 2027 ausgeht. Ab dem ersten vollen Jahr 2028 rechnet das Ministerium mit 1,505 Milliarden Euro, wĂ€hrend andere SchĂ€tzungen knapp 1,5 Milliarden Euro ausweisen. FĂŒr den Bund werden ab 2028 jĂ€hrlich rund 1,485 Milliarden Euro an Einnahmen veranschlagt.

Anzeige

Der Gesetzentwurf sieht 550 Euro je Tonne Kunststoff in Verpackungen vor — bei Herstellung, Verbringen oder Einfuhr. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie Steuerpflicht, Rezyklat-Entlastung und Importkontrolle strukturiert vorbereiten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Gleichzeitig erfordert die Erhebung erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen. Bis 2029 erwartet der Bund Umsetzungskosten von 284 Millionen Euro, wÀhrend an anderer Stelle staatliche Kosten von 283,5 Millionen Euro beziffert werden. Dies umfasst unter anderem 788 zusÀtzliche Vollzeitstellen bei der Zollverwaltung.

Ab 2029 wird der jĂ€hrliche Erhebungsaufwand auf 104 Millionen Euro geschĂ€tzt. Auf die Wirtschaft kommen nach den Berechnungen einmalige BĂŒrokratiekosten von rund 8,8 Millionen Euro sowie laufende Belastungen von jĂ€hrlich rund 44,1 Millionen Euro zu.

Widerstand aus der Wirtschaft und Kritik von VerbÀnden

Gegen die PlĂ€ne regt sich deutlicher Widerstand in der Industrie. Am 2. Oktober 2026 wandten sich acht WirtschaftsverbĂ€nde – darunter der Handelsverband Deutschland (HDE), der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), der Bund Deutscher Zöllner (BDZ) sowie die Zoll- und Finanzgewerkschaft – in einem gemeinsamen Schreiben an Kanzleramtsministerin Nina Warken. Sie warnten vor einer EinfĂŒhrung im Schnellverfahren ohne regulĂ€re Ressortbeteiligung sowie ohne Kabinettsbeschluss und forderten ein transparentes Gesetzgebungsverfahren inklusive umfassender FolgenabschĂ€tzung.

Anzeige

Offene Fragen bei Steuerschuldnerschaft und Importkontrollen treffen Importeure und Hersteller besonders hart. Wer heute Rezyklat-Anteile und Zollprozesse prĂŒft, senkt spĂ€teren Nachbesserungsaufwand. Der Leitfaden liefert den 5-Punkte-Importkontroll-Plan und die Checkliste fĂŒr den Entlastungsantrag. 5-Punkte-Importkontroll-Plan sichern

Der Handelsverband Deutschland lehnt das Vorhaben grundsĂ€tzlich ab und bezeichnet die geplante Steuer als Bruch des Koalitionsvertrags. Der Verband Plastics Europe Deutschland kritisierte zahlreiche ungeklĂ€rte Umsetzungsfragen. Der Gesetzentwurf nenne weder die konkrete Zahl der betroffenen Betriebe noch klĂ€re er verlĂ€sslich die Steuerschuldner, die DurchfĂŒhrung von Importkontrollen oder die tatsĂ€chliche ökologische Lenkungswirkung.

Die Deutsche Umwelthilfe begrĂŒĂŸt den Ansatz einer Abgabe hingegen grundsĂ€tzlich, fordert jedoch Nachbesserungen. Die Umweltorganisation dringt darauf, die Regelung auf Einwegverpackungen zu beschrĂ€nken und im Gegenzug weitere Materialien wie Papier, Pappe, Karton und Metalle in die Steuerpflicht einzubeziehen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70235665 |