Bundesbank-VorgÀngerin «willfÀhriger Handlanger» in NS-Zeit
15.03.2024 - 13:19:02 | dpa.deAls VorgĂ€ngerin der Deutschen Bundesbank hat die Reichsbank nach EinschĂ€tzung von Forschern bedeutend zum Funktionieren des NS-Systems in den Jahren 1933 bis 1945 beigetragen. Seit spĂ€testens 1936 sei die Reichsbank «eine politisch machtlose Institution und willfĂ€hriger Handlanger einer zerstörerischen Politik» gewesen, heiĂt es in einer wissenschaftlichen Studie zur deutschen Zentralbankgeschichte, die 2017 von der Bundesbank in Auftrag gegeben worden war.
Die Reichsbank unterstĂŒtzte demnach die Finanzierung der KriegsrĂŒstung, die finanzielle Ausbeutung der von Deutschland besetzten Gebiete sowie die Erfassung und Verwertung erbeuteten Vermögens. Schon frĂŒh im Nationalsozialismus habe sich die Reichsbank «an der Beschlagnahme, Enteignung und dem Abverkauf jĂŒdischen Vermögens» beteiligt. Zudem ĂŒbernahm die Reichsbank geraubte GoldbestĂ€nde und Devisen der in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordeten Menschen.
«Auch wĂ€hrend des Krieges hat die Reichsbank intensiv mitgearbeitet an der Eroberungs- und Vernichtungspolitik», sagte der stellvertretende Direktor des Instituts fĂŒr Zeitgeschichte MĂŒnchen, Professor Magnus Brechtken, der das Forschungsprojekt «Von der Reichsbank zur Bundesbank» gemeinsam mit Professor Albrecht Ritschl von der London School of Economics leitete.
«UnertrÀgliche» KontinuitÀten
Der Untersuchungszeitraum beginnt 1923/24 mit der Stabilisierung der neuen WÀhrung nach der Hyperinflation und dem Amtsantritt Hjalmar Schachts als ReichsbankprÀsident und endet im Jahr 1969, als mit Karl Blessing der letzte BundesbankprÀsident aus dem Amt schied, der zum engsten Mitarbeiterkreis um Hjalmar Schacht gehört hatte.
Weder die 1948 gegrĂŒndete Bank deutscher LĂ€nder noch die 1957 gegrĂŒndete Bundesbank sind Rechtsnachfolger der Reichsbank. Gleichwohl seien nach dem Zweiten Weltkrieg «viele der Personen, die zwischen 1933 und 1945 in der Reichsbank tĂ€tig waren, vor allem auf der zweiten und dritten Ebene nach 1945 in Ă€hnlichen Bereichen wieder in der Zentralbank tĂ€tig geworden», fĂŒhrte Brechtken aus.
Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel nannte solche KontinuitĂ€ten «unertrĂ€glich». Die Studie belege, dass man «kein verklĂ€rtes Bild» von der Geschichte der Bundesbank entwickeln sollte. Nagel hob generell die Bedeutung der umfassenden Untersuchung hervor: «Ihr Werk zeichnet nach, wie Zentralbanker zu willfĂ€hrigen Gehilfen eines verbrecherischen Regimes wurden. Und es zeigt, wie anfĂ€llig sie fĂŒr Rassismus, Antisemitismus und antidemokratische Einstellungen waren.»
Bundesbank-PrÀsident warnt vor Antisemitismus
Die Ergebnisse der Studie seien zugleich eine Mahnung, sagte Nagel: «Nie wieder darf es Antisemitismus in Deutschland geben. Nie wieder darf es Ausgrenzung und staatliche WillkĂŒr gegen Minderheiten geben. Nie wieder dĂŒrfen staatliche Stellen wie die Zentralbank demokratische Werte mit FĂŒĂen treten», betonte der Bundesbank-PrĂ€sident. Demokratische Werte mĂŒssten tĂ€glich verteidigt werden: «Haltung bewahren, wenn es darauf ankommt.»
Die wissenschaftliche Arbeit steht als zusammenfassende BroschĂŒre online und in gedruckter Form zur VerfĂŒgung. Zudem sollen ein Sammelband und Monografien zu acht Teilforschungsprojekten erscheinen.
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