Minijobs: Nettoeinkommen sinkt von 603 auf 470 Euro monatlich
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Künftig sollen geringfügig Beschäftigte in die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung einbezogen werden. Nur für Schüler soll die aktuelle Regelung bestehen bleiben.
Die Pläne sorgen für heftige Diskussionen. Aktuell liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro im Monat – bei 13,90 Euro Mindestlohn sind das rund 43 Arbeitsstunden. Werden die Abgaben fällig, sinkt das Nettoeinkommen von 603 auf etwa 470 Euro. Die Sozialkassen könnten bundesweit mit Mehreinnahmen von 4,5 Milliarden Euro rechnen.
Wirtschaft warnt vor Personalmangel
Wirtschaftsverbände und Gastronomen schlagen Alarm. Die IHK Südthüringen befürchtet massive Wettbewerbsnachteile. Viele kleine Betriebe – besonders Cafés und inhabergeführte Läden – stünden vor dem Aus. Hinzu kommt: Um die Nettoverluste der Mitarbeiter auszugleichen, müssten Arbeitgeber die Bruttolöhne erhöhen.
Trotz der unsicheren Zukunft bleibt die Nachfrage nach Minijobbern hoch. Bundesweit sind über 8.500 Stellen registriert. Nordrhein-Westfalen führt mit mehr als 1.500 Vakanzen. Die Hilton-Gruppe in Düsseldorf und der Lieferdienst Flaschenpost in Köln suchen Personal.
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Regionale Unterschiede: Wer ist betroffen?
Die Reform trifft die Bundesländer unterschiedlich hart. In Baden-Württemberg arbeiten über 1,2 Millionen Menschen geringfügig – vor allem in Gastronomie und Handel. Berlin listet aktuell über 400 offene Minijobs. Das Spektrum reicht von Reinigungskräften bis zu Fachkräften im Gesundheitswesen. Physiotherapeuten verdienen im Nebenjob umgerechnet 3.500 bis 5.200 Euro in Vollzeit.
Thüringen zählt über 100.000 geringfügig Beschäftigte im gewerblichen Sektor. In Weimar stehen über 300 Ausbildungsplätze zur Verfügung – der Markt zeigt sich stabil. Im Landkreis Northeim stieg die Zahl der Nebenjobber in zehn Jahren um 37 Prozent auf rund 10.500.
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Technologischer Wandel verändert Minijob-Branchen
Der Druck kommt nicht nur von der Politik. Der Einzelhandel testet neue Bezahlmodelle: Media Markt führt „Pay-on-Shopfloor“ ein – Kunden zahlen direkt beim Verkaufspersonal. Das könnte klassische Kassierertätigkeiten überflüssig machen.
Auch im Veranstaltungsbereich zieht Automatisierung ein. Der neue Caterer von RB Leipzig setzt auf KI-gestützte Self-Checkout-Systeme. Ziel: kürzere Wartezeiten bei der Verpflegung.
Die Verteilung der Minijobs bleibt konzentriert: Handel (16,9 Prozent), Gastgewerbe (14,5 Prozent) und sonstige Dienstleistungen (12,2 Prozent) sind die Hauptbranchen. Städte wie Osnabrück oder Rosenheim suchen Verstärkung für Logistik und Verkauf – unter