Baden-Württemberg, Pflicht

LAG Baden-Württemberg: Keine Pflicht, im Krankheitsfall ungefragt Aufgaben zu nennen

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Artikel erläutert Entgeltansprüche bei Fehlzeiten, Pflichten während einer Krankschreibung und die Höhe des Krankengeldes 2026.
Ein heller, minimalistischer Büroraum mit einem leeren Schreibtisch und Blick aus dem Fenster, symbolisch für arbeitsrechtliche Themen. Illustration mit AI erstellt.

Die Frage, unter welchen Voraussetzungen Beschäftigte bei Arztterminen oder selbstverschuldeten Ausfällen der Arbeit fernbleiben dürfen und ob in dieser Zeit ein Anspruch auf Arbeitsentgelt besteht, beschäftigt regelmäßig die juristische Praxis. Anhand verschiedener Fallkonstellationen analysieren Rechtsquellen die Grenzen zwischen gesetzlicher Arbeitsverhinderung, betrieblicher Fürsorgepflicht und persönlichem Verschulden.

Arzttermine und persönliches Verschulden im Fokus

Ob ein Beschäftigter während einer Arbeitsverhinderung bezahlt freigestellt werden muss, hängt maßgeblich von den Umständen des Einzelfalls ab. In juristischen Fallanalysen wird unter anderem die Situation betrachtet, in der ein Beschäftigter an einem Vormittag im Betrieb fehlt, um sich aufgrund einer staatlichen Empfehlung gegen Corona impfen zu lassen.

Bietet der behandelnde Arzt die Impfsprechstunde ausschließlich an diesem Vormittag an, stellt sich die Frage, ob der Arbeitgeber eine Lohnkürzung vornehmen darf.

Demgegenüber stehen Konstellationen mit eindeutigem Eigenverschulden. Muss ein Beschäftigter wegen eines verübten Raubes für einige Tage in Untersuchungshaft und kann folglich seine Arbeitsleistung nicht erbringen, entfällt der Vergütungsanspruch; der Arbeitgeber zahlt für die Fehlzeit keinen Lohn.

Ebenso führt ein unentschuldigtes Fernbleiben, etwa nach einer durchwachten Nacht bei einem früher Schichtbeginn um 5 Uhr morgens, zu rechtlichen Konsequenzen für den Entgeltanspruch.

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Rechtsprechung und Verhalten bei Krankschreibungen

Auch bei krankheitsbedingtem Ausfall gelten klare rechtliche Vorgaben. Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg entschied im Urteil mit dem Aktenzeichen 8 Sa 25/25, dass für Arbeitnehmer keine allgemeine Pflicht besteht, bei einer Erkrankung ungefragt auf dringliche Aufgaben hinzuweisen.

Eine Auskunft kann der Arbeitgeber demnach nur verlangen, wenn die Geschäftsfortführung ohne diese Information erheblich erschwert oder unmöglich wäre. Im verhandelten Fall hatte ein Kläger eine Abmahnung erhalten, weil er nicht auf eine Arbeitsvertragsklausel hingewiesen hatte.

Hinsichtlich des Verhaltens während einer Arbeitsunfähigkeit erläutern Juristen von Rechtsschutzversicherungen, dass Aktivitäten zulässig sind, die der Genesung dienen. Dazu zählen Spaziergänge, Einkäufe oder nach ärztlicher Absprache auch moderater Sport sowie genesungsfördernde Reisen.

Genesungswidriges Verhalten wie Partynächte und Alkoholkonsum kann hingegen bei einem Widerspruch zur ärztlichen Diagnose zu einer Abmahnung oder Kündigung führen. Bei einer Arbeitsunfähigkeit nach einer Kündigung sind zudem Pflichten wie die Rückgabe von Dienstwagen, Schlüsseln und Laptops sowie die Vorgaben zu Nebentätigkeiten und Kontaktpflichten zu beachten.

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Gleichzeitig bedeutet eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kein Beschäftigungsverbot. Der Arbeitgeber besitzt gemäß Fürsorgepflicht nach Paragraf 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches und Paragraf 3 des Arbeitsschutzgesetzes jedoch das Recht, erkrankte Angestellte nach Hause zu schicken.

Eine Freistellung führt in diesem Fall zu Annahmeverzug, während eine förmliche Gesundschreibung gesetzlich nicht erforderlich ist. Bestehen Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit, kann der Arbeitgeber diese nicht eigenmächtig ablehnen, sondern eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst veranlassen.

In der Politik diskutieren Koalitionsabgeordnete zudem darüber, ob eine Bescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verlangt werden sollte, um Fehlzeiten zu senken.

Dauer der Entgeltfortzahlung und Krankengeld 2026

Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz zahlt der Arbeitgeber den Lohn bei krankheitsbedingtem Ausfall bis zu sechs Wochen fort. Nach Ablauf dieser Frist schließt sich das Krankengeld an, das 70 Prozent des Bruttoentgelts, höchstens jedoch 90 Prozent des Nettoentgelts beträgt.

Für das Jahr 2026 liegt die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung bei monatlich 5812,50 Euro. Das maximale Bruttokrankengeld beträgt 135,63 Euro pro Kalendertag, was bei 30 Tagen einer Summe von höchstens 4068,90 Euro entspricht. Bei einem Beispielgehalt von 4500 Euro brutto beziehungsweise 3000 Euro netto liegt das Bruttokrankengeld bei maximal 2700 Euro.

Der Anspruch besteht für maximal 78 Wochen innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren, wobei die Wochen der Entgeltfortzahlung darauf angerechnet werden. Ergänzend dazu ermöglichen telemedizinische Angebote in Apotheken auf Basis von Paragraf 129 Absatz 5h des Fünften Buches Sozialgesetzbuch bei bestimmten medizinischen Voraussetzungen die Ausstellung von Rezepten und Bescheinigungen.

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