Lithium-Entsorgung: 44% landen im falschen Müll, Brände steigen
02.06.2026 - 18:25:45 | boerse-global.deDie wachsende Verbreitung von Lithium-Ionen-Akkus in Europa stellt Industrie und Verbraucher vor eine doppelte Herausforderung: Während Forscher an sichereren Hochleistungszellen arbeiten, steigt die Brandgefahr durch unsachgemäße Entsorgung rasant an.
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Alarmierende Entsorgungszahlen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schlägt Alarm: Rund 44 Prozent aller Altbatterien landen im falschen Müll. Für das Jahr 2025 ermittelte die Organisation eine Sammelquote von lediglich 56 Prozent bei herkömmlichen Gerätebatterien – bei Lithium-Ionen-Akkus liegt der Wert mit 25 Prozent sogar noch deutlich darunter.
Die Folgen sind gefährlich. Falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus können in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen Brände auslösen. Die DUH fordert daher ein nationales Anreizsystem, bessere Aufklärung der Bevölkerung und ein EU-weites Pfandsystem für Lithium-Batterien. Ab 2027 tritt zudem eine verbindliche Sammelquote von 63 Prozent in Kraft.
Wie real die Gefahr ist, zeigte sich erst am gestrigen Montag: In einem Aufzug explodierte eine Powerbank in der Handtasche einer Frau – binnen Sekunden entwickelten sich dichter Rauch und Flammen.
Neue Materialien für mehr Sicherheit
Forscher und Chemielieferanten arbeiten intensiv an Lösungen. Das Unternehmen Ningbo Inno Pharmchem setzt dabei auf Lithium-Bis(fluorsulfonyl)imid (LiFSI) als Schlüsselkomponente für Feststoffbatterien. Das Material verbessert die Ionenleitfähigkeit und thermische Stabilität – das verspricht längere Lebenszyklen und höhere Energiedichten.
Für Hochspannungsanwendungen kommen neuartige Elektrolyt-Additive wie 3-Hydroxy-4-(trifluormethyl)benzonitril zum Einsatz. Diese bilden eine Schutzschicht auf der Elektrode, reduzieren Kapazitätsverluste und erhöhen die Stabilität im Betrieb.
Das Fraunhofer ITWM in Kaiserslautern hat zudem Simulationswerkzeuge entwickelt: Die „BEST“-Software ermöglicht 3D-Modellierung von Lithium-Ionen-Zellen, während das „FOAM“-Tool Schäumungsprozesse in Batteriemodulen simuliert. Vom 9. bis 11. Juni werden diese Technologien auf der Battery Show in Stuttgart präsentiert.
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Marktstart und Großprojekte
Am heutigen Dienstag gab EAS Batteries die Markteinführung seiner UHP601300 LFP 22-Zelle bekannt. Die Zelle nutzt einen speziellen Acetonitril-basierten Elektrolyten und erreicht eine spezifische Leistung von 2.550 W/kg im Dauerbetrieb bei über 2.400 Zyklen.
Parallel dazu startete LION Smart Production, eine Tochter der LION E-Mobility AG, die Auslieferung erster NMC+-Hochleistungszellen aus dem chinesischen SVOLT-Werk nach Deutschland. Die Umstellung der Produktion erfolgt in Zusammenarbeit mit Thyssenkrupp und soll bis Ende Juni 2026 abgeschlossen sein.
Für industrielle Anwendungen positioniert sich Commeo mit TÜV-zertifizierten Brandschutzkonzepten als Partner für Installateure. Solche Sicherheitsmaßnahmen werden zunehmend wichtiger: RWE baut derzeit in Gundremmingen Deutschlands größten Batteriespeicher mit rund 850.000 Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP). Die 400-MW-Anlage soll Anfang 2027 in Betrieb gehen.
Einen weiteren Schritt in Richtung Großspeicher-Management machten Next Kraftwerke und Eco Stor: Sie schlossen kürzlich einen fünfjährigen Tolling-Vertrag für einen 300-MW-Speicher in Sachsen-Anhalt ab. Die Vermarktung startet im November 2026.
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