Lehrerflucht, Berlin

Lehrerflucht Berlin: 2.668 Abgänge im Schuljahr 2024/ 25

09.06.2026 - 22:16:01 | boerse-global.de

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen weist Klage auf schulnahe Versetzung ab. Öffentliches Interesse an Unterrichtsversorgung überwiegt private Gründe.

Gerichtsurteil: 35 km Pendelstrecke für Lehrer zumutbar
Lehrerflucht - Eine nachdenkliche Lehrerin blickt aus dem Fenster eines leeren Klassenzimmers, das die Herausforderungen im Bildungswesen symbolisiert. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat die Klage einer verbeamteten Lehrerin abgewiesen, die an eine schulnähere Wohnortversetzung wollte. Das öffentliche Interesse an stabiler Unterrichtsversorgung wiege schwerer als private Belange wie Umzug oder Hausbau, so die Richter.

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35 Kilometer Pendelstrecke sind zumutbar

Der Entscheidung (Az. 1 K 6161/25) lag ein Bescheid der Bezirksregierung Arnsberg vom September 2025 zugrunde. Die Behörde hatte den Versetzungsantrag der Beamtin abgelehnt. Die Klägerin argumentierte, ihr sei die tägliche Pendelstrecke nach dem Umzug nicht mehr zuzumuten.

Das Gericht sah das anders. Eine einfache Fahrtstrecke von 35 Kilometern und eine Fahrtzeit von bis zu 60 Minuten seien kein außergewöhnlicher Belang. Besonders angesichts des Personalmangels an ihrer aktuellen Schule habe die Dienstbehörde rechtmäßig gehandelt. Der Schulbetrieb habe Vorrang vor der privaten Lebensgestaltung.

Berliner Lehrerschwund: 2.668 Abgänge in einem Jahr

Der Fall aus Nordrhein-Westfalen spiegelt eine bundesweite Problematik – besonders deutlich in der Hauptstadt. Im Schuljahr 2024/25 verließen 2.668 Lehrkräfte den Berliner Schuldienst. Das sind rund 100 mehr als im Vorjahr.

Auffällig: 694 Lehrkräfte kündigten freiwillig. Besonders betroffen war die Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen. In den letzten fünf Jahren summierten sich die Eigenkündigungen in Berlin auf 4.476. Hinzu kommen 810 Pensionierungen, davon 355 vorzeitig. 93 Lehrkräfte wechselten in andere Bundesländer – eine Verdopplung zum Vorjahr. Experten werten das als Warnsignal für die Attraktivität des Berufsfelds.

Sachsen setzt auf Abordnungen gegen Unterrichtsausfall

Während Berlin mit einer prognostizierten Lücke von rund 200 Vollzeitstellen kämpft, steuert Sachsen gegen. Das Kultusministerium will im kommenden Schuljahr 2026/27 vermehrt Lehrerabordnungen einsetzen, um den Unterrichtsausfall weiter zu senken.

Im ersten Halbjahr 2025/26 fiel der Unterrichtsausfall erstmals seit einem Jahrzehnt auf 9,1 Prozent – ein Rückgang von 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 5.000 der 31.000 sächsischen Lehrkräfte sind derzeit von Abordnungen betroffen. Die Politik verteidigt das als zentrales Instrument. Der Philologenverband kritisiert die Mehrbelastung und fordert mehr Freiwilligkeit.

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Loyalitätspflicht und Besoldungsstreit

Die Spannungen zwischen individuellen Interessen und dienstlichen Pflichten zeigen sich auch anderswo. In Bremen kündigte die Stadt einem Jobcenter-Mitarbeiter fristlos. Der hatte in einer Fernsehdokumentation kritische und diffamierende Äußerungen über Sozialleistungsbezieher getätigt. Begründung: zerstörtes Vertrauensverhältnis und Verletzung der Loyalitätspflicht.

Parallel bleibt die Besoldung ein Streitthema. Das Verwaltungsgericht Hamburg bestätigte den Verdacht einer verfassungswidrigen Unteralimentation für Richter in den Jahren 2008 sowie 2011 bis 2019. Die Besoldung lag zeitweise bis zu zehn Prozent unter der verfassungsrechtlich gebotenen Schwelle. Rund 8.000 Klagen sind anhängig. Eine endgültige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht noch aus.

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