Lebensmittelbranche, Insolvenzen

Lebensmittelbranche: Insolvenzen steigen um 40 Prozent

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 18:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Aktienbrauerei Kaufbeuren reduziert ihre Belegschaft auf 38 Personen. Auch Bäckereien, Handel und Industrie melden weitere Einschnitte.

ABK-Sanierung halbiert Belegschaft – Insolvenzen nehmen weiter zu
Leere, industrielle Brauereianlage mit Edelstahltanks in einer Produktionshalle bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen des nun eröffneten Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung steht die traditionsreiche Aktienbrauerei Kaufbeuren (ABK) vor einem tiefgreifenden Umbau. Wie am 28. August 2026 bekannt wurde, ist mit der Sanierung ein erheblicher Abbau der Arbeitsplätze verbunden. Von den ursprünglich 84 Beschäftigten werden künftig lediglich 38 Mitarbeiter im Unternehmen verbleiben.

Restrukturierung und Fokus auf den Kernbetrieb

Der Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer bestätigte die Reduzierung der Belegschaft. Das vorliegende Sanierungskonzept, dem der Mehrheitsgesellschafter ROKIT-Gruppe bereits zugestimmt hat, sieht eine Konzentration auf die Kernkompetenzen vor.

Während der eigentliche Braubetrieb am Standort Kaufbeuren erhalten bleiben soll, wird die Logistik grundlegend neu geordnet. Die Auslieferung der Waren soll künftig teilweise an externe Partner ausgelagert werden.

Als wesentliche Gründe für die wirtschaftliche Schieflage der Brauerei werden die stark gestiegenen Energiekosten sowie ein allgemeiner Rückgang des Bierkonsums angeführt. Zudem sei das Unternehmen zuletzt mit einem personellen Überhang belastet gewesen, der im Zuge des Insolvenzverfahrens nun korrigiert werden müsse.

Insolvenzwelle erfasst Lebensmittelhersteller und Handwerk

Die Entwicklungen in Kaufbeuren stehen exemplarisch für eine angespannte Lage in der deutschen Lebensmittelbranche. Nahezu zeitgleich wurde bekannt, dass die Halberstädter Konserven GmbH (Halko) ihren Betrieb endgültig einstellen musste.

Für das Traditionsunternehmen, das sich in der dritten Insolvenz innerhalb von drei Jahren befand, konnte kein Käufer gefunden werden. Dies hat zur Folge, dass rund 150 Beschäftigte ihre Kündigung erhielten.

Besonders prekär ist die Situation für die Belegschaft, da die Gehälter für Mai und Juni nicht ausgezahlt wurden und aufgrund des Fehlens eines neuen Insolvenzereignisses kein Anspruch auf Insolvenzgeld besteht.

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Auch das Backhandwerk ist zunehmend betroffen. Die Bäckerei Michely, die neun Filialen in Schleswig-Holstein und Hamburg betreibt, stellte am 29. August 2026 einen Insolvenzantrag. Fast 100 Mitarbeiter bangen dort um ihre Arbeitsplätze, wobei der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Thilo Streck die Sanierungschancen als gut einschätzt.

Die Löhne sind für drei Monate durch das Insolvenzgeld gesichert. Laut Daten von Creditreform verzeichnete die Branche im ersten Halbjahr 2026 bundesweit 63 Insolvenzen, was einer Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Massive Einschnitte im Einzelhandel und der Industrie

Besonders umfangreiche Stellenstreichungen kündigen sich im Baumarktsektor an. Bei den Ketten Hellweg und BayWa Bau- & Gartenmärkte stehen 77 von insgesamt über 110 Standorten vor der Schließung. Bis Ende November sollen diese Filialen abgewickelt werden. Betroffen sind insgesamt 4.200 Mitarbeiter, wobei allein in den Verwaltungszentren bereits 340 Entlassungen ausgesprochen wurden.

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Auch in anderen Bereichen der Wirtschaft setzt sich der negative Trend fort:

  • Einzelhandel: Die Deko-Kette Depot stellt ihren Geschäftsbetrieb Ende September 2026 ein, wodurch 730 Mitarbeiter ihre Anstellung verlieren. Ähnlich verhält es sich bei der Feinkostkette Oil & Vinegar, die 19 Filialen schließt und rund 80 Mitarbeitern gekündigt hat.
  • Pharmaindustrie: Das Unternehmen R-Pharm Germany in Illertissen wird stillgelegt. Da keine Einigung mit einem Investor erzielt werden konnte, verlieren 280 Beschäftigte zum 31. August 2026 ihre Arbeit.
  • Textilindustrie: Die Lindenfarb Textilveredlung GmbH stellte am 25. August 2026 erneut einen Insolvenzantrag, von dem etwa 110 Mitarbeiter betroffen sind.

Die betroffenen Unternehmen nennen übereinstimmend gestiegene Rohstoff- und Energiekosten, veränderte Konsumgewohnheiten sowie einen verstärkten Wettbewerbsdruck als Hauptursachen für die gegenwärtige Krise.

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