Mahle-Streik, Beschäftigte

Mahle-Streik: 400 Beschäftigte erhalten Abfindungen über Markt

30.05.2026 - 07:00:40 | boerse-global.de

Mehrere Konzerne einigen sich mit Gewerkschaften auf Sozialpläne. Mahle erzielt Tarifabschluss nach Streik, Novelis vermeidet Kündigungen.

Mahle-Streik: 400 Beschäftigte erhalten Abfindungen über Markt - Foto: über boerse-global.de
Mahle-Streik: 400 Beschäftigte erhalten Abfindungen über Markt - Foto: über boerse-global.de

Die letzte Maiwoche 2026 brachte eine Welle von Verhandlungen und Sozialplanabschlüssen in der deutschen Industrie und Logistik. Während große Konzerne ihre Restrukturierungen vorantreiben, sichern Gewerkschaften und Betriebsräte teils üppige Abfindungen – und verhindern in Einzelfällen sogar betriebsbedingte Kündigungen.

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Mahle einigt sich nach viertägigem Streik

Am 29. Mai erzielten die IG Metall und der Automobilzulieferer Mahle einen Tarifabschluss für die geplante Schließung des Werks in Neustadt an der Donau. Rund 400 Beschäftigte sind betroffen. Der Standort, der Klimaanlagenkomponenten für BMW, Porsche, Volvo und Jaguar Land Rover produziert, soll in der ersten Jahreshälfte 2027 vom Netz gehen.

Der Einigung vorausgegangen war ein viertägiger Streik ab dem 26. Mai – 98,4 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder hatten zuvor für Arbeitskampf gestimmt. Die ausgehandelten Abfindungen liegen nach Angaben der IG Metall deutlich über dem marktüblichen Niveau. Berechnet werden sie nach Alter, Betriebszugehörigkeit sowie Anzahl der Kinder oder Schwerbehinderungen.

Der Deal umfasst zudem einen Härtefallfonds und die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Die IG Metall betont, der Abschluss spiegele die hohen Kosten der Verlagerung wider – Mahle will die Produktion eigenen Angaben zufolge in die Slowakei verlegen. Der Streik bleibt vorerst aufrechterhalten, bis eine zweite Urabstimmung am 1. Juni den Vertrag final bestätigt. Nötig ist eine Zustimmung von über 25 Prozent der Belegschaft.

Zalando: Sozialplan-Verhandlungen für Erfurt gestartet

In Erfurt haben Management und Betriebsrat des Zalando-Logistikzentrums am 29. Mai die offiziellen Verhandlungen aufgenommen. Zuvor hatte ein gerichtlicher Vergleich vom 28. Mai den Rechtsstreit um die Zukunft des Standorts beigelegt. Das Zentrum soll im September schließen. Die Belegschaft ist bereits von ursprünglich 2.700 auf rund 2.000 Mitarbeiter geschrumpft.

Im Fokus stehen nun ein Interessenausgleich und ein Sozialplan. Sollten sich die Parteien bis zum 20. Juni nicht einigen, wird am 23. Juni eine Einigungsstelle eingesetzt.

Novelis verhindert betriebsbedingte Kündigungen in Koblenz

Während viele Standorte vor dem Aus stehen, gelang am 29. Mai am Novelis-Werk in Koblenz eine Einigung mit anderem Ausgang. Management und Arbeitnehmervertreter schnürten ein Maßnahmenpaket, das betriebsbedingte Kündigungen überflüssig macht.

Ursprünglich war der Abbau von rund 200 der 1.400 Stellen geplant. Der neue Vertrag umfasst einen kollektiven Kündigungsschutz, Einkommenssicherung, ein freiwilliges Abgangsprogramm sowie angepasste Schichtmodelle und Altersteilzeit.

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Konsolidierungswelle in Lebensmittelindustrie und verarbeitendem Gewerbe

Mehrere weitere Unternehmen haben in den vergangenen Tagen Schließungstermine und Sozialplandetails bestätigt:

  • Herforder Brauerei: Über 100 Demonstranten versammelten sich am 28. Mai vor dem Werk und forderten einen fairen Sozialplan. Die Schließung ist für August vorgesehen. Die Gewerkschaft NGG bereitet Verhandlungen über Abfindungen und Übergänge in den Ruhestand vor – für viele Beschäftigte kommt eine Versetzung zum Standort Warstein nicht in Frage.
  • Kusch+Co: Nach dem Produktionsende am Standort Hallenberg bis 2025 steht der Sozialplan für rund 110 Mitarbeiter. Er sieht eine Transfergesellschaft für bis zu zwölf Monate sowie eine „Sprinterprämie" für jene vor, die schnell einen neuen Job finden.
  • Findus (Nomad Foods): Das Werk in Rorschach schließt endgültig am 31. Dezember 2026. Ein Konsultationsprozess ab dem 22. April habe keine Alternativen ergeben, so das Management. Die Produktion verschiedener Tiefkühl-Linien wird nach Italien und Spanien verlagert.
  • Mühle Rüningen: Der Standort Salzgitter-Ringelheim wird Ende 2026 geschlossen – 30 Arbeitsplätze fallen weg. Das Unternehmen, seit 2024 Teil der Dossche Mills, begründet den Schritt mit Überkapazitäten und starkem Wettbewerb. Die Produktion wird auf die vier verbleibenden deutschen Standorte konzentriert.
  • Danfoss: Der Hersteller schließt seinen Standort in Minden, mehr als 60 Mitarbeiter sind betroffen. Jüngste Proteste vor dem Werk machten den anhaltenden Streit um die Übergangsbedingungen und die Ausgestaltung der Transfergesellschaft deutlich.

Im sozialen Bereich schließt Anfang Juni auch das „Stöbereckchen" in Bassen – ein Sozialkaufhaus. Grund ist die Insolvenz des regionalen AWO-Kreisverbands, die seit März läuft. Die Kommunalpolitik prüft derzeit, ob die Einrichtung unter neuer Trägerschaft wiedereröffnet werden kann.

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