Mercedes-Benz droht Werkschließungen: 40-Stunden-Woche ohne Ausgleich
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Mercedes-Benz Group verschärft angesichts eines massiven Kostendrucks und rückläufiger Absatzzahlen in Kernmärkten ihren Sparkurs an den deutschen Standorten.
Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 9. September 2026 zufolge droht das Unternehmen mit der Schließung von Werken in Deutschland und einer verstärkten Produktionsverlagerung nach Osteuropa. Hintergrund ist die Forderung des Vorstands nach einer Einführung der 40-Stunden-Woche ohne entsprechenden Lohnausgleich, wogegen sich die Arbeitnehmervertreter bislang zur Wehr setzen.
Massive Kostennachteile gegenüber dem Ausland
Bei einer Betriebsversammlung am 8. September 2026 verdeutlichte Rechtsvorstand Olaf Schick die angespannte wirtschaftliche Lage anhand detaillierter Personalkostenvergleiche. Die präsentierten Daten zeigen ein deutliches Gefälle zwischen Deutschland und anderen Produktionsstandorten.
In der Produktion liegen die Arbeitskosten in Rumänien demnach um 81,7 % niedriger als hierzulande. Auch in Ungarn mit einem Minus von 75 % und in Polen mit 76,5 % fallen die Kosten signifikant geringer aus. Selbst im Vergleich zu den USA, wo die Kosten 17,9 % niedriger liegen, erweist sich der Standort Deutschland als teuer.
Ähnliche Diskrepanzen zeigten sich im Verwaltungsbereich. Hier bezifferte der Rechtsvorstand die Kostenvorteile in Rumänien auf 73 %, in Ungarn auf 68 % und in Polen auf 63 %. Die USA liegen in der Verwaltung um 18 % unter dem deutschen Niveau.
Neben den reinen Lohnkosten identifizierte die Konzernleitung die Jahresarbeitszeit als entscheidenden Faktor. In den USA liegt diese laut den gezeigten Folien um 33 % höher als in Deutschland. Auch in Ungarn (28 %), Rumänien (29 %) und Polen (23 %) wird pro Jahr deutlich länger gearbeitet.
Verlagerungen und Sparziele bis 2027
Wer sich mit dem Thema Kündigungswellen befasst, sollte als Arbeitnehmervertreter seine Rechte genau kennen. Dieser kostenlose PDF-Report enthüllt, wie Sie den Sozialplan aktiv zu Gunsten Ihrer Kollegen beeinflussen können. Wichtige Mitbestimmungsrechte beim Interessenausgleich entdecken
Die Konsequenzen dieser Kostenstruktur zeigen sich bereits in der strategischen Belegungsplanung der Werke. Das Werk im ungarischen Kecskemét hat seine Kapazität inzwischen auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt, wobei die Faktorkosten dort um 70 % niedriger liegen als im deutschen Netzwerk.
Für das Werk Rastatt hat dies konkrete Folgen: Der Standort verliert die Produktion der A-Klasse sowie der kompakten G-Klasse an das ungarische Werk; lediglich das Modell CLA verbleibt in Rastatt.
Der Konzern verfolgt bis zum Jahr 2027 ein Sparziel in Höhe von 5 Mrd. Euro. Um die Fixkosten zu senken, haben bereits 5.500 Mitarbeiter das Unternehmen gegen Abfindungszahlungen verlassen.
Wenn Arbeitsverhältnisse im großen Stil einvernehmlich beendet werden sollen, sind rechtssichere Vereinbarungen für beide Seiten unerlässlich. Ein kostenloses E-Book mit fertigen Musterformulierungen erspart Personalern und Führungskräften Zeit und teure Fehler beim Aufsetzen von Aufhebungsverträgen. Gratis-E-Book mit Musterformulierungen herunterladen
Zwar sind betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2034 formal ausgeschlossen und die allgemeine Beschäftigungssicherung gilt bis 2035, doch die aktuelle Drohung mit Werksschließungen erhöht den Druck auf den Betriebsrat massiv. Die Arbeitnehmervertreter bezeichneten das Vorgehen des Vorstands im Rahmen der Verhandlungen bereits als Erpressung.
Absatzkrise in China belastet das Ergebnis
Zusätzlich unter Druck gerät Mercedes-Benz durch eine schwache Entwicklung im wichtigsten Absatzmarkt China. Die von Olaf Schick präsentierten Zahlen belegen einen deutlichen Rückgang der Verkäufe zwischen den Jahren 2022 und 2025. Der Gesamtabsatz in China sank in diesem Zeitraum um 27 %.
Besonders kritisch ist die Entwicklung im margenstarken Luxussegment: Bei der S-Klasse verzeichnete das Unternehmen ein Minus von 46 %, während die Sportwagenmarke AMG einen Rückgang von 33 % hinnehmen musste. Diese Einbußen bei den Ertragsperlen des Konzerns limitieren den Spielraum für Zugeständnisse an die deutsche Belegschaft weiter.
