Lohnkampf, Sachsen-Anhalt

Lohnkampf Sachsen-Anhalt: NGG fordert volle Angleichung im Osten

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 03:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die NGG setzt ihren Kampf für gleiche Löhne in Ostdeutschland fort. Trotz eines Angebots von 14 Prozent lehnen Beschäftigte ab und fordern vollständige Angleichung.

NGG-Tarifkonflikt: Ost-Löhne bleiben zentrales Streitthema
Arbeiter in einer Lebensmittelverarbeitungsanlage diskutieren, während sie ein Tablet mit Lohnvergleichsdiagrammen betrachten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Für heute ist die sechste Verhandlungsrunde in Sachsen-Anhalt angesetzt. Der Druck auf die Arbeitgeber wächst – durch gewerkschaftliche Mobilisierung und politische Unterstützung.

Die Lohnlücke bleibt groß

Die Unterschiede zwischen Ost und West sind eklatant. Laut NGG verdienen Beschäftigte in ostdeutschen Bundesländern monatlich zwischen 500 und über 1.000 Euro weniger als ihre Kollegen im Westen. In Einzelfällen liegt das Lohnniveau bis zu 30 Prozent niedriger. Eine Petition für eine Angleichung bis 2030 haben bereits über 102.000 Menschen unterzeichnet.

Die Fronten sind verhärtet. Ein Arbeitgeberangebot von 14 Prozent mehr Lohn lehnten die Beschäftigten in Sachsen-Anhalt ab. 74 Prozent der NGG-Mitglieder stimmten für die Fortsetzung des Arbeitskampfes. Sie fordern die vollständige Angleichung. Betroffen sind rund 3.000 Mitarbeiter in 15 Betrieben – darunter bekannte Namen wie Rotkäppchen, Burger Knäcke, Ditsch und Freiberger.

Politik mischt sich ein

Unterstützung kommt von SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann. Er betont: Niedrige Löhne sind kein dauerhafter Wettbewerbsvorteil. Die Branche müsse attraktiver werden – auch durch deutlich höhere Vergütungen.

Willingmann äußerte sich auch zu Minijobs. Den Vorschlag der Alterssicherungskommission, diese grundsätzlich in reguläre Beschäftigungen zu überführen, befürwortet er – mit einer Ausnahme: Studierende sollten weiterhin geringfügig arbeiten können. Sonst drohe mehr Schwarzarbeit.

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Erfolg bei Hochwald – Stillstand im Einzelhandel

Während die Verhandlungen in Sachsen-Anhalt stocken, gibt es anderswo Fortschritte. Am 10. Juli einigten sich NGG und Arbeitgeber bei Hochwald Foods auf einen neuen Tarifabschluss. Für rund 2.000 Beschäftigte steigen Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen ab 1. Juli um 2,5 Prozent. Der Vertrag läuft 12 Monate und ist bis 30. Juni 2027 kündbar.

Ganz anders sieht es im Einzelhandel aus. In Bayern, Berlin-Brandenburg und Rheinland-Pfalz haben die Handelsverbände die Gespräche mit Verdi auf Eis gelegt. Die Gewerkschaft fordert 7 Prozent mehr Lohn – die Arbeitgeber bieten 3,5 Prozent bei zweijähriger Laufzeit. Die Differenz ist zu groß.

Fachkräftemangel trifft die Food-Industrie

Trotz der Tarifkonflikte zeigt sich die Beschäftigungslage stabil. Laut Arbeitspanel der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) stieg die Zahl der Beschäftigten 2025 um 2,3 Prozent auf rund 674.000. Für 2026 rechnen 54 Prozent der Betriebe mit gleichbleibender Personalstärke. Jeweils 23 Prozent planen Auf- oder Abbau.

Große Sorgen bereitet der Nachwuchsmangel in technischen Berufen. 2026 blieben rund 52 Prozent der Ausbildungsstellen unbesetzt – besonders bei Elektronikern, Maschinenführern und Mechatronikern. Immerhin: Der Frauenanteil in Führungspositionen hat sich auf 12,3 Prozent verdoppelt.

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Ungewisse Zukunft für Warsteiner-Standorte

Für weitere Standorte bleibt die Lage angespannt. Bei der Warsteiner Gruppe wird über die Zukunft der Brauereien in Herford und Paderborn verhandelt. Das Werk in Herford soll Ende Sommer 2026 schließen. Paderborn könnte zum Jahresende dichtmachen – falls kein Käufer gefunden wird. Eine dritte Verhandlungsrunde dazu fand am 13. Juli statt.

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