Metall-Tarifrunde, Metall

Metall-Tarifrunde: IG Metall fordert 5 Prozent mehr Lohn für 3,7 Millionen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
IG Metall und Arbeitgeber bleiben bei Lohn, Laufzeit und Beschäftigungssicherung uneins; weitere Verhandlungen sind für den 9. November angesetzt.
Leere, moderne Industriehalle mit Fertigungsanlagen im Dämmerlicht ohne Menschen. Illustration mit AI erstellt.

In der deutschen Metall- und Elektroindustrie ist auch die dritte Tarifverhandlungsrunde in mehreren Bezirken ohne Durchbruch geblieben. Während die Gewerkschaft IG Metall eine spürbare Entgeltsteigerung und Garantien für Arbeitsplätze fordert, beharren die Arbeitgeberverbände auf langen Laufzeiten und einer Verzögerung tabellenwirksamer Erhöhungen. Begleitet wurden die Verhandlungen von umfangreichen Warnstreiks in zahlreichen Bundesländern.

Weit auseinanderliegende Positionen bei Entgelt und Laufzeit

Die IG Metall verlangt für die bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten 5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem fordert die Gewerkschaft eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen, Gewinnbeteiligungen in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie tariflich abgesicherte Beschäftigungsperspektiven.

Demgegenüber steht ein Angebot der Arbeitgeberseite, das eine Einmalzahlung von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 vorsieht. Laut Angaben von Südwestmetall entspricht dies rund 700 Euro. Erst ab Juli 2028 soll nach den Arbeitgeberplänen eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte um 1,3 Prozent greifen, bei einer Gesamtlaufzeit bis Ende 2028.

Blockaden in den Tarifbezirken und Konzepte zur Standortsicherung

In Niedersachsen endeten die Gespräche in Hannover ebenfalls ergebnislos. Die Arbeitgeberseite hielt dort an 20 Monaten ohne dauerhaftes Entgeltplus sowie an einer streichbaren Einmalzahlung von 660 Euro im Juli 2027 fest, ohne Nachbesserungen vorzulegen.

Die IG Metall Niedersachsen brachte daraufhin den Vorschlag für einen befristeten Tarifvertrag ein. Dieser sieht vor, Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze verbindlich abzusichern, während tarifliche Leistungen in einzelnen Betrieben vorübergehend und begrenzt angepasst werden könnten.

Voraussetzung hierfür seien feste Zusagen für Standorte und Beschäftigung bei voller Tarifhoheit und Mitgliederbeteiligung. Der Verhandlungsführer der IG Metall in Niedersachsen, Thorsten Gröger, kritisierte, die Arbeitgeber hätten die Chance auf ein tragfähiges Angebot verstreichen lassen, während die Beschäftigten Verbindlichkeit statt Willkür bräuchten.

Im Tarifbezirk Küste brachte die Verhandlungsrunde in Bremen für rund 130.000 Beschäftigte keine Einigung, und es wurde vorerst kein neuer Termin vereinbart. Die dortigen Arbeitgeber boten acht Nullmonate, eine streichbare Einmalzahlung für Juli 2027 sowie 1,3 Prozent mehr Geld ab Juli 2028 bei 26 Monaten Laufzeit.

Anzeige

Die dritte Runde ist in mehreren Bezirken ohne Durchbruch geblieben, die Positionen bei Entgelt und Laufzeit liegen weit auseinander — für HR-Verantwortliche wird die Lohnkostenplanung damit zur offenen Rechnung. Unser kostenloser Report zeigt, was 5 Prozent Forderung gegenüber 1,3 Prozent ab Juli 2028 und streichbaren Einmalzahlungen konkret bedeuten. Lohnkosten-Szenarien jetzt durchrechnen

Immerhin sagten sie zu, die Einmalzahlung über alle norddeutschen Länder hinweg anzugleichen, nachdem Mecklenburg-Vorpommern bislang 262 Euro weniger als Hamburg erhalten sollte. Daniel Friedrich von der IG Metall Küste forderte die Gegenseite auf, Vorstellungen von einer Minusrunde aufzugeben.

Auch in Berlin und Brandenburg blieb eine Einigung für rund 96.000 Beschäftigte aus. Während Jan Otto für die IG Metall betonte, dass Verzicht keine Standorte sichere, entgegnete VME-Verhandlungsführer Henning Brandes, die Gewerkschaft wecke überzogene Erwartungen angesichts einer extrem schwierigen Branchenlage, die eine weitere Verteuerung von Arbeit verbiete.

In Frankfurt blieben die Gespräche für 360.000 Beschäftigte in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland ebenfalls ohne Resultat, nachdem bereits Verhandlungen in Baden-Württemberg zuvor ohne Durchbruch geendet hatten.

Ausweitung der Warnstreiks im gesamten Bundesgebiet

Seit dem Auslaufen der Friedenspflicht am 1. November 2026 beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft bundesweit mehr als 413.000 Beschäftigte an über 2.800 Aktionen. Allein im Bezirk Küste legten seit Beginn der Warnstreiks mehr als 42.000 Beschäftigte die Arbeit nieder, darunter 4.000 Personen aus 27 Bremer Betrieben unmittelbar vor der dortigen Verhandlung.

In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt traten mehr als 16.500 Beschäftigte in den Ausstand, unter anderem an Standorten in Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Osnabrück und Magdeburg.

Anzeige

Über 413.000 Beschäftigte in mehr als 2.800 Aktionen, allein im Bezirk Küste mehr als 42.000 — Warnstreiks treffen Produktion und Lieferketten ohne Vorwarnung. Der Report liefert eine Checkliste, mit der Sie Ausfallrisiken im Betrieb frühzeitig bewerten und Ihre Personalplanung absichern. Warnstreik-Checkliste für Ihren Betrieb anfordern

Warnstreiks gab es zudem in Rheinland-Pfalz bei Unternehmen wie Daimler Truck in Wörth, Mercedes-Benz in Germersheim sowie General Dynamics, Mann+Hummel und BorgWarner. Im Saarland beteiligten sich Betriebe wie Bosch, Schaeffler und Hager. In Westthüringen zählte die Gewerkschaft rund 2.200 Streikende in Betrieben wie BMW, Opel und ZF.

IG-Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski erklärte, die Arbeitgeber seien nun am Zug. Die Verhandlungsführerin für Baden-Württemberg, Barbara Resch, schloss bei ausbleibenden Fortschritten eine Ausweitung auf 24-Stunden-Warnstreiks nicht aus und betonte, dass Investitionslasten nicht einseitig den Beschäftigten aufgebürdet werden dürften. Am 9. November 2026 stehen weitere Gespräche an, unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70470646 |