Milliarden-Akquisitionen: PetroChina im Kaufrausch
Veröffentlicht: 02.09.2009 um 12:39 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)PetroChina ist nach Börsenwert aktuell das größte Unternehmen der Welt. Dies liegt nicht nur daran, dass der chinesische Ölkonzern im zweiten Quartal seinen Gewinn um 26 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar steigen konnte; während der Gewinn von Exxon (der Nummer Zwei nach Marktkapitalisierung) um 66 Prozent auf 3,95 Milliarden Dollar zurückgegangen ist. PetroChina verfügt auch über weit größere Öl- und Gasreserven als die Amerikaner.
Dieser Abstand dürfte sich in den kommenden Jahren noch vergrößern, denn PetroChina befindet sich wieder auf Einkaufstour. Der Konzern scheint überall auf der Welt zuzugreifen, wo er auch nur einen Fuß in die Tür bekommt. Dabei gibt es nach wie vor günstige Kaufgelegenheiten, denn der Rohölpreis liegt mit rund 70 Dollar pro Barrel noch deutlich unter dem Vorjahresniveau. Das Unternehmen erklärte dementsprechend auf seiner Bilanzpressekonferenz am Freitag, auch weiterhin mit großen Auslandsakquisitionen „Durchbrüche“ erzielen zu wollen.
Die Zukäufe und Kauf-Absichtserklärungen, die es allein in den letzten Wochen gab, sprechen eine klare Sprache. Viel Aufsehen hat beispielsweise der Einstieg in zwei kanadische Ölsandprojekte erregt, der gestern gemeldet wurde. Der Partner Athabasca Oil Sands erhält von PetroChina für die jeweils 60prozentige Beteiligung 1,7 Milliarden Dollar. Die Abbaugebiete sollen über Bitumen-Vorkommen verfügen, die 5 Milliarden Barrel entsprechen.
Zuvor hatte der Konzern bereits angekündigt, für 2,2 Milliarden Dollar 50 Prozent der Anteile an der Singapore Petroleum Company erwerben zu wollen, die in dem Stadtstaat unter anderem eine Raffinerie mit einer täglichen Verarbeitungs-Kapazität von 285.000 Barrel verfügt. Demnächst dürfte auch der Kauf von 49 Prozent der Anteile an einer Raffinerie von Nippon Oil in Osaka abgewickelt werden. An einer Raffinerie in Schottland, die sich derzeit in Besitz von Ineos befindet, soll PetroChina ebenfalls interessiert sein.
Auf der Bilanzpressekonferenz gab PetroChina dann weitere Kaufprojekte bekannt. So wurde ein Nutzungsvertrag für ein Gasfeld in Turkmenistan abgeschlossen, den sich das Unternehmen 1,2 Milliarden Dollar kosten lassen wird. Daneben stößt die staatliche Muttergesellschaft CNPC 10 Raffinerien in China und einen Öl- und Gas-Explorer ab; und auch hier greift PetroChina zu. Die Raffinerien im Inland wird sich der Konzern 1,62 Milliarden Dollar und das Förderunternehmen 412 Millionen Dollar kosten lassen.
Der Mutterkonzern CNPC kann das Geld gut brauchen. Auch er betreibt Förderprojekte auf der ganzen Welt, und soll Gerüchten zufolge gemeinsam mit CNOOC den argentinischen Ölkonzern YPF übernehmen wollen. Laut Branchenexperten ist davon auszugehen, dass die beiden chinesischen Konzerne dafür rund 17 Milliarden Dollar auf den Tisch legen müssten.
PetroChina selbst hat sich sicherheitshalber bereits die Aufnahme neuer Kredite im Umfang von 15 Milliarden Dollar genehmigen lassen. An der Akquisitionswelle fällt auf, dass sich der Konzern immer stärker im Raffinerie-Bereich engagiert. Dieser war zumindest im chinesischen Inland in den letzten Jahren hochdefizitär, was an den staatlich reglementierten Treibstoffpreisen lag. Seit Jahresbeginn hat die chinesische Regierung aber die Preise für Benzin und Diesel schrittweise um bis zu 25 Prozent erhöht. Bei den Wirtschaftsplanern scheint jetzt Konsens darüber zu herrschen, dass die Raffineriebetreiber des Landes hinreichende Gewinnmargen brauchen, um weiter in diesen Sektor zu investieren. Bei PetroChina hat sich dies bereits mehr als deutlich niedergeschlagen. Die Raffinerie-Sparte erzielte im ersten Halbjahr einen Rekordgewinn von 2,5 Milliarden Dollar.
Zweifel an der Rentabilität der milliardenschweren Zukäufe scheint es bei PetroChina nicht zu geben. Das Unternehmen sieht es als seine größte Herausforderung an, den Energiehunger Chinas in den kommenden Jahrzehnten zu bedienen. Deshalb nutzt es jetzt seine enorme Finanzkraft, um sich bei Förderprojekten rund um den Erdball einzukaufen, bevor dies die Konkurrenten tun. Angesichts der Tatsache, dass Chinas Industrieproduktion bereits seit Juni wieder im zweistelligen Prozentbereich wächst, und dass der Großteil der dortigen Milliardenbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten erstmals ein Kraftfahrzeug erwerben wird, dürfte diese Strategie aufgehen. Für Anleger ist die PetroChina-Aktie damit weiterhin ein interessantes Langfrist-Investment.
Kurzfristig dürfte sich der Aktienkurs von PetroChina wie auch bisher vor allem an der Ölpreis-Entwicklung orientieren. Dabei schlagen sich aber nicht nur die Rohölnotierungen an den internationalen Terminmärkten nieder. Auch die periodischen Anpassungen bei den staatlich reglementierten Treibstoffpreisen im Inland spielen eine immer wichtigere Rolle.
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