Lohnlücke, Staat

Lohnlücke kostet Staat 9 Milliarden Euro: ÖGB fordert Transparenzgesetz

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 15:46 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Eine Gewerkschaftsanalyse beziffert die entgangenen Steuereinnahmen durch ungleiche Bezahlung. Die EU-Transparenzrichtlinie ist in Österreich noch nicht umgesetzt.

ÖGB-Studie: Lohnlücke kostet Staat neun Milliarden Euro jährlich
Eine vielfältige Gruppe von Fachleuten in einem modernen Büro, die Finanzdaten und Diagramme auf einem Bildschirm betrachten und diskutieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle ÖGB-Studie zeigt: Die ungleiche Bezahlung von Frauen belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die öffentlichen Kassen massiv.

Die Gewerkschaftsanalyse basiert auf Daten des Mikrozensus 2024. Würde die geschlechtsspezifische Lohnlücke vollständig geschlossen, kämen jährlich rund neun Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskasse – durch höhere Lohnsteuern und Sozialabgaben.

Was Frauen monatlich fehlt

Die unbereinigte Lohnlücke liegt derzeit bei 16 Prozent. Eine Angleichung würde Frauen im Schnitt 366 Euro netto mehr pro Monat bringen. Selbst die bereinigte Lücke von 10,2 Prozent hätte noch deutliche Effekte: 5,4 Milliarden Euro Mehreinnahmen für den Staat, 221 Euro netto mehr pro Arbeitnehmerin.

ÖGB-Präsident Katzian betont: „Eine faire Bezahlung stärkt den Sozialstaat unmittelbar.“ Die Analyse konzentrierte sich auf die Altersgruppe der 20- bis 59-Jährigen.

EU-Vorgaben bleiben liegen

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Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie hätte bis zum 7. Juni 2026 umgesetzt werden müssen. Passiert ist nichts. Der ÖGB fordert jetzt eine rasche gesetzliche Verankerung, um die Lohnschere nachhaltig zu schließen.

Die Verzögerung fällt auf – zumal auf anderen EU-Ebenen schon schärfere Regeln gelten. Anfang August treten etwa erste Transparenzpflichten im EU AI Act in Kraft. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Transparenz wird zum Standortfaktor

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Auch Investoren schauen genauer hin. Die Rückkehr zu Dividendenzahlungen und die Offenlegung von Unternehmensstrukturen sagen oft mehr über die operative Verfassung aus als die bloße Ausschüttungshöhe. In einem Markt, in dem Firmen wie Scout24 ihre Margen durch KI und Effizienzsteigerungen optimieren, werden ESG-Standards zum Bewertungskriterium.

Branchenkenner warnen zudem: Ein intransparentes oder politisch instabiles Umfeld wird zum Standortnachteil. In Sachsen-Anhalt etwa erschwert erstarkender Rechtspopulismus die Anwerbung von Fachkräften und die Besetzung wissenschaftlicher Positionen. Die Forderung nach Entgelttransparenz ist damit Teil einer größeren Debatte über die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.

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