Chinesische Marken drÀngen nach Deutschland und Europa
21.04.2026 - 04:00:07 | dpa.deChinesische Automarken gewinnen in Deutschland und Europa immer mehr an Boden. Im ersten Quartal waren sie fĂŒr rund 3,1 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland verantwortlich, wie sich aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes ablesen lĂ€sst. Das ist zwar nur ein kleiner Anteil, doch er wĂ€chst schnell: Im Gesamtjahr 2025 waren es 2,4 Prozent, 2024 erst 1,7 Prozent.Â
Vor allem zwei Marken liegen aktuell vorne: BYD und MG Rowe, die im ersten Quartal zusammen deutlich mehr als die HÀlfte der chinesischen Neuzulassungen in Deutschland ausmachen. EuropÀische Marken in chinesischer Hand wie Volvo oder Smart sind dabei nicht mitgezÀhlt.
Auf EU-Ebene sind die chinesischen Marken noch stĂ€rker. Die Zahlen des Branchenverbandes ACEA fĂŒr Januar und Februar - MĂ€rz liegt noch nicht vor - zeigen alleine fĂŒr BYD einen Marktanteil von 1,8 Prozent und fĂŒr die MG-Mutter SAIC, zu der auch noch Maxus gehört, 1,9 Prozent.Â
HĂ€ndlernetze schieben den Absatz an
«Die machen unheimlich Druck», sagt Stefan Reindl, Chef des Instituts fĂŒr Automobilwirtschaft in Geislingen. Ein zentrales Element dabei ist der Autohandel, denn einige chinesischen Marken haben inzwischen relevante und schnell wachsende HĂ€ndlernetze aufgebaut. 180 Standorte waren es vor einigen Wochen bei MR Roewe, rund 155 bei BYD und inzwischen könnten es schon mehr sein, sagt Reindl. Dazu kommt die Firma Leapmotor, die durch eine Kooperation mit Stellantis inzwischen auf etwa 120 Standorte kommt. «Die Marken haben erkannt, dass es fĂŒr Erfolg in Deutschland ein HĂ€ndlernetz braucht, zur Sichtbarkeit und fĂŒr Beratungsmöglichkeiten vor Ort.»
Burkhard Weller, dessen Wellergruppe mit 42 Standorten zu den groĂen deutschen AutohĂ€ndlern gehört, hat zusĂ€tzlich zu seinen Hauptmarken BMW und Toyota inzwischen an 12 Standorten BYD und an 10 Standorten MG Rowe im Angebot. «Wir sind sehr zufrieden», sagt er. «Der Absatz lĂ€uft gut, die Kunden kommen sehr bewusst zu uns und haben sich in der Regel auch schon intensiv mit den chinesischen Marken beschĂ€ftigt.» Beide Marken seien auf ihn zugekommen. «Wir haben uns das genau angeschaut und sind ĂŒberzeugt, die richtigen an Bord zu haben.» Auch andere groĂe Gruppen haben BYD oder MG ins Portfolio aufgenommen.Â
Nicht alle werden bleiben
Die Aussichten auf weiteres Wachstum sind fĂŒr die stĂ€rkeren chinesischen Marken in Deutschland also durchaus gut. Reindl geht davon aus, dass sich nicht alle, die aktuell hierzulande antreten, etablieren werden. «Eher fĂŒnf bis sechs Marken - mit einem Marktanteil von insgesamt vielleicht acht bis zehn Prozent», erwartet er. Der Deutsche Markt sei anspruchsvoll und wettbewerbsintensiv - und man dĂŒrfe die hohe LoyalitĂ€t und PrĂ€ferenz zugunsten heimischer Marken nicht unterschĂ€tzen. Einen Teil ihres aktuellen Wachstums verdankten die Marken zudem hohen Eigenzulassungen auf den Handel und VerkĂ€ufen an Autovermieter mit Hilfe hoher PreisnachlĂ€sse. Zu solchen Mitteln greifen Autohersteller, um den Absatz anzuschieben. Sie sind aber teuer.
