Mieten in Großstädten: Jeder Dritte findet sie zu hoch
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Wohnkosten und Forderungen vor dem Spitzentreffen
- 64 Prozent der Befragten halten die Miete für ihre Wohnung für angemessen.
- Bei den unter 30-Jährigen bewerten 44 Prozent ihre Miete als zu hoch.
- Am Donnerstag beraten Spitzenvertreter in Berlin über die Wohnungspolitik.
Rund jede und jeder Dritte mit einer Mietwohnung in einer deutschen Großstadt hält die eigene Miete für zu hoch.
Deutliche Unterschiede nach dem Alter
Nach der Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds halten insgesamt 32 Prozent ihre Miete für zu hoch, während 64 Prozent sie als angemessen bewerten. Die Angaben liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.
Zwischen Ost und West gibt es kaum Unterschiede. Anders fällt der Blick auf die Altersgruppen aus: Bei den über 60-jährigen Mieterinnen und Mietern empfinden 17 Prozent ihre Miete als zu hoch. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind es 38 Prozent, bei den unter 30-Jährigen 44 Prozent.
Mehrheit setzt auf schärfere Regeln
Viele Befragte halten strengere Maßnahmen gegen Mietsteigerungen in Großstädten für wirksam. 89 Prozent nennen schärfere Strafen für Vermieter bei sogenannten Wuchermieten, 75 Prozent eine Verschärfung der Mietpreisbremse und 67 Prozent eine Begrenzung von Mieterhöhungen.
Spitzentreffen in Berlin
Am Donnerstag kommen Spitzenvertreter von Gewerkschaften und Deutschem Mieterbund in Berlin mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) und wohnungspolitischen Fachleuten der Bundestagsfraktionen außer der AfD zusammen. DGB und Mieterbund verlangen von der Bundesregierung mehr Tempo bei mietrechtlichen Reformen.
Sie fordern, Verstöße gegen die Mietpreisbremse und Mietwucher in Ballungszentren stärker zu ahnden. Nach ihren Angaben liegen in Berlin rund die Hälfte der inserierten Wohnungen über der zulässigen Miethöhe.
Forderung nach Mietenstopp und Sozialwohnungen
Zu den Forderungen gehört auch ein bundesweiter Mietenstopp. Die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds, Melanie Weber Moritz, verlangt zudem wirksame Mietbegrenzungen, mehr Sozialwohnungen und besseren Schutz vor dem Verlust der Wohnung.
DGB-Vize Stefan Körzell fordert zusätzlich mehr bezahlbaren Wohnraum. Bund, Länder und Kommunen müssten gemeinsam dazu beitragen, ihn zu schaffen.
Altersgruppen bewerten Wohnkosten unterschiedlich
Die Umfrage macht sichtbar, dass die Wahrnehmung der Mietbelastung stark mit dem Alter zusammenhängt. Jüngere Haushalte stehen häufiger am Anfang ihres Berufslebens, verfügen oft über geringere Einkommen und haben weniger Gelegenheit gehabt, dauerhaft günstige Mietverträge aufzubauen. Bei älteren Mieterinnen und Mietern können längere Mietverhältnisse und frühere Vertragsabschlüsse die niedrigere Bewertung teilweise erklären.
Für die Wohnungspolitik verweist das Ergebnis auf zwei unterschiedliche Probleme: kurzfristig steigende Wohnkosten in angespannten Großstadtmärkten und langfristig fehlender bezahlbarer Wohnraum. Mietrechtliche Eingriffe können bestehende Haushalte vor starken Erhöhungen schützen. Sie lösen jedoch nicht allein den Mangel an Wohnungen, der den Wettbewerb um günstige Angebote verschärft.
Reformen treffen auf begrenzten Wohnungsbau
Die Forderungen nach schärferen Regeln, besserer Durchsetzung und mehr Sozialwohnungen greifen deshalb ineinander. Eine wirksamere Kontrolle kann Mieterinnen und Mietern helfen, wenn zulässige Grenzen überschritten werden. Gleichzeitig braucht es neue Wohnungen, damit die Nachfrage nicht dauerhaft auf ein knappes Angebot trifft.
Das Spitzentreffen in Berlin erhält vor diesem Hintergrund praktische Bedeutung: Entscheidend wird sein, ob Bund, Länder und Kommunen konkrete Schritte bei Mietrecht, Neubau und sozialem Wohnungsangebot verbinden. Für Haushalte in Großstädten bleibt die Entwicklung der Angebotsmieten ebenso relevant wie der Schutz bestehender Mietverhältnisse.
