Mercedes-Benz: 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich soll Kosten senken
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deUnternehmen der deutschen Automobilindustrie drängen im aktuellen Tarif- und Betriebskonflikt verstärkt auf individuelle Regelungen zur Arbeitszeitverlängerung. Während das Management Einsparungen durch Mehrarbeit anstrebt, verweigern die Arbeitnehmervertreter unbezahlte Zusatzstunden.
Die Gewerkschaft IG Metall sieht in der Verteidigung der 35-Stunden-Woche und des Acht-Stunden-Tags eine Kernfrage ihrer Identität. Zugleich zeichnet sich in der Branche eine Differenzierung zwischen Flächentarifverhandlungen und betrieblichen Sondervereinbarungen ab.
Sparprogramme und Schließungsdrohungen bei Mercedes-Benz
Besonders deutlich tritt der Konflikt beim Stuttgarter Hersteller Mercedes-Benz zutage. Das Management beabsichtigt, die wöchentliche Arbeitszeit für Beschäftigte in Deutschland von 35 auf 38 Stunden anzuheben, ohne dafür einen Lohnausgleich zu gewähren.
Ein Unternehmenssprecher bezeichnete eine solche Erhöhung ohne finanziellen Ausgleich als den direktesten und fairsten Weg, um Kosten zu senken. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat werden unabhängig von den Verhandlungen über den Flächentarif der Metallindustrie geführt.
In der Autosparte von Mercedes-Benz sollen durch eine Ausweitung der Arbeitszeit von 35 auf 38 beziehungsweise 40 Stunden jährlich 800 Mio. Euro im Zuge des Sparprogramms Next Level Performance eingespart werden.
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Bereits zuvor hatte das Unternehmen eine Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsgehalts gestrichen. Die Material- und Fixkosten sanken im Jahr 2025 um 3,6 Mrd. Euro. Mercedes-Benz hat für die Standorte in Deutschland eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2034 vereinbart. Dennoch berichteten Insider von Drohungen mit Werksschließungen.
Mercedes-Produktionschef Michael Schiebe erklärte dazu, dass es in einem sehr extremen Szenario zu Werksschließungen in Deutschland kommen könnte. Gegen die Pläne zur Arbeitszeitverlängerung formierte sich massiver Widerstand: Tausende Beschäftigte demonstrierten im Verlauf des Konflikts bundesweit, unter anderem an der Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
Kompromiss bei ZF Friedrichshafen als Alternativmodell
Dass betriebliche Sonderwege auch zu Vereinbarungen führen können, zeigt die Einigung beim Zulieferer ZF Friedrichshafen. Am 23. Oktober 2026 stimmten die Beschäftigten der Betriebe N und Z einem Mitte September 2026 ausgehandelten Kompromiss zu übertariflichen Zulagen zu. Bei einer Wahlbeteiligung von 66 Prozent votierten 4248 Mitarbeiter (78,3 Prozent) dafür und 1173 Beschäftigte (21,7 Prozent) dagegen.
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Gegenstand des Konflikts war die im Jahr 2007 eingeführte Zeppelin- und Drehkreuz-Zulage, die nach Betriebsratsangaben zwischen 7 und 13 Prozent des Monatsgehalts ausmachte und von ZF zum 1. Juli 2027 gekündigt worden war. Der nun angenommene Kompromiss sieht vor, die Zulage durch eine gewinn- und leistungsabhängige Zahlung namens Leistung-Plus zu ersetzen.
Im Gegenzug wird eine tarifliche Lohnerhöhung von 3,1 Prozent vom 1. September 2026 auf den 1. Januar 2027 verschoben, wobei entgangene Entgeltbestandteile verrechnet werden. Das Paket umfasst zudem erweiterte Mehrarbeit, modifizierte Schichtmodelle und angepasste Arbeitszeitkonten.
Verhandlungen in den Tarifbezirken der Metall- und Elektroindustrie
Parallel zu den betrieblichen Konflikten laufen die übergeordneten Verhandlungen. Im IG-Metall-Bezirk Mitte, der rund 390.000 Beschäftigte im Saarland, in Hessen und in Rheinland-Pfalz umfasst, endete die erste Tarifrunde am 9. Oktober in Frankfurt ergebnislos. Die zweite Verhandlungsrunde ist für den 29. Oktober in Hanau anzetzt.
Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Chef der IG Metall Kaiserslautern, Bernd Löffler, betonte, dass Arbeitgeber bereits von einer Arbeitszeiterhöhung gesprochen hätten, was die Gewerkschaft jedoch abwehren wolle; er rechnet mit einer harten Auseinandersetzung.
In Baden-Württemberg setzen die IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall ihre Verhandlungen am 27. Oktober 2026 in Kornwestheim fort, nachdem das erste Treffen in Ludwigsburg stattgefunden hatte. Dort signalisierte die Arbeitnehmerseite Verzichtsbereitschaft, knüpfte Zugeständnisse jedoch an die Bedingung, dass die betroffenen Betriebe verbindliche Investitionszusagen machen.
