Migrationsverwaltung: Sechs Monate mehr Jobsuche für Fachkräfte
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 14:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung will die Verwaltung für ausländische Fachkräfte digitalisieren und beschleunigen. Doch die Praxis hinkt hinterher.
Längere Fristen und mehr Datenaustausch
Ende Juli 2026 trat das Migrationsverwaltungsdigitalisierungsentwicklungsgesetz (MDWG) in Kraft. Es bringt zentrale Änderungen: Biometrische Daten von Erwachsenen dürfen künftig bis zu sieben Jahre gespeichert werden, bei Kindern bis zu fünf Jahre. Das soll Behördengänge bei Aufenthaltsverlängerungen überflüssig machen.
Auch die Aufenthaltstitel für Fachkräfte werden angepasst. Sie gelten künftig für die gesamte Vertragslaufzeit plus sechs Monate. Verliert ein Arbeitnehmer seinen Job, bleibt ihm mit sechs Monaten doppelt so viel Zeit für die Stellensuche wie bisher. Bei nachgewiesener Ausbeutung am Arbeitsplatz sind es sogar neun Monate.
Zusätzlich tauschen sich Behörden enger aus: Jobcenter und Ausländerbehörden dürfen seit Ende Juli Sozialdaten abgleichen. Leistungsdaten liegen bereits seit November 2025 im Ausländerzentralregister (AZR). Ab November 2027 soll die Übermittlung automatisiert laufen.
Wirtschaft zeigt sich unzufrieden
Erste Fortschritte gibt es auf regionaler Ebene. Bremen startete am 3. August 2026 einen Online-Antrag für das beschleunigte Fachkräfteverfahren. Unternehmen können dort Anträge für künftige Mitarbeiter stellen und erhalten eine vorrangige Bearbeitung. Der Familiennachzug soll innerhalb von sechs Monaten klappen.
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Bundesweit bleibt die Stimmung jedoch schlecht. Eine IHK-Umfrage in Niedersachsen zeigt: 72 Prozent der Unternehmen halten kommunale Genehmigungsprozesse für zu langwierig. 42 Prozent bewerten die digitalen Verwaltungsangebote als schlecht. Die Kommunen verweisen auf fehlendes Geld und wachsende Aufgaben.
Der europäische Vergleich fällt ernüchternd aus. Im Bitkom-DESI-Index 2026 rutscht Deutschland auf Platz 17 von 27 EU-Staaten ab. Bei der digitalen Verwaltung reicht es nur für Rang 22.
Vietnam digitalisiert parallel
Auch Vietnam treibt die Digitalisierung voran. Das Innenministerium will die Bearbeitung von Entsende-Lizenzen von 20 auf 15 Arbeitstage verkürzen. Schon jetzt laufen über 90 Prozent der Verfahren online.
Seit dem 1. Juli 2026 gibt es zudem eine nationale Plattform für elektronische Arbeitsverträge. Jeder Vertrag erhält einen 13-stelligen Code. Doch nur rund 10 Prozent der Unternehmen nutzen das System bisher. Gleichzeitig plant die Regierung, die Arbeitnehmerüberlassung für Ausländer in Vietnam zu verbieten, um den heimischen Arbeitsmarkt zu schützen.
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Unternehmen setzen auf Daten
Abseits der Politik modernisieren Firmen ihre Personalplanung. Der Energiekonzern OMV nutzt eine cloudbasierte Plattform für „People Intelligence", um Entscheidungen datenbasiert zu treffen. Auch Mittelständler setzen vermehrt auf automatisierte Lohnabrechnung, um Fehler zu vermeiden.
Bremen testet derweil die digitale Arbeitszeiterfassung für Lehrer. An neun Schulen startet zum Schuljahr 2026/27 ein Pilotprojekt, das anderthalb Jahre lang die tatsächliche Arbeitsbelastung erfasst. Ob die Maßnahmen reichen, um Deutschland im EU-Vergleich nach vorne zu bringen, bleibt abzuwarten.
