Lohnwende in Ostdeutschland: Frauen verdienen mehr als MĂ€nner
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Ostdeutschland hat sich bei der VergĂŒtung von VollzeitbeschĂ€ftigten eine signifikante Verschiebung abgezeichnet. Aktuellen Daten der Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) zufolge verdienen Frauen in den östlichen BundeslĂ€ndern im Median mehr als ihre mĂ€nnlichen Kollegen. WĂ€hrend der Medianwert fĂŒr Frauen bei 3.855 Euro liegt, erzielen MĂ€nner in derselben Region 3.711 Euro. Diese Entwicklung steht im deutlichen Kontrast zur Situation in Westdeutschland und zum bundesweiten Durchschnitt.
Deutliches Lohnplus fĂŒr Frauen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt
Die regionalen Unterschiede innerhalb Ostdeutschlands fallen dabei sehr spezifisch aus. Den gröĂten Vorsprung zugunsten der weiblichen BeschĂ€ftigten verzeichnet Brandenburg mit einer Differenz von 210 Euro. Dahinter folgen Mecklenburg-Vorpommern mit einem Plus von 144 Euro und Sachsen-Anhalt mit 141 Euro. In Sachsen ist der Unterschied mit 23 Euro deutlich geringer ausgeprĂ€gt. Einzig in ThĂŒringen zeigt sich ein minimaler Vorsprung fĂŒr die mĂ€nnlichen ErwerbstĂ€tigen, die dort im Median einen Euro mehr verdienen als Frauen.
Diese Zahlen basieren auf Auswertungen der BA fĂŒr das Jahr 2025. Sie verdeutlichen eine regionale Besonderheit, da das LohngefĂŒge in Westdeutschland weiterhin von einem deutlichen Vorsprung der MĂ€nner geprĂ€gt ist. Dort verdienen mĂ€nnliche VollzeitbeschĂ€ftigte im Median 398 Euro mehr als Frauen. Ăber das gesamte Bundesgebiet hinweg betrachtet, liegt der Einkommensvorteil der MĂ€nner bei 309 Euro.
Bundesweiter Gender-Pay-Gap stagniert auf hohem Niveau
Trotz der positiven Zahlen aus den östlichen BundeslĂ€ndern bleibt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied, der sogenannte Gender-Pay-Gap, eine zentrale Herausforderung im deutschen Arbeitsmarkt. Das Statistische Bundesamt (Destatis) bezifferte den unbereinigten Gender-Pay-Gap fĂŒr das Jahr 2024 auf 16 Prozent. Eine aktuelle Auswertung der Plattform Stepstone, die Daten von Januar 2022 bis November 2025 analysierte, bestĂ€tigte diesen Wert von 16 Prozent auch fĂŒr das Jahr 2025.
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In der Spitzengruppe der Einkommen sind die HĂŒrden weiterhin hoch. Laut Stepstone erreichen die Top-1-Prozent der Verdiener in Deutschland ein Mediangehalt von 139.000 Euro, wĂ€hrend die Top-5-Prozent bei 101.250 Euro liegen. Geografisch fĂŒhren hierbei Hamburg, Hessen, Bayern und Baden-WĂŒrttemberg das Ranking an. Im Osten sticht Sachsen-Anhalt hervor, wo das Top-1-Prozent ein Mediangehalt von 101.500 Euro erzielt.
Diskrepanzen bei Risikokapital und Altersvorsorge
Ein noch deutlicherer Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Daten von EY-Parthenon belegen, dass im Jahr 2025 insgesamt 7,8 Milliarden Euro an Risikokapital in deutsche Startups flossen. Davon entfielen jedoch lediglich 53 Millionen Euro â was einem Anteil von einem Prozent entspricht â auf rein weibliche GrĂŒndungsteams. MĂ€nnerteams erhielten hingegen 7,4 Milliarden Euro (94 Prozent). Zudem sank der Anteil der GrĂŒnderinnen insgesamt von elf auf neun Prozent. Besonders bei groĂen Finanzierungsrunden ĂŒber 50 Millionen Euro war der Frauenanteil mit 3,3 Prozent marginal.
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Auch die langfristige finanzielle Absicherung bleibt ein kritisches Thema. Daten des Berliner Senats verdeutlichen die soziale Lage in der Hauptstadt: Dort sind die Ausgaben fĂŒr Grundsicherung bis 2025 auf prognostizierte 521 Millionen Euro gestiegen. AuffĂ€llig ist hierbei die Geschlechterverteilung im Alter: WĂ€hrend rund 30 Prozent der MĂ€nner mit mehr als 40 Erwerbsjahren unter einem Einkommen von 1.446 Euro bleiben, liegt dieser Anteil bei Frauen bei 50 Prozent.
ErgĂ€nzend dazu zeigen Daten des Bundesinstituts fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB) fĂŒr das Jahr 2025, dass die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf auf 28,4 Wochenstunden gesunken ist. Dabei bestehen weiterhin strukturelle Unterschiede in der Arbeitszeitgestaltung: MĂ€nner arbeiteten im Schnitt 32,6 Stunden pro Woche, wĂ€hrend der Wort bei Frauen stabil bei 24 Stunden verharrte.
