Minijob-Reform: Rentenkommission fordert Abschaffung des Sonderstatus
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 19:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Geringfügig Beschäftigte sollen künftig voll in die Renten-, Pflege- und Krankenversicherung einzahlen – mit Ausnahme von Schülern. Aktuell liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro pro Monat.
Die Wirtschaft reagiert mit scharfer Kritik. Arbeitgeberverbände warnen vor wachsendem Personalmangel und mehr Bürokratie. Ein Café-Betreiber aus dem Landkreis Northeim spricht von „exorbitanten Kostensteigerungen“ für kleine Betriebe. Rund 10.500 Menschen sind dort geringfügig beschäftigt – der Handel hält 16,9 Prozent, das Gastgewerbe 14,5 Prozent. Auch Edeka Hessenring lehnt die Pläne ab.
Immer mehr Beschäftigte ohne Berufsabschluss
Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt eine wachsende Kluft: Die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsabschluss stieg von 3,76 Millionen (2017) auf 4,57 Millionen (2025). Das sind fast 14 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Arbeitslosenquote unter Ungelernten lag bei über 20 Prozent – der allgemeine Durchschnitt bei nur 3,5 Prozent.
Der Ausbildungsmarkt kann den Trend nicht abfedern. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen sank 2025 um 4,6 Prozent. Rund 476.000 duale Ausbildungsverträge wurden abgeschlossen – ein Rückgang von 2 Prozent. 54 Prozent der Mittelständler nennen unzureichende schulische Vorbildung als Haupthindernis. Fast 40.000 Bewerber blieben unversorgt – der höchste Stand seit 2009.
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Kostendruck trifft den stationären Handel
Steigende Gewerbemieten verschärfen die Lage. In Berlin mussten kleine Geschäfte 2025 Mieterhöhungen von bis zu 40 Prozent verkraften. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) stellt fest: Viele Vermieter überfordern langjährige Ladenbesitzer finanziell.
Die großen Player reagieren mit Stellenabbau und Automatisierung:
Zalando streicht in der Berliner Zentrale rund 200 Stellen. Bereits im Vorjahr fielen 450 Stellen weg. Das Logistikzentrum in Erfurt mit 2.100 Beschäftigten schließt Ende September. Ab 2027 verlagert das Unternehmen Tätigkeiten nach Bukarest.
MediaMarkt setzt auf Technologie: Mit „Pay-on-Shopfloor“ zahlen Kunden direkt auf der Verkaufsfläche – ohne klassische Kasse. KI-Tools unterstützen künftig bei Beratung und Reparatur.
Neben steigenden Kosten müssen Unternehmen auch bei der Abrechnung von geringfügig Beschäftigten immer genauer hinschauen, um Nachzahlungen bei Betriebsprüfungen zu verhindern. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, worauf Arbeitgeber bei Abgaben und Meldepflichten unbedingt achten müssen. Minijobber legal und sicher abrechnen: Kostenlosen Leitfaden herunterladen
Amazon erhöht die Löhne für Logistik-Mitarbeiter ab September 2026. Der Stundenlohn steigt auf 18,87 Euro. Verdi fordert dennoch einen Tarifvertrag.
Lichtblick im Premiumsegment
Während etablierte Ketten ihre Strukturen straffen, eröffnet Lilysilk im Juli 2026 sein erstes europäisches Ladengeschäft in München. Für den breiten Einzelhandel bleibt die Lage angespannt: Der Wettbewerb um qualifiziertes Personal verschärft sich bei gleichzeitig steigenden regulatorischen Anforderungen.
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