Mercedes-Protest, Mitarbeiter

Mercedes-Protest: 100.000 Mitarbeiter warnen Merz vor Sozialabbau

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rund 100.000 Mercedes-BeschÀftigte fordern in einem Schreiben an den Kanzler den Erhalt der Rente mit 63 und des Achtstundentags. Der Konzern verweist auf Wettbewerbsnachteile.

Mercedes-Mitarbeiter protestieren per Brandbrief gegen Sozialreformen
Mercedes-Benz Fabrikhalle mit Mitarbeitern an einer Produktionslinie, Fokus auf industrielle AtmosphĂ€re. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Rund 100.000 Werksmitarbeiter von Mercedes-Benz fordern in einem Brandbrief an Bundeskanzler Merz eine Kurskorrektur bei den geplanten Sozialreformen. Die Arbeitnehmervertreter wehren sich gegen Bestrebungen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren und den Achtstundentag infrage zu stellen.

Protest gegen geplante Einschnitte

Mehr als 1.000 Vertrauensleute der IG Metall initiierten das Schreiben. Sie kritisieren die ReformplĂ€ne der schwarz-roten Koalition als realitĂ€tsfern. Die Mitarbeiter pochen auf den uneingeschrĂ€nkten Erhalt der Rente mit 63, die FortfĂŒhrung der Altersteilzeit und die Einhaltung des gesetzlichen Achtstundentags.

Die Vertreter warnen vor wachsender sozialer Spaltung und zunehmender Wut in den Belegschaften. Darstellungen, wonach Arbeitnehmer in Deutschland zu teuer oder zu hĂ€ufig krank seien, weisen sie entschieden zurĂŒck. Eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes oder eine Rente mit 70 wĂŒrde zu massiver Unsicherheit und Kaufkraftverlust fĂŒhren, heißt es in dem Brief.

Konflikt mit der Konzernspitze

Der Protest fĂ€llt in eine Zeit verschĂ€rfter Debatten ĂŒber die WettbewerbsfĂ€higkeit des Standorts Deutschland. Erst einen Tag zuvor hatte Mercedes-Chef Ola KĂ€llenius lĂ€ngere Arbeitszeiten gefordert und die 35-Stunden-Woche infrage gestellt. Er verwies dabei auf Kostennachteile von rund 70 Prozent gegenĂŒber Standorten in Ungarn.

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Der Konzern hatte zudem klargemacht, dass weitere Investitionen in Deutschland von deutlichen ProduktivitĂ€tszuwĂ€chsen abhingen. Die Zahlen der Halbjahresbilanz zeigen ein gemischtes Bild: Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal um rund 22 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro, der Umsatz sank jedoch um 3,3 Prozent. FĂŒr das Gesamtjahr rechnet Mercedes mit einem UmsatzrĂŒckgang von bis zu 7,5 Prozent.

Die Gewerkschaftsvertreter werten die Forderungen der Konzernleitung als Angriff auf die Errungenschaften der Arbeitnehmerschaft.

Widerstand aus den BundeslÀndern

UnterstĂŒtzung kommt aus der Politik: Die MinisterprĂ€sidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen stellten sich gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Sie fordern Übergangsfristen und HĂ€rtefallregelungen, die die individuelle LeistungsfĂ€higkeit der BeschĂ€ftigten berĂŒcksichtigen.

Sachsens MinisterprĂ€sident kĂŒndigte an, die Rentenreform im Bundesrat abzulehnen, falls die Rente nach 45 Jahren tatsĂ€chlich wegfĂ€llt. Mit den Stimmen der ostdeutschen LĂ€nder könnte das Vorhaben der Bundesregierung in der LĂ€nderkammer unter Druck geraten.

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Krise der Autoindustrie verschÀrft Lage

Die Auseinandersetzung spielt sich vor dem Hintergrund einer SchwĂ€chephase der deutschen Automobilindustrie ab. Große Hersteller wie BMW, VW und Porsche melden massive GewinneinbrĂŒche, vor allem wegen schrumpfender AbsĂ€tze in China. Branchenweit könnten mehr als 100.000 ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrdet sein.

Bereits Anfang Juli hatten Mercedes-BeschÀftigte in Bremen gegen den Sparkurs des Vorstands demonstriert, der die Arbeitskosten weiter senken will.

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