Nur knapp die HĂ€lfte arbeitet in Betrieb mit Tarifvertrag
Veröffentlicht am: 20.03.2026 um 12:18 Uhr | dpa.de
Nur knapp die HÀlfte (49 Prozent) aller BeschÀftigten in Deutschland hat 2025 in einem tarifgebundenen Betrieb gearbeitet. Damit blieb die Tarifbindung gemessen an den Vorjahren konstant, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Allerdings war die Quote in frĂŒheren Jahren deutlich höher: Bis Mitte der 90er Jahre wurden laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung etwa 85 Prozent aller BeschĂ€ftigten nach Tarifvertrag bezahlt.
«TarifvertrĂ€ge sind der wichtigste Garant fĂŒr gute Löhne und Arbeitsbedingungen», sagte Thorsten Schulten, Tarifexperte am WSI. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag fĂŒr den sozialen Zusammenhalt. «Deshalb ist es erschreckend, dass nicht einmal mehr die HĂ€lfte aller BeschĂ€ftigten in Deutschland noch durch einen Tarifvertrag geschĂŒtzt wird.»
Die neuen Daten seien ein Weckruf an die Politik, endlich MaĂnahmen fĂŒr das Tarifvertragssystem zu ergreifen. «Das jĂŒngst beschlossene Bundestariftreuegesetz, nach dem öffentliche AuftrĂ€ge des Bundes nur noch an tariftreue Unternehmen gehen sollen, kann hier nur ein erster Schritt sein.» Dass eine deutlich höhere Tarifbindung möglich sei, zeigten LĂ€nder wie Belgien, Frankreich, Ăsterreich oder Schweden, wo die Tarifbindung deutlich ĂŒber 80 Prozent liege.
GroĂe Kluft unter Branchen
Der Statistik zufolge gab es 2025 groĂe Unterschiede zwischen den Branchen: Die höchste Tarifbindung gab es im Bereich «Ăffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung» mit 100 Prozent. Es folgten die Energieversorgung (84 Prozent), Erziehung und Unterricht (79 Prozent) sowie der Finanz- und Versicherungssektor (68 Prozent).
Die Branchen mit der geringsten Tarifbindung 2025 waren Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei (10 Prozent), Kunst, Unterhaltung und Erholung (21 Prozent), das GrundstĂŒcks- und Wohnungswesen (21 Prozent). Weit hinten lagen auch das Gastgewerbe und die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (je 23 Prozent). «Im Vergleich zum Vorjahr verĂ€nderte sich die Tarifbindung in den Branchen damit kaum», schrieben die Statistiker.
