Mercedes-Benz, Arbeitsplatz-Sicherheit

Mercedes-Benz: Arbeitsplatz-Sicherheit gegen Gehaltsverzicht

23.05.2026 - 13:39:43 | boerse-global.de

Mercedes-Benz sichert Arbeitsplätze bis 2034, verlangt aber tiefe Einschnitte bei Boni und Gehaltssteigerungen im Gegenzug.

Mercedes-Benz: Arbeitsplatz-Sicherheit gegen Gehaltsverzicht - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Mercedes-Benz: Arbeitsplatz-Sicherheit gegen Gehaltsverzicht - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Der Autobauer Mercedes-Benz treibt seinen Sparkurs mit dem Programm „Next Level Performance“ voran – und setzt dabei auf einen historischen Deal mit der Belegschaft. Bis 2034 sichert der Konzern Arbeitsplätze zu, verlangt dafür aber tiefe Einschnitte bei Boni und Gehaltssteigerungen.

Der Pakt mit der Belegschaft

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Rund 91.000 Beschäftigte in Deutschland sind von dem Abkommen betroffen, das im März 2025 zwischen Vorstand und Gesamtbetriebsrat geschlossen wurde. Kern des Deals: Die sogenannte „Zusi“ – die Beschäftigungssicherung – gilt nun bis Ende 2034. Ursprünglich wäre sie Ende 2029 ausgelaufen.

Doch die Verlängerung hat ihren Preis. Die tariflichen Lohnerhöhungen der Metall- und Elektroindustrie werden nur zur Hälfte ausgezahlt. Der Rest wird mit übertariflichen Zulagen verrechnet. Zudem steht das jährliche Gewinnbeteiligungsmodell vor dem Aus – ein System, das seit 1997 fester Bestandteil der Unternehmenskultur war. Für das Geschäftsjahr 2025 soll es die letzte Auszahlung geben. Zum Vergleich: 2023 lag die durchschnittliche Prämie bei rund 7.000 Euro pro Mitarbeiter.

„Next Level Performance“ – Milliarden-Sparprogramm

Der Druck auf den Stuttgarter Autobauer ist enorm. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete der Konzern einen operativen Gewinnrückgang von 57 Prozent. Das Programm „Next Level Performance“, das im Februar 2026 vorgestellt wurde, soll gegensteuern. Ziel: dauerhafte Einsparungen von rund fünf Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren.

Die Produktionskosten sollen bis 2027 um zehn Prozent sinken, bis 2030 sogar um 20 Prozent. Das baut auf einem frĂĽheren Effizienzprogramm auf, das zwischen 2019 und 2025 bereits eine 20-prozentige Kostenreduktion vorsah.

Zölle und globale Herausforderungen

Die internationale Handelspolitik macht Mercedes-Benz schwer zu schaffen. Rund 1,2 Milliarden Euro Mehrkosten durch Zölle belasten die Bilanz. Der Konzern reagiert mit einer Verlagerung der Lieferketten: Bis 2027 sollen 30 Prozent der Komponenten aus sogenannten „Best-Cost“-Ländern stammen – also aus Regionen mit günstigeren Produktionsbedingungen.

Gleichzeitig setzt das Unternehmen verstärkt auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Logistik. Die Produktion an den deutschen Standorten Sindelfingen, Bremen und im ungarischen Kecskemét wird für neue Elektro-Architekturen modernisiert.

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Flexibilisierung der Arbeitszeit

Ein weiterer Hebel ist die höhere personelle Flexibilität. In der Produktion wird verstärkt auf Zeitarbeit gesetzt, um schneller auf Marktschwankungen reagieren zu können. Das Thema Arbeitszeit bleibt jedoch heikel. Bereits 2021 hatte Mercedes viele 40-Stunden-Verträge in der Verwaltung auf die tarifliche 35-Stunden-Woche zurückgestuft – mit Gehaltseinbußen von rund 12,5 Prozent für mehrere tausend Beschäftigte.

Struktureller Umbau in der Verwaltung

Auch in den indirekten Bereichen läuft der Umbau. Finanzen, Personal und Einkauf werden restrukturiert. Der Personalabbau soll vor allem über natürliche Fluktuation und Abfindungsprogramme erfolgen. Die Produktion von Komponenten am Standort Berlin-Marienfelde steht ebenfalls auf dem Prüfstand – ein Vorgang, der im Dezember 2025 für erhebliche Spannungen zwischen Belegschaft und IG Metall sorgte.

Zukunft der Antriebe

Während die Investitionen in reine Elektroautos (BEVs) weiterlaufen, bleiben die Ausgaben für Verbrenner-Technologie begrenzt. Der Fokus liegt auf der Modularisierung – also der gemeinsamen Nutzung von Komponenten zwischen E-Antrieb und elektrifiziertem Verbrenner. Das soll die Komplexität senken und Kosten sparen.

Branche im Umbruch

Die gesamte deutsche Automobilindustrie steckt in einem schwierigen Transformationsprozess. Schwächere Nachfrage nach E-Autos und der wachsende Wettbewerb aus China setzen die Hersteller unter Druck. Branchenberichte aus Januar 2026 sprechen von rund 100.000 Arbeitsplätzen, die bis 2030 bei deutschen Herstellern und Zulieferern wegfallen könnten.

Ob Mercedes-Benz mit dem Spagat zwischen Arbeitsplatzgarantie und Kostendruck erfolgreich ist, wird sich 2026 entscheiden. Das Jahr gilt als Bewährungsprobe für das „Next Level Performance“-Programm. Ziel bleibt eine zweistellige Umsatzrendite – trotz globaler Unsicherheiten und eines tiefgreifenden Wandels in der Automobilindustrie.

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