Mercedes-Benz V2G-Paket: 514,65 Euro Jahresbonus bei zwölf Stunden Anschluss
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mercedes-Benz hat am 12. Oktober 2026 gemeinsam mit dem Partner The Mobility House Energy das Gesamtpaket MB.CHARGE Home Pro Intelligent auf den deutschen Markt gebracht. Das Angebot richtet sich an Privatkunden und umfasst die bidirektionale 11-kW-DC-Wallbox ChargeLine Bidi, den dynamischen Stromtarif Mercedes-Benz Intelligent Pro Eco sowie die Steuerungs-App Mercedes-Benz Charge Home.
Der Stuttgarter Automobilhersteller bezeichnet das System als erste marktreife Vehicle-to-Grid-Lösung (V2G) in Deutschland, die auf offenen Standards wie ISO 15118-20 basiert.
Vergütungsmodell und Anschaffungskosten der Wallbox
Das System setzt auf ein zeitbasiertes Bonusmodell. Das Unternehmen vergütet jede Stunde, in der das Fahrzeug mit aktiviertem intelligentem Laden an die Ladestation angeschlossen ist, mit 11,75 Cent. Die Gutschrift erfolgt unabhängig davon, ob das Elektroauto in diesem Zeitraum geladen, entladen oder pausiert wird. Tägliche, monatliche oder jährliche Obergrenzen gibt es nicht.
Bei einer durchschnittlichen Anschlussdauer von zwölf Stunden pro Tag ergibt sich ein rechnerischer Jahresbonus von 514,65 Euro. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um einen Erlös pro rückgespeister Kilowattstunde. Die Garantiedauer des Vergütungssatzes ist derzeit offen, der Bonus soll über vier Jahre mit den Stromkosten verrechnet werden.
Die vom Schweizer Hersteller EVtec gefertigte Wallbox kostet regulär 2.990 Euro. Für die ersten 500 Kunden, die bis Ende März 2027 einen Vertrag abschließen, gilt ein Einführungspreis von 1.990 Euro. Diese Kunden erhalten zudem 250 Euro Ladeguthaben für den Dienst MB.CHARGE Public, wofür ein separater Vertrag erforderlich ist.
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Ohne Berücksichtigung von Einbaukosten stellt Mercedes-Benz eine Amortisation nach vier Jahren zum Aktionspreis und nach sechs Jahren zum regulären Preis in Aussicht. Für die Installation und erforderliche Zählerschrank-Anpassungen fallen je nach Aufstellort weitere 1.000 bis 3.000 Euro an. Für das Smart Meter Gateway sind rund 100 Euro pro Jahr zu veranschlagen.
Technische Voraussetzungen und unterstützte Modellpalette
Voraussetzung für die Nutzung sind ein intelligentes Messsystem für die minutengenaue Abrechnung, das Digitale Extra MB.CHARGE Home, eine Mercedes me ID sowie die Fahrzeugverknüpfung. Die Eignung des Hausanschlusses kann vorab über einen digitalen Homecheck geprüft werden; der regulär 99 Euro teure Installationscheck ist für erste Kunden kostenfrei.
Die DC-Ladestation unterstützt 400- und 800-Volt-Architekturen. Die netzdienliche Steuerung übernimmt The Mobility House: Die Batterie lädt zu günstigen Marktzeiten und speist bei hoher Netzlast Energie zurück.
Zum Marktstart ist das V2G-System für den vollelektrischen GLC und die neue C-Klasse verfügbar. Nach dem jeweiligen Marktstart sollen der VLE, GLA, EQS, CLA, CLA Shooting Brake und GLB per Over-the-Air-Update freigeschaltet werden. Modelle wie der EQE und die Vor-Facelift-Version des EQS sind laut Berichten voraussichtlich nicht für das Angebot vorgesehen.
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Regulatorischer Rahmen und Netzeinbindung
Das Angebot folgt auf die MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur vom 1. Oktober 2026. Diese regelt die Marktintegration von Speichern und Ladepunkten und erlaubt die Mischung von Netz- und Solarstrom ohne Verlust von EEG-Förderansprüchen. Bis Ende September 2027 gilt eine Übergangsphase, in der Netzbetreiber V2G-Anfragen noch ohne Angabe von Gründen ablehnen können.
Laut einer gemeinsamen Analyse von Mercedes-Benz und The Mobility House Energy könnten 2 Millionen bidirektional ladefähige E-Fahrzeuge in Deutschland nahezu die Hälfte der Abregelungen erneuerbarer Energien vermeiden und Stromsystemkosten um einen dreistelligen Millionenbetrag senken.
