Minijob-Reform: Bauernverband warnt vor Abschaffung für 40% seiner Mitarbeiter
25.06.2026 - 16:09:24 | boerse-global.de
Der Bauernverband hat auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg massiv gegen die geplante Abschottung von Minijobs protestiert. Bauernpräsident Joachim Rukwied bezeichnete den Vorschlag einer Rentenkommission als „wirtschaftlichen Unsinn“.
Das Branchentreffen begann am 24. Juni 2026 unter dem Motto „Landwirtschaft stärken – Versorgung sichern“. Neben Bundesagrarminister Cem Özdemir diskutierte auch Agrarminister Rainer mit den Landwirten über die wirtschaftliche Zukunft der Höfe. Die Branche leidet unter massiv gestiegenen Kosten bei Energie und Düngemitteln, während die Erzeugerpreise für Getreide, Schweinefleisch und Milch gefallen sind.
Streit um Minijobs und Rentenreform
Im Zentrum der Kritik steht der Vorschlag einer Rentenkommission vom 23. Juni 2026. Sie will Minijobs abschaffen und künftig voll rentenversicherungspflichtig machen. Das würde den bisherigen Steuer- und Sozialversicherungsstatus dieser Beschäftigungsverhältnisse kippen.
Für die Landwirtschaft wäre das ein harter Schlag: Rund 40 Prozent der Mitarbeiter arbeiten dort als Minijobber, die derzeit maximal 603 Euro im Monat verdienen dürfen. Besonders für Saisonarbeit und den Mittelstand sei das Instrument unverzichtbar, so Rukwied. Der Verband fordert zudem explizite Ausnahmen beim Mindestlohn für Saisonkräfte.
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Forderungen nach Steuerentlastung und Krisenhilfen
Die hohen Betriebskosten zwingen die Branche zu kurzfristigen Forderungen. Der Tankrabatt soll über die Erntezeit hinaus bis November verlängert werden. Zudem verlangt der Verband ein Sofortprogramm für die Tierhaltung in Höhe von 200 Millionen Euro – speziell für Sauenhalter. Bereits die Hälfte der Schweinehalter habe ihre Betriebe aufgegeben, mahnte Rukwied.
Bundesagrarminister Özdemir verwies auf bereitstehende Mittel für den Umbau der Tierhaltung. Agrarminister Rainer kündigte am 25. Juni 2026 an, eine nationale Aufstockung der EU-Düngemittelhilfe zu prüfen. Bisher stehen 60 Millionen Euro für Deutschland bereit – eine Anhebung auf bis zu 180 Millionen Euro ist im Gespräch.
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Grundsatzkritik an der EU-Agrarpolitik
In seiner letzten Grundsatzrede als Bauernpräsident forderte Rukwied einen grundlegenden Kurswechsel. Den europäischen „Green Deal“ erklärte er für gescheitert. Die Ernährungssicherung müsse wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.
Der Verband lehnt zudem die geplante Kürzung des EU-Agrarbudgets auf 289 Milliarden Euro ab – gefordert werden 500 Milliarden Euro. Besonders kritisch sehen die Bauern die mögliche Eingliederung der GAP-Mittel in einen allgemeinen NRP-Fonds (National Recovery and Resilience Plan). Das könnte zu einer Renationalisierung der Agrarpolitik führen, warnte Rukwied. Agrarminister Rainer stellte für die Zukunft verstärkten Bürokratieabbau und mehr Praxisnähe bei der Düngeverordnung in Aussicht.
