Lagerautomatisierung: 4,2-Milliarden-Markt wächst ohne Brandschutz-Regeln
30.05.2026 - 01:49:51 | boerse-global.de
Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) hat die siebte Auflage seines Weißbuchs zu Brandschutzkabeln vorgelegt. Die aktualisierte Publikation vom 29. Mai 2026 konzentriert sich auf die Anforderungen der Bauproduktenverordnung (CPR), die seit Juli 2017 europaweit gilt. Die neue Version bietet technische Leitlinien für Prüfverfahren und konkrete Vorschläge zur Erhöhung der Sicherheitsstandards in Gebäuden.
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Fortschreibung der CPR-Konformität
Das Weißbuch greift die technische Weiterentwicklung der Kabelsicherheit seit Einführung der CPR vor fast neun Jahren auf. Der ZVEI betont, dass das Dokument als umfassende Orientierungshilfe für die Klassifizierung feuerbeständiger Kabel und deren Verhalten unter verschiedenen Prüfbedingungen dient. Der Verband unterstreicht die Notwendigkeit hoher Sicherheitsstandards in der modernen Infrastruktur – insbesondere beim Brandverhalten elektrischer Komponenten.
Die Veröffentlichung fällt in eine Phase branchenweiter Modernisierungen von Sicherheitsvorschriften. So wurde etwa die Norm DIN EN IEC 62305-2 Ed.3 für den Blitzschutz aktualisiert. Sie fasst Personen- und Sachschäden in einem einheitlichen Risikowert zusammen, führt separate Ausfallraten für technische Systeme ein und empfiehlt den Einsatz von Gewitterwarnsystemen.
Neue Standards für Rauchschutz und Gebäudetechnik
Neben den Kabelvorschriften bereitet sich die Branche auf aktualisierte Richtlinien für die Gebäudelüftung vor. Ein neuer Entwurf der VDMA 24188 (Version 2026-06) soll ab Juni 2026 zur öffentlichen Konsultation stehen. Der Entwurf ersetzt die Vorgängerversion von 2011, definiert Maßnahmen für den Rauchschutz in Treppenhäusern und enthält ein neues Kapitel über Druckbelüftungssysteme. Interessierte können bis zum 1. August 2026 Stellungnahmen zu den überarbeiteten Auslegungsparametern einreichen.
Bereits Anfang Mai wurden Fortschritte im baulichen Brandschutz auf der FeuerTrutz 2026 ausgezeichnet. Am 28. Mai 2026 erhielt ein montagefertiges System für Deckendurchbrüche den Preis „Produkt des Jahres" im Bereich baulicher Brandschutz. Das System besteht aus nicht brennbaren Leichtbetonplatten, vereint Feuchteschutz mit einer Feuerwiderstandsklasse von EI90 und kann Lasten bis zu 800 kg/m² tragen.
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Regulatorische Lücken in automatisierten Logistikzentren
Der Fokus auf Sicherheitsstandards kommt zu einem Zeitpunkt rasanten Wachstums in der Logistikbranche. Der deutsche Markt für Lagerautomatisierung wuchs 2023 um 12 Prozent auf einen Wert von 4,2 Milliarden Euro. Experten und Aufsichtsbehörden haben jedoch eine erhebliche regulatorische Lücke beim Brandschutz in automatisierten Hochregallagern identifiziert.
Zwar mögen die aktuellen Bauvorschriften technisch für die grundlegende Sicherheit ausreichen – doch warnen die Behörden, dass sie keinen wirksamen Schutz von Sachwerten garantieren. Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigen: Die durchschnittlichen Versicherungssummen pro Lagereinheit haben sich seit 2019 verdoppelt. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt, dass potenzielle Schadensszenarien in diesen hochverdichteten Umgebungen häufig unterschätzt werden.
Mit der zunehmenden Elektrifizierung und Automatisierung drängen weitere Sicherheitslösungen auf den Markt. Für den Bereich erneuerbare Energien werden auf der Intersolar Europe in München (23. bis 25. Juni 2026) neue Feuerwehrschalter für Photovoltaikanlagen vorgestellt. Diese Geräte kombinieren Notausschalter mit Überspannungsschutz für Gleich- und Wechselstrom und adressieren spezifische Brandschutzanforderungen von Solaranlagen.
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