Mann+Hummel in Speyer: 600 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2028 wegfallen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei dem Automobilzulieferer Mann+Hummel in Speyer spitzt sich der Konflikt um die geplante Werksschließung weiter zu. Eine Betriebsversammlung informierte die Belegschaft am Nachmittag über den aktuellen Stand der Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan.
Vor der Versammlung hatten Beschäftigte an einem Mittwoch mit einem Autokorso von rund 200 Fahrzeugen vom Werksgelände zur Stadthalle demonstriert. An der anschließenden Kundgebung unter dem Motto der IG Metall, Zukunft durch Widerstand, beteiligten sich rund 600 Menschen, die ihre Streikbereitschaft signalisierten.
Schließungspläne bis Ende 2028 und Anrufung der Einigungsstelle
Hintergrund der Proteste ist das Festhalten der Konzernführung an der vollständigen Schließung des Standorts. Der Zulieferer beabsichtigt, die rund 600 Arbeitsplätze in Speyer schrittweise bis Ende 2028 abzubauen und die Produktion ins Ausland zu verlagern.
Die Konzernleitung begründet diese Maßnahme mit zu hohen Kosten, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen würden. Ein vom Betriebsrat und der Gewerkschaft ausgearbeitetes alternatives Konzept zur Rettung des Werks lehnte das Management ab.
Die Verhandlungen über einen Sozialplan zwischen Belegschaftsvertretern und Geschäftsführung sind unterdessen ohne Ergebnis geblieben. Nach Angaben von IG-Metall-Sekretär Wladislaw Wolter seien die Gespräche gescheitert. Der Arbeitgeber habe damit die Verhandlungen faktisch abgebrochen.
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Da auf betrieblicher Ebene keine Übereinkunft erzielt werden konnte, ruft das Unternehmen nun die Einigungsstelle unter Vorsitz eines Arbeitsrichters an. Ein Schiedsspruch dieses Gremiums ist in der Regel für beide Tarifparteien rechtlich bindend.
Gewerkschaft fordert Sozialtarifvertrag und droht mit Arbeitskampf
Die IG Metall erhöht vor diesem Hintergrund den Druck auf die Unternehmensführung. Die Gewerkschaft hatte dem Management in der Vorwoche eine eigene Tarifforderung zukommen lassen, auf die der Konzern bisher nicht eingegangen ist.
Wolter erklärte dazu, die bisherigen Angebote des Arbeitgebers reichten bei weitem nicht an das heran, was sozial vertretbar sei. Konkrete Forderungen der Arbeitnehmerseite hinsichtlich der Abfindungshöhen sowie der Einrichtung einer Transfergesellschaft sollten an einem Donnerstag bekannt gegeben werden.
Zudem schließt die Gewerkschaft einen Arbeitskampf nicht mehr aus. Da das Personal im Werk Speyer geschlossen hinter den Forderungen stehe und streikbereit sei, bereitet die Gewerkschaft derzeit die Einleitung eines Streikverfahrens vor, um ihren Positionen Nachdruck zu verleihen.
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Rückendeckung für die Belegschaft aus dem Rathaus
Unterstützung erhalten die Beschäftigten von der Kommunalpolitik. Die Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler stellte sich an die Seite der Werksangehörigen und kündigte an, den Druck auf die Führung des Automobilzulieferers aufrechtzuerhalten.
Seitens der Stadtverwaltung wurde betont, dass das Werk nach den vorliegenden Informationen profitabel arbeite und gut ausgelastet sei. Ein wirtschaftlicher Grund für die Schließung des Standorts und die Verlagerung der Arbeitsplätze erschließe sich der Stadt daher nicht.
