Legionellen, Trinkwasser

Legionellen im Trinkwasser: RKI nennt 2.200 FĂ€lle pro Jahr und warnt

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Deutschland steigen die jÀhrlichen LegionellosefÀlle seit 2023; RKI und Umweltbundesamt verweisen auf Risiken in Hausinstallationen.
Symbolbild: Schutzhelm und Schutzbrille auf einer Werkbank Illustration mit AI erstellt.

Gesundheitsexperten schlagen Alarm wegen zu geringer Wassertemperaturen in Hausinstallationen. Wie aus Berichten von Anfang November hervorgeht, warnen das Robert Koch-Institut (RKI) und das Umweltbundesamt vor erheblichen gesundheitlichen Gefahren durch den Erregerbefall im Trinkwasser.

Nach Angaben des RKI werden in Deutschland seit 2023 jÀhrlich rund 2.200 FÀlle von Legionellose registriert, wÀhrend es zuvor etwa 1.500 Erkrankungen pro Jahr waren.

Als wesentliche Ursachen fĂŒr diesen Anstieg nennt das RKI eine alternde Bevölkerung, den verstĂ€rkten Einsatz moderner Multiplex-Diagnostik sowie verĂ€nderte Umwelt- und Wetterbedingungen. WĂ€hrend 22 % der Infektionen auf ReiseaktivitĂ€ten zurĂŒckgefĂŒhrt werden, entsteht der Großteil der Ansteckungen im privaten Wohnumfeld.

Die meisten KrankheitsfÀlle treten laut der Bundesbehörde im dritten Quartal des Jahres auf. Auf regionaler Ebene verzeichnete das Leipziger Gesundheitsamt in den ersten zehn Monaten des Jahres 2026 ein Fallaufkommen, das mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum vergleichbar war.

Temperaturkorridore und Risikobereiche im Leitungssystem

Bakterien der Gattung Legionella lösen schwere LungenentzĂŒndungen sowie das mildere Pontiac-Fieber aus. Nach Angaben des Pumpen- und Systemherstellers Grundfos vermehren sich die Erreger optimal bei Temperaturen zwischen 35 und 46 °C, meist in Wasser von 30 bis 50 °C. Aus diesem Grund sollte Warmwasser im Speicher durchgehend auf 60 °C gehalten werden, wĂ€hrend in den Auslaufleitungen mindestens 55 °C erreicht werden mĂŒssen. Temperaturen ĂŒber 60 °C bergen hingegen die Gefahr einer verstĂ€rkten Verkalkung der Rohrleitungen.

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Ein Fachmann des Umweltbundesamtes verweist darauf, dass die Speichertemperatur selbst im Einfamilienhaus nicht unter 50 °C fallen darf. Sogenannte Legionellen-Schaltungen, die das Wasser lediglich einmal wöchentlich auf 60 °C erhitzen, seien wirkungslos und verbrauchten unnötig Energie; vorzuziehen sei ein dauerhafter Betrieb bei kontinuierlich 50 °C. Fachpublikationen betonen zudem, dass neben einer Warmwassertemperatur von mindestens 55 °C ein vollstÀndiger Wasseraustausch an sÀmtlichen Zapfstellen spÀtestens alle 72 Stunden gewÀhrleistet sein muss.

Kaltwassernetze und bauliche Schwachstellen

Gleichzeitig geraten Kaltwasserleitungen zunehmend in den Fokus. Das Wasser tritt am Hausanschluss ĂŒblicherweise mit 8 bis 15 °C ein, erwĂ€rmt sich jedoch in grĂ¶ĂŸeren GebĂ€uden rasch. GemĂ€ĂŸ den Technischen Regeln fĂŒr Trinkwasser darf Kaltwasser an der Entnahmestelle spĂ€testens 30 Sekunden nach dem vollstĂ€ndigen Öffnen die Schwelle von 25 °C nicht ĂŒberschreiten.

Fachpublikationen raten fĂŒr den Regelbetrieb sogar zu maximal 20 °C. Feldmessungen belegen, dass der Median am Hauseingang bei 14,2 °C liegt und an der Zapfstelle in der Wohnung auf 17,4 °C ansteigt.

Zu den zentralen Risikofaktoren zĂ€hlen fehlende Isolierungen, die gemeinsame DĂ€mmung von Kalt- und Warmwasserleitungen, TotrĂ€ume, Dachreservoirs, ĂŒberdimensionierte Leitungsquerschnitte sowie Rost und Biofilme.

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Auch externe Anlagen bergen Gefahren: Bei industriellen KĂŒhltĂŒrmen wurde eine Erregerdrift von bis zu sechs Kilometern nachgewiesen, was im Ernstfall hunderte Infektionen auslösen kann. Öffentliche Trinkbrunnen fĂŒhren oft Wasser mit Temperaturen von 25 bis 35 °C, weshalb Systeme auf regelmĂ€ĂŸige Desinfektion angewiesen sind.

Betreiberpflichten und technisches GebÀudemanagement

Die Trinkwasserverordnung verpflichtet Vermieter seit dem Jahr 2011 dazu, zentrale Warmwasseranlagen in WohngebĂ€uden alle drei Jahre verbindlich auf Legionellen untersuchen zu lassen, wie der Deutsche Mieterbund erlĂ€utert. Wird der technische Maßnahmenwert ĂŒberschritten, meldet das untersuchende Labor den Befund direkt an das zustĂ€ndige Gesundheitsamt.

Im Facility-Management gewinnen strukturierte WassersicherheitsplĂ€ne an Bedeutung. Diese PlĂ€ne legen tĂ€gliche Kontrollroutinen fest, benennen feste Verantwortliche samt Stellvertretern und dokumentieren regelmĂ€ĂŸige SpĂŒlungen selten genutzter Entnahmestellen. Um VerbrĂŒhungen bei gleichzeitig hohen Systemtemperaturen zu verhindern, kommen thermostatische Mischventile zum Einsatz.

Technische MĂ€ngel im Bestand können weitreichende Folgen haben: Das Fachmedium IKZ schilderte den Fall eines Kindergartens, in dem ein fehlender RĂŒckflussverhinderer zu Fehlzirkulationen, abgesenkten Temperaturen und hygienischen Risiken fĂŒhrte. FĂŒr Großanlagen wird deshalb empfohlen, gut sichtbare Thermometer direkt an den Zirkulationsregulierventilen anzubringen.

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