LehrkrÀfte-Studie: 100 Stunden Mehrarbeit pro Jahr dokumentiert
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bremen fĂŒhrt als erstes Bundesland eine minutengenaue digitale Arbeitszeiterfassung fĂŒr LehrkrĂ€fte ein. Neun Pilotschulen starten zum neuen Schuljahr im August 2026 mit dem System.
LehrkrĂ€fte dokumentieren dabei ĂŒber eine mobile Anwendung sĂ€mtliche beruflichen TĂ€tigkeiten â nicht nur Unterrichtsstunden, sondern auch Vor- und Nachbereitung, Korrekturen, ElterngesprĂ€che, Konferenzen und Pausenaufsichten.
Abkehr vom Deputatsmodell
Hintergrund ist die wachsende Kritik am seit Jahrzehnten bestehenden Deputatsmodell. Dieses misst die Arbeitsleistung von LehrkrÀften primÀr anhand erteilter Unterrichtsstunden. Alle weiteren Aufgaben gelten pauschal als abgegolten.
Das Bremer Bildungsressort betonte zum Projektstart im Juni 2026: LehrkrĂ€fte in Deutschland ĂŒbernehmen im internationalen Vergleich besonders viele nicht-pĂ€dagogische Aufgaben. Das erhöhe den Druck auf das Personal erheblich.
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Das Pilotprojekt soll die reale Arbeitslast sichtbar machen. Auf dieser Basis will Bremen 2027 ĂŒber konkrete EntlastungsmaĂnahmen entscheiden. Begleitet wird das Vorhaben von der Deutsche Telekom Stiftung, die seit 2024 Erfahrungen aus einem Netzwerk innovativer Schulen einbringt.
Juristischer Druck aus Karlsruhe
Die EinfĂŒhrung ist keine rein politische Entscheidung, sondern folgt einer rechtlichen Notwendigkeit. Das Bundesarbeitsgericht hatte bereits im September 2022 entschieden: Arbeitgeber mĂŒssen nach dem Arbeitsschutzgesetz ein System zur Erfassung der tĂ€glichen Arbeitszeit einfĂŒhren.
Ein Referentenentwurf des Bundesministeriums fĂŒr Arbeit und Soziales aus dem FrĂŒhjahr 2026 sieht vor, die elektronische Aufzeichnung von Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit fĂŒr alle Branchen verbindlich zu machen â ausdrĂŒcklich auch fĂŒr Schulen und Hochschulen.
Versuche einiger BundeslĂ€nder, Ausnahmeregelungen fĂŒr den Bildungssektor zu erwirken, blieben laut Berichten aus dem Juni 2026 erfolglos. Die neue Gesetzeslage soll die Einhaltung von Ruhezeiten und Höchstarbeitsgrenzen sicherstellen.
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Studie belegt massive Mehrarbeit
Wissenschaftliche Daten untermauern die Notwendigkeit genauerer Dokumentation. Eine Studie der UniversitÀt Göttingen aus dem Juni 2025, im April 2026 durch weitere Auswertungen ergÀnzt, analysierte die Arbeitsbedingungen an Berliner Schulen.
Das Ergebnis: LehrkrĂ€fte arbeiten im Schnitt rund 100 Stunden pro Jahr mehr als vertraglich vorgesehen. Etwa ein Drittel der VollzeitkrĂ€fte ĂŒberschreitet regelmĂ€Ăig die gesetzliche Höchstgrenze von 48 Wochenstunden.
Besonders betroffen sind TeilzeitkrĂ€fte. Deren auĂerunterrichtliche Verpflichtungen sinken oft nicht proportional zur reduzierten Unterrichtszeit â sie tragen prozentual eine deutlich höhere Mehrbelastung als Vollzeitkollegen.
Gewerkschaften machen Druck
Weil viele BundeslĂ€nder bei flĂ€chendeckenden Systemen zögern, ergreifen LehrerverbĂ€nde Eigeninitiative. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin kĂŒndigte Ende Juli 2026 an, zum Schuljahresstart ein eigenes digitales Tool zur Zeiterfassung bereit zustellen.
Bei einer fĂŒr Mitte August geplanten Pressekonferenz will die GEW das Instrument vorstellen. Mitglieder können damit Ăberstunden rechtssicher dokumentieren und AnsprĂŒche auf Zeitausgleich oder VergĂŒtung gerichtlich durchsetzen.
âDie Sichtbarmachung der unsichtbaren Arbeit ist der erste Schritt zu einer gesĂŒnderen Arbeitsumgebung an Schulenâ, so die GEW. Das Bremer Pilotprojekt wird bundesweit aufmerksam beobachtet â es könnte als Modell fĂŒr eine flĂ€chendeckende Umsetzung der Zeiterfassungspflicht im Bildungsbereich dienen.
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