ROUNDUP, Trumps

Trumps Zölle trĂŒben deutsches Exportplus

07.08.2025 - 12:12:56 | dpa.de

Leichtes Plus fĂŒr "Made in Germany" im ersten Halbjahr, aber trĂŒbe Aussichten: Deutschlands Exporteure sehen sich vor schweren Zeiten - vor allem wegen der aggressiven Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump.

"Die Zölle benachteiligen uns auf dem Weltmarkt und treffen den Mittelstand hart in einer anhaltend herausfordernden Zeit", sagt der PrĂ€sident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. Die "erratische Handelspolitik der USA" schlage sich deutlich im Außenhandel nieder, die Unsicherheit im HandelsgeschĂ€ft steige.

Die Lage in der Industrie in Deutschland bleibt angespannt: Die Produktion sank im Juni ĂŒberraschend, zudem gingen in dem Monat weniger neue AuftrĂ€ge ein als im Vormonat, wie aus jĂŒngsten Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Die Industrie scheine "weiterhin in einer sehr langen Talsohle zu stecken", so die Analyse von ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

EU und China machen schwaches US-GeschÀft wett - noch

Die deutschen Exporte stiegen im Juni unterdessen trotz eines erneut schrumpfenden GeschĂ€fts auf dem wichtigen US-Markt ĂŒberraschend krĂ€ftig. Insgesamt wurden in dem Monat Waren aus deutscher Produktion im Wert von 130,5 Milliarden Euro ins Ausland geliefert - ein Plus von 0,8 Prozent zum Vormonat und 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die Wiesbadener Statistiker mitteilten. Steigende Nachfrage aus der EuropĂ€ischen Union und China machte im Juni das schwĂ€chelnde US-GeschĂ€ft mehr als wett.

Im GeschĂ€ft mit den USA gab es den dritten RĂŒckgang in Folge - auch deshalb, weil viele GeschĂ€fte in Erwartung höherer Handelsbarrieren vorgezogen worden waren. Zwar gingen auch im Juni die meisten deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten. Allerdings sank der Warenwert im Vergleich zum Mai des laufenden Jahres um 2,1 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. Das war der niedrigste Stand seit Februar 2022 mit damals 11,2 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Juni 2024 nahmen die deutschen Ausfuhren in die USA kalender- und saisonbereinigt sogar um 8,4 Prozent ab.

Leichtes Exportplus im Halbjahr

Das vom Zollstreit mit den USA geprĂ€gte erste Halbjahr schlossen Deutschlands Exporteure mit einem leichten Plus ab. Waren "Made in Germany" im Gesamtwert von 785,6 Milliarden Euro wurden in den sechs Monaten ins Ausland vermarktet. Das waren 0,6 Prozent mehr als von Januar bis Juni 2024, wie aus den jĂŒngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

SpĂŒrbare RĂŒckgĂ€nge gab es fĂŒr deutsche Hersteller im ersten Halbjahr allerdings im GeschĂ€ft auf den besonders wichtigen MĂ€rkten USA (minus 3,1 Prozent) und China (minus 13,5 Prozent). US-PrĂ€sident Trump versucht, die heimische Wirtschaft mit Hilfe höherer Zölle zu stĂ€rken. Das verteuert Einfuhren in die Vereinigten Staaten - eine BĂŒrde fĂŒr die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

Ökonomen warnen vor langer SchwĂ€chephase

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer rechnet mit einer wahrscheinlich langfristigen SchwĂ€che des US-GeschĂ€fts: "So dĂŒrften die höheren Zölle die preisbereinigten Exporte in die USA in den kommenden zwei Jahren um schĂ€tzungsweise 20 bis 25 Prozent fallen lassen."

Nach EinschĂ€tzung von ING-Ökonom Brzeski könnte vor allem der deutsche Mittelstand zum Opfer der US-Zölle werden, da kleine und mittlere Unternehmen mehr Schwierigkeiten haben, ihre Produktion zu verlagern. Zudem verteuert der stĂ€rkere Euro Ausfuhren auf den WeltmĂ€rkten tendenziell. "Es erscheint höchst unwahrscheinlich, dass die Exporte bald wieder ein bedeutender Wachstumsmotor fĂŒr die deutsche Wirtschaft sein könnten", schreibt Brzeski.

Industrieproduktion auf niedrigstem Stand seit Corona-Pandemie

In den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes ging die Fertigung von Mai auf Juni dieses Jahres nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 1,9 Prozent zurĂŒck. Damit erreichte die Produktion den niedrigsten Stand seit Mai 2020, als die Corona-Pandemie fĂŒr einen Einbruch der Fertigung gesorgt hatte. Auch im Mai wurde nach jĂŒngsten Zahlen des Bundesamtes weniger produziert.

ProduktionsrĂŒckgĂ€nge gab es im Juni vor allem im Maschinenbau, in der Pharmaindustrie und in der Nahrungsmittelindustrie. Einer Erhebung des MĂŒnchner Ifo-Instituts zufolge hat sich die Stimmung in der chemischen Industrie hierzulande im Juli "deutlich verschlechtert". Die weiterhin schwache Industriekonjunktur belaste die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen - sowohl im Inland als auch im Ausland, erklĂ€rte das Ifo. Viele Unternehmen planen demnach einen weiteren Stellenabbau.

"Keine Impulse fĂŒr dauerhaften Aufschwung"

Das Bundeswirtschaftsministerium ordnet ein: "Die schwache Entwicklung der Industrieproduktion im zweiten Quartal dĂŒrfte teilweise Ausdruck einer Gegenbewegung zu den Vorzieheffekten im Zusammenhang mit den angekĂŒndigten Zollerhöhungen sein." Wegen der US-Zölle seien aber "auch zu Beginn des dritten Quartals keine Impulse fĂŒr einen dauerhaften Aufschwung der Industriekonjunktur absehbar", heißt es aus dem Ministerium.

Seit Donnerstagmorgen gelten fĂŒr die meisten EU-Importe in die USA Zölle von 15 Prozent. US-PrĂ€sident Trump hatte lange mit einem Satz von 30 Prozent gedroht, die EU-Kommission hatte dann in einer Grundsatzvereinbarung eine Reduzierung ausgehandelt. Der Deal ist jedoch umstritten: Kritiker werfen KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen vor, sie habe versĂ€umt, den europĂ€ischen Markt im Gegenzug mit gleichwertigen Zöllen vor Einfuhren der US-Konkurrenz zu schĂŒtzen.

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