Im StraĂenbild sind chinesische Marken noch recht selten. Von den 49,5 Millionen Autos, die hierzulande am 1. Januar zugelassen waren, stellen sie nur 131.000 - das sind 0,26 Prozent. Die Tendenz ist aber schnell steigend.Â
Harter Wettbewerb auf dem Heimatmarkt
In China selbst wĂ€chst der Druck auf die Autohersteller, Fahrzeuge im Ausland abzusetzen. Der heimische Markt bleibt hart umkĂ€mpft, Preisschlachten unter den Herstellern zehren an den Margen. Umso stĂ€rker boomt das ExportgeschĂ€ft, vor allem bei elektrifizierten Fahrzeugen.Â
Im MĂ€rz verschifften chinesische Autobauer laut dem chinesischen Branchenverband CPCA rund 349.000 Elektro- und Hybridautos ins Ausland, ein Plus von knapp 140 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. «Chinesische Autohersteller haben in Deutschland deutliche Fortschritte gemacht, und ein weiteres Vordringen ist zu erwarten», sagt Cui Dongshu, GeneralsekretĂ€r des CPCA.
Krieg im Nahen Osten sorgt fĂŒr RĂŒckenwindÂ
Die Unruhen im Nahen Osten könnten den Trend zusĂ€tzlich beschleunigen. «Die Verwerfungen an den EnergiemĂ€rkten haben die Nachfrage nach ElektromobilitĂ€t global befeuert, gerade auch in Europa und Deutschland», meint Peter Fintl, Autoexperte bei der Technologieberatung Capgemini. «Der Ălpreis öffnet die TĂŒr, das bessere Produkt hĂ€lt sie offen.» Gemeint ist aus seiner Sicht, dass die Modelle spĂŒrbar besser geworden sind und KĂ€ufer heute deutlich mehr Elektroauto fĂŒrs Geld bekommen als noch vor zwei Jahren.
Auch Nicola Borgo von der Beratung Arthur D. Little sieht eine verbesserte Ausgangsposition chinesischer Anbieter: Steigende Ălpreise beschleunigten die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, wĂ€hrend europĂ€ische Produzenten gleichzeitig unter erhöhtem Kostendruck stĂŒnden.
Pekinger Automesse zeigt NeuheitenÂ
Neue Modelle und ExpansionsplĂ€ne dĂŒrften in dieser Woche auch auf der Pekinger Automesse Auto China 2026 eine groĂe Rolle spielen.Â
Was bremst, sind zwar die seit 2024 geltenden EU-Zusatzzölle auf E-Autos aus China. Bislang scheinen sie den Vormarsch chinesischer Marken in Europa aber nicht gestoppt zu haben. Zugleich treiben einige Hersteller ihre Produktion in Europa voran. Ein Trend, den auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer beobachtet. «Die Dominanz von China wird in den nÀchsten Jahren "exportiert" werden», schreibt er in einer aktuellen Studie. «Es ist ein Àhnliches Modell, wie das der Japaner vor 50 Jahren oder der Deutschen vor 70 Jahren.»
Niedersachsens MinisterprĂ€sident Olaf Lies (SPD), der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, hat unterdessen bereits eine weitere Option ins Spiel gebracht: den Bau von chinesischen Autos in den deutschen VW-Werken. Man könne nicht verhindern, dass chinesische Autobauer verstĂ€rkt in den europĂ€ischen Markt drĂ€ngen, sagte er der «Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung». FĂŒr ihn stehe aber auch im Fokus, die BeschĂ€ftigung in deutschen VW-Werken zu sichern und ProduktionsstĂ€tten auszulasten.
Derweil bringen sich in China bereits weitere Hersteller fĂŒr den Markteintritt in Deutschland in Stellung. Experte Fintl erwartet keinen plötzlichen Umbruch, sondern eine schrittweise Verschiebung: «Nicht als Tsunami, sondern als steigende Flut. Langsamer, als in China erhofft wird, aber nachhaltiger und kraftvoller, als man in Wolfsburg, Paris oder Turin fĂŒrchtet.»
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