Deutschland, Arbeit

Wenig Tarifbindung: Deutschland hinkt EU-Vorgaben hinterher

11.06.2026 - 04:00:07 | dpa.de

Löhne, Sonderzahlungen, Urlaub: TarifvertrĂ€ge bringen Vorteile fĂŒr BeschĂ€ftigte. Doch Deutschland schneidet bei der Tarifbindung schlecht ab - und ein Aktionsplan der Bundesregierung fehlt noch immer.

Deutschland gehört zu den sechs LÀndern, die bislang keinen Aktionsplan eingereicht haben. (Symbolbild) - Bild: Gregor Fischer/dpa
Deutschland gehört zu den sechs LÀndern, die bislang keinen Aktionsplan eingereicht haben. (Symbolbild) - Bild: Gregor Fischer/dpa

Nur knapp die HÀlfte der BeschÀftigten in Deutschland arbeitet in tarifgebundenen Unternehmen. Damit schneidet die Bundesrepublik im europÀischen Vergleich schlecht ab - und ein von der EU geforderter Aktionsplan der Bundesregierung fehlt noch immer. Das kritisiert das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. 

Obwohl die Frist fĂŒr betroffene EU-Staaten Ende 2025 abgelaufen ist, gehört die Bundesrepublik demnach zu sechs EU-LĂ€ndern ohne entsprechenden Maßnahmenkatalog. Laut der Studie haben daneben Kroatien, Luxemburg, Slowenien, Ungarn und Zypern ihre Verpflichtungen nicht erfĂŒllt.

Nationaler Aktionsplan lÀsst auf sich warten

Die EU sieht TarifvertrĂ€ge als wichtiges Instrument fĂŒr faire Arbeitsbedingungen, denn bei einer Tarifbindung werden etwa Löhne und Arbeitszeiten zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt und Mindeststandards zum Arbeitnehmerschutz festgelegt. Die EU-Mindestlohn-Richtlinie verpflichtet LĂ€nder mit einer Tarifbindung von unter 80 Prozent dazu, einen Plan bei der EU-Kommission vorzulegen - so auch Deutschland. 

Denn hierzulande arbeitet laut WSI nur knapp die HÀlfte der BeschÀftigten (49 Prozent) in tarifgebundenen Unternehmen, die Quote sinkt seit Jahren. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich nur im Mittelfeld, weit hinter den Spitzenreitern Italien und Belgien, die demnach 100 Prozent vorweisen können.

Dennoch liege bisher kein Aktionsplan vor, «obwohl Union und SPD sich im Koalitionsvertrag zum Ziel einer höheren Tarifbindung bekannt haben», kritisieren die Autoren. Die Bundesregierung habe zwar Gewerkschaften und ArbeitgeberverbĂ€nde aufgefordert, Vorstellungen fĂŒr einen Aktionsplan einzubringen, nach einem Spitzentreffen im November 2025 habe man sich aber nicht geeinigt.

Das Bundesministerium fĂŒr Arbeit und Soziales erklĂ€rte, man arbeite an dem Plan: «Der Nationale Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen (NAP) wird innerhalb der Bundesregierung weiterhin abgestimmt.»

Griechenland als Vorbild

Nach Sicht des WSI soll ein Aktionsplan den Ausbau branchenweiter Tarifverhandlungen fördern und Anreize fĂŒr Arbeitgeber geben, sich TarifvertrĂ€gen anzuschließen. Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten dabei eingebunden werden, die Vorhaben mit konkreten Maßnahmen und klarem Zeitplan hinterlegt sein. 18 von 27 EU-Staaten waren verpflichtet, bis Ende 2025 konkrete AktionsplĂ€ne vorlegen. Erst zwölf hĂ€tten das bis Mai getan.

Als Vorbild nennt die Studie Griechenland - obwohl das Land bei der Tarifbindung mit 28 Prozent schlecht abschneidet. Der dortige Aktionsplan erfĂŒlle aber die Vorgaben der Richtlinie fast vollstĂ€ndig.

Bei den anderen AktionsplĂ€nen bemĂ€ngelt das WSI, dass diese ĂŒberwiegend auf unverbindliche Informations- und Werbemaßnahmen setzen. «Viele nationale AktionsplĂ€ne enthalten kaum mehr als AbsichtserklĂ€rungen.»

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