Massenabbau, Jobs

Massenabbau in Industrie: 125.000 Jobs gefÀhrdet bis 2035

08.06.2026 - 00:39:15 | boerse-global.de

Logistik, Chemie und Autoindustrie streichen tausende Stellen, investieren aber Milliarden in Automatisierung und neue Standorte.

Stellenabbau in Deutschland: Industrie investiert trotz Krise
Massenabbau - Ein Roboterarm platziert prĂ€zise einen Mikrochip auf einer Montagelinie, mit verschwommenen Fabrikarbeitern im Hintergrund. 08.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Automatisierung, globale Konkurrenz und milliardenschwere Sparprogramme setzen den deutschen Industriestandort unter Druck. Logistik, Chemie, Pharma und Autobranche bauen massiv Personal ab – investieren aber gleichzeitig in Milliardenhöhe in neue Technologien.

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Hafenlogistik: Roboter ersetzen jeden zweiten Job

Das Gemeinschaftsunternehmen NTB Bremerhaven automatisiert sein Terminal. Rund 500 der 1.000 Stellen fallen weg. Grund: eine Milliarde Euro Investition in selbstfahrende Containertransporter.

Das Ziel: Die jĂ€hrliche UmschlagkapazitĂ€t steigt von drei auf vier Millionen Standardcontainer (TEU). Die Basis dafĂŒr liefert eine Vereinbarung vom April 2026. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung setzt auf SprinterprĂ€mien, Vorruhestand und Altersteilzeit – betriebsbedingte KĂŒndigungen sollen vermieden werden.

Chemie und Pharma: Sparkurse der Konzerne

Dow Chemical baut am Standort Stade rund 110 Stellen ab – etwa zehn Prozent der Belegschaft. Das Programm heißt „Transform to Outperform“. Weltweit will der US-Konzern 4.500 Stellen streichen und das EBITDA um zwei Milliarden Dollar verbessern.

Evonik geht noch weiter. Bis Ende 2026 sollen rund 1.850 Stellen wegfallen. Der Großteil des Abbaus lĂ€uft bereits dieses Jahr. Der Codename des Sparprogramms: „Tailor Made“.

In der Pharmabranche trifft es besonders TĂŒbingen. CureVac stellt den operativen Betrieb zum 31. Dezember 2026 ein. Zwei Drittel der Stellen entfallen. BioNTech hatte das Unternehmen im Januar ĂŒbernommen. Eine landeseigene Taskforce versucht, FachkrĂ€fte in der Region zu halten. Auch in der Schweiz bauen Novartis, Pfizer und Takeda Stellen ab – investieren aber punktuell in siRNA-Produktion und Zelltherapien.

Autoindustrie: Werke laufen nur zur HĂ€lfte

Die deutsche Automobilindustrie hat ein massives Auslastungsproblem. SchÀtzungen zufolge liegt sie bei rund 50 Prozent. Der VDA rechnet bis 2035 mit 125.000 gefÀhrdeten ArbeitsplÀtzen.

Ford hat die Produktion des Focus in Saarlouis bereits im November 2025 eingestellt. Volkswagen setzt ein 2024 vereinbartes Programm zum Abbau von 50.000 Stellen um. Ein Hauptgrund: der AbsatzrĂŒckgang in China. Von 4,2 Millionen Fahrzeugen (2019) auf 2,7 Millionen (2025).

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Gleichzeitig verlagern deutsche Hersteller KapazitÀten nach Osteuropa. BMW investiert rund zwei Milliarden Euro in ein Werk in Ungarn. Mercedes verdoppelt die KapazitÀten am Standort Kecskemét.

Gewerkschaften fordern politische Kurskorrektur

Die IG BCE macht Druck. Vorsitzender Michael Vassiliadis fordert eine Anhebung der Spitzensteuersatz-Schwelle auf 100.000 Euro Jahreseinkommen. Vor einem geplanten Reformgipfel im Kanzleramt verlangt er zudem einen Stopp der aktuellen Gesundheitsreform. Die Verunsicherung in der Industrie mĂŒsse enden.

Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi bringt eine verpflichtende, arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente fĂŒr alle BeschĂ€ftigten ins Spiel. Rund 20 Millionen Arbeitnehmer haben derzeit keine betriebliche Altersvorsorge. Der Abschlussbericht der Rentenkommission wird Ende Juni 2026 erwartet. Die WirtschaftsverbĂ€nde lehnen den Vorstoß bislang ab.

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