Metall- und Elektroindustrie, IG Metall

Metall-Tarifrunde: Brossardt fordert IG Metall zur MĂ€ĂŸigung auf

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 00:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Bayerns Metall-Arbeitgeberchef Bertram Brossardt verlangt angesichts der Warnstreiks mehr ZurĂŒckhaltung von der IG Metall. Zugleich fordert er Entlastungen fĂŒr kriselnde Betriebe und bringt lĂ€ngere Arbeitszeiten ins GesprĂ€ch.

Tarifrunde vor weiteren Verhandlungen

  • Bertram Brossardt fordert die IG Metall angesichts der Warnstreiks zur MĂ€ĂŸigung auf.
  • Die Arbeitgeber bieten 2,3 Prozent mehr Geld ĂŒber eine Laufzeit von 26 Monaten.
  • Die IG Metall verlangt fĂŒnf Prozent mehr Gehalt bei zwölf Monaten Laufzeit.
Stahlproduktion (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Brossardt fordert ZurĂŒckhaltung bei Warnstreiks

Der Chef der bayerischen Metall-Arbeitgeber, Bertram Brossardt, fordert die IG Metall angesichts der beginnenden Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie zur MĂ€ĂŸigung auf. Zugleich erlĂ€utert er Bedingungen, unter denen kriselnde Betriebe von den vereinbarten Entgeltsteigerungen ausgenommen werden könnten.

Arbeitgeber wollen Tarifkosten begrenzen

„Die Gewerkschaft sollte es nicht ĂŒbertreiben“, sagte Brossardt der „SĂŒddeutschen Zeitung“. Streiks passten ĂŒberhaupt nicht zur momentanen Lage.

Hintergrund ist die stockende Tarifrunde fĂŒr 3,7 Millionen Arbeitnehmer im wichtigsten Industriezweig Deutschlands. Die Verhandlungen finden wĂ€hrend einer tiefen Krise der Autobauer und zahlreicher weiterer Unternehmen statt.

Angebot und Forderungen liegen weit auseinander

Die Arbeitgeber bieten 2,3 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 26 Monaten. Vorgesehen sind eine Lohnerhöhung um 1,3 Prozent und eine Sonderzahlung von 1,0 Prozent.

Die IG Metall hat das Angebot zurĂŒckgewiesen und fĂŒr die kommende Woche zu Warnstreiks aufgerufen. Sie fordert unter anderem fĂŒnf Prozent mehr Gehalt bei einer angestrebten Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.

Ausnahmen fĂŒr Unternehmen mit niedriger Rendite

Brossardt schlĂ€gt vor, dass kriselnde Betriebe ihren BeschĂ€ftigten bei einer Umsatzrendite von unter 2,3 Prozent weder die aktuell verhandelte Lohnerhöhung noch die angebotene Sonderzahlung zahlen mĂŒssten. FĂŒr BeschĂ€ftigte, die im Vergleich zu anderen Branchen gut verdienen, sei dies zumutbar, sagte er mit Blick auf den Erhalt von ArbeitsplĂ€tzen.

Als weiteren Hebel fĂŒr geringere Kosten nannte Brossardt lĂ€ngere Arbeitszeiten. Denkbar sei etwa eine 38- statt der tarifvertraglich geltenden 35-Stunden-Woche.

Streit ĂŒber KrankenstĂ€nde und Gewinnbeteiligung

Der Arbeitgebervertreter kritisierte zudem nach seinen Angaben hohe KrankenstĂ€nde in vielen Betrieben. Die Arbeitgeber hĂ€tten dazu bei der Gewerkschaft einen „GesprĂ€chswunsch“ angemeldet, um den im internationalen Vergleich deutlich höheren Krankenstand dauerhaft zu reduzieren.

Eine automatische Gewinnbeteiligung fĂŒr BeschĂ€ftigte in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben lehnte Brossardt ab. Es seien nur 20 Prozent der Betriebe, denen es wirklich gut gehe; viele Unternehmen könnten zusĂ€tzliche Zahlungen nicht leisten und wĂŒrden sonst den Tarifvertrag verlassen.

Verhandlungen werden fortgesetzt

In der kommenden Woche sollen die GesprÀche zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern weitergehen. Die Warnstreiks erhöhen den Druck auf beide Seiten, eine AnnÀherung bei Lohnhöhe, Laufzeit und den geforderten Entlastungen zu erreichen.

Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie trifft auf eine angespannte Lage in Deutschlands wichtigstem Industriezweig. Besonders die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen unter Kostendruck, wĂ€hrend die Unternehmen zugleich mit schwacher Nachfrage, dem internationalen Wettbewerb und dem technologischen Umbau zur ElektromobilitĂ€t umgehen mĂŒssen.

Das Arbeitgeberangebot von 2,3 Prozent besteht aus einer dauerhaften Erhöhung und einer Sonderzahlung. Die IG Metall verlangt dagegen fĂŒnf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Damit liegen nicht nur die Vorstellungen zur Höhe, sondern auch zur Vertragsdauer weit auseinander.

Konflikt ĂŒber Kosten und BeschĂ€ftigung

Brossardts VorschlĂ€ge verschieben den Streit von der reinen Lohnhöhe auf die Bedingungen, unter denen Tarifsteigerungen gelten sollen. Eine Aussetzung von Erhöhungen fĂŒr Unternehmen mit niedriger Umsatzrendite wĂŒrde die wirtschaftliche Lage einzelner Betriebe unmittelbar in die Tarifstruktur einbeziehen. LĂ€ngere Arbeitszeiten ohne entsprechenden Lohnausgleich könnten die Arbeitskosten je Produkteinheit zusĂ€tzlich senken, wĂŒrden aber die Belastung der BeschĂ€ftigten erhöhen.

FĂŒr die BeschĂ€ftigten geht es deshalb neben der Kaufkraft um Arbeitsplatz- und Standortzusagen. Die Warnstreiks erhöhen den Druck vor den nĂ€chsten Verhandlungen, wĂ€hrend die Arbeitgeber mit der Wettbewerbssituation und hohen Fehlzeiten argumentieren. Die weitere Tarifrunde muss damit zugleich eine Antwort auf die Krise vieler Unternehmen und auf die Einkommensforderungen der BeschĂ€ftigten finden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „IG Metall: Warnstreiks in Metall- und Elektroindustrie gestartet“ (01.11.2026)

Der Beitrag bestÀtigt den Beginn der Warnstreiks und stellt das Arbeitgeberangebot mit einer Einmalzahlung und einer dauerhaften Lohnerhöhung dar. Im Mittelpunkt stehen dort der Ablauf des Arbeitskampfs und die unterschiedlichen Vorstellungen zur Entgeltentwicklung, wÀhrend Brossardts Forderungen nach Kostenentlastungen nicht den Schwerpunkt bilden.

BR24: „Warnstreiks der IG Metall haben begonnen“ (01.11.2026)

Der Bericht hebt neben dem Warnstreik die Forderung der Gewerkschaft nach fĂŒnf Prozent mehr Geld, einer zwölfmonatigen Laufzeit sowie der Sicherung von Jobs und Standorten hervor. Damit setzt er einen stĂ€rkeren Akzent auf die BeschĂ€ftigteninteressen als die Darstellung des Arbeitgeberangebots.

Übereinstimmung besteht beim Beginn der Warnstreiks und beim deutlichen Abstand zwischen den Tarifparteien. Offen bleibt, ob die nĂ€chsten Verhandlungen eine AnnĂ€herung bei Entgelt, Laufzeit und den von den Arbeitgebern verlangten Entlastungen bringen.

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