Metall-Tarifrunde: 413.000 Beschäftigte streiken für fünf Prozent mehr Lohn
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der bundesweiten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall den Druck auf die Arbeitgeberseite deutlich verschärft. Bis zum Freitag beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als 413.000 Beschäftigte an über 2.800 Warnstreik-Aktionen. Die Arbeitnehmervertretung fordert für die bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten ein Lohnplus von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Gewerkschaft droht mit 24-Stunden-Warnstreiks
Nach dem Ende der Friedenspflicht am 01.11.2026 traten in der ersten Welle der Woche bereits über 400.000 Beschäftigte in den Ausstand. Die Gewerkschaft kündigte an, die Maßnahmen auszuweiten, sollten die Arbeitgeber am Montag kein nachgebessertes Angebot vorlegen. Als nächste Eskalationsstufe seien ganztägige Warnstreiks möglich, unter anderem im Bezirk Mitte.
Neben der Entgelterhöhung verlangt die IG Metall Regelungen zur Beschäftigungssicherung, eine finanzielle Besserstellung der unteren Entgeltgruppen sowie eine Gewinnbeteiligung in ertragsstarken Betrieben.
Gleichzeitig unterbreitete die Gewerkschaft ein Angebot für flexiblere Vereinbarungen: Abweichungen vom Flächentarifvertrag sollen in eng begrenzten Ausnahmefällen möglich sein, sofern Unternehmen Zusagen für Investitionen in Zukunftsprodukte, Ausbildungsplätze und den Erhalt von Standorten geben.
Arbeitgeber verweisen auf Strukturkrise und Jobabbau
Das bisherige Angebot von Gesamtmetall sieht eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoeinkommens im Juli 2027 sowie eine Entgelterhöhung um 1,3 Prozent ab Juli 2028 vor.
Die vorgeschlagene Gesamtlaufzeit reicht bis zum 31.12.2028. In Norddeutschland boten die Arbeitgeber für Juli 2027 eine Einmalzahlung zwischen 500 und 850 Euro an, die bei Betrieben in einer Krise gestrichen werden kann, gefolgt von 1,3 Prozent mehr ab Juli 2028.
Mehr als 413.000 Beschäftigte haben bis Freitag die Arbeit niedergelegt, über 2.800 Aktionen — und die Gewerkschaft droht mit 24-Stunden-Warnstreiks, falls am Montag kein nachgebessertes Angebot kommt. Wer als HR-Leiter oder Betriebsrat die Lohnkosten und Standortrisiken jetzt belastbar durchrechnen will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden Szenario-Rechner und Verhandlungsfahrplan. Kostenlosen Tarif-Leitfaden 2026 anfordern
Die Unternehmerverbände begründen ihre Zurückhaltung mit massiven wirtschaftlichen Risiken. Seit 2018 habe die Branche bereits knapp 350.000 Arbeitsplätze verloren. Die Verhandlungsführerin von Nordmetall warnte, die Arbeitsniederlegungen der vorangegangenen Runde hätten bereits über 27 Millionen Euro gekostet; eine weitere Kostenspirale gefährde bundesweit 300.000 Stellen.
Gesamtmetall stellte für die kommenden zwei bis drei Jahre einen Abbau von branchenweit 300.000 Arbeitsplätzen in Aussicht. Die Beschäftigtenzahl würde in diesem Fall auf 3,4 Millionen sinken – der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung.
Warnstreikwelle erfasst Schlüsselbranchen im gesamten Bundesgebiet
Bis zum 06.11.2026 blieben die Verhandlungen in zahlreichen Regionen ohne Durchbruch. In Norddeutschland scheiterte die dritte Runde für rund 130.000 Beschäftigte, ebenso wie die Gespräche für 360.000 Beschäftigte in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland. Auch in Baden-Württemberg und Berlin-Brandenburg, wo bis Wochenmitte 7.000 Mitglieder streikten, gab es keine Einigung.
Die Arbeitsniederlegungen betrafen weite Teile der Industrie:
- Im Norden beteiligten sich am Donnerstag, den 05.11.2026, über 22.000 Beschäftigte aus 96 Betrieben, darunter bei Airbus, Siemens, Liebherr, der Meyer Werft sowie bei TKMS in Kiel (600 Teilnehmende), der Neptun-Werft in Rostock (rund 300) und in Osnabrück (rund 2.000).
- In Baden-Württemberg traten am selben Tag rund 6.500 Beschäftigte am Audi-Standort Neckarsulm in den Ausstand.
- In Bayern rief die IG Metall am Freitag zu Aktionen in 105 Betrieben auf, davon über 30 im Raum Nürnberg bei Unternehmen wie Bosch, Siemens, MAN Truck & Bus und Diehl.
- In der Südpfalz zählte die Gewerkschaft seit dem 02.11.2026 über 11.500 Streikende, unter anderem bei Daimler Truck in Wörth, Mercedes-Benz in Germersheim sowie bei Magna, Eberspächer, Tenneco, Linde und Webasto in Schaidt.
- Vor dem Volkswagen-Werk in Zwickau demonstrierten Beschäftigte im Rahmen einer Kundgebung; der Betriebsrat stufte das Vertrauen in die Unternehmensführung als beschädigt ein.
Gesamtmetall stellt für die kommenden zwei bis drei Jahre einen Abbau von 300.000 Arbeitsplätzen in Aussicht — die Beschäftigtenzahl sänke auf 3,4 Millionen, den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Wer Standorte und Beschäftigung sichern will, braucht jetzt eine Checkliste für Standort- und Ausbildungszusagen, bevor die nächste Verhandlungsrunde beginnt. Checkliste Beschäftigungssicherung jetzt sichern
In Nordrhein-Westfalen zeigte sich die wirtschaftliche Lage je nach Teilbranche gespalten: Während Unternehmen wie Leybold oder Atlas Copco Energas Erfolge verzeichneten, befindet sich die Gießerei Tweer in Bielefeld in einer schwierigen Phase.
Am Montag, den 09.11.2026, gehen die Verhandlungen in mehreren Regionen weiter, darunter im Pilotbezirk Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf sowie in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Bezirk Osnabrück-Emsland.
