Weniger Niedriglohnjobs in Deutschland - Anteil gesunken
08.02.2024 - 13:32:52 | dpa.deAllerdings ist die Zahl der Niedriglohnjobs zuletzt von 7,5 Millionen auf 6,4 Millionen gesunken. Ein Grund dafĂŒr ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag der gestiegene Mindestlohn. Nach EinschĂ€tzung des Sozialverbands Deutschland (SoVD) wirkt der Mindestlohn, er mĂŒsse aber ausreichend hoch sein.
Knapp jeder sechste abhĂ€ngig BeschĂ€ftigte arbeitete im April 2023 im Niedriglohnsektor und verdiente weniger als 13,04 Euro brutto je Stunde. Der Anteil dieser Jobs an allen BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen lag den Statistikern zufolge bei 16 Prozent, nach 19 Prozent im April 2022. Zum Niedriglohnsektor zĂ€hlen Jobs mit weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttostundenverdienstes. Die Auswertung erfolgt einmal jĂ€hrlich jeweils fĂŒr den Monat April, der als reprĂ€sentativ gilt.
Sozialverband warnt vor Altersarmut
Die Vorsitzende des Sozialverbands, Michaela Engelmeier forderte, den Millionen Betroffenen eine Perspektive oberhalb der Niedriglohnschwelle zu bieten, "da diese sonst akut von Altersarmut bedroht sind". Zudem mĂŒsse der Mindestlohn erhöht werden. "Angesichts der anhaltend hohen Inflation fordern wir einen Mindestlohn von 15,02 Euro", sagte Engelmeier. Seit Jahresbeginn gilt ein Mindestlohn von 12,41 Euro brutto je Stunde. Der Mindestlohn stellt die Untergrenze fĂŒr Niedriglöhne dar.
Besonders groĂ ist der Niedriglohnsektor im Gastgewerbe. Dort war im April 2023 gut jedes zweite BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis (51 Prozent) betroffen. In der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft (43 Prozent) und im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (36 Prozent) war der Anteil der BeschĂ€ftigten, die weniger als 13,04 Euro brutto je Stunde verdienten, ebenfalls ĂŒberdurchschnittlich hoch.
Am kleinsten war der Niedriglohnsektor in der öffentlichen Verwaltung (4 Prozent), in der Finanz- und Versicherungsbranche (6 Prozent), in der Informations- und Kommunikationsbranche (7 Prozent) sowie im Bereich von Wasser, Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen (7 Prozent).
Mehr Frauen arbeiten im Niedriglohnsektor als MĂ€nner
Frauen sind stĂ€rker betroffen als MĂ€nner. Knapp jede fĂŒnfte Frau (19 Prozent) arbeitete im Niedriglohnsektor. Bei den MĂ€nnern war es knapp jeder siebte (13 Prozent). In beiden FĂ€llen sank der Anteil innerhalb eines Jahres. Bei Frauen etwas stĂ€rker von 23 Prozent als bei MĂ€nnern von 16 Prozent.
Deutschlandweit wurden im vergangenen April den Angaben zufolge 2,4 Millionen Jobs exakt mit dem damals gĂŒltigen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro vergĂŒtet. Das entspricht 6,2 Prozent aller BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse, fĂŒr die der Mindestlohn gilt. Die meisten lagen darĂŒber. In gut einer Million FĂ€llen lag der rechnerische Stundenverdienst darunter. Dabei handele es sich aber nicht automatisch um VerstöĂe gegen das Mindestlohngesetz, erlĂ€uterten die Statistiker. Nicht alle Regelungen des Gesetzes, wie beispielsweise Praktika, könnten trennscharf in der Statistik abgegrenzt werden.
In Deutschland gibt es seit 2015 einen Mindestlohn. Besonders groĂe Anhebungen erfolgten 2022: In drei Schritten ging es von 9,60 Euro auf 12 Euro - zuletzt per Gesetz durch die Ampel. Seit Jahresbeginn gilt ein Mindestlohn von 12,41 Euro brutto je Stunde.
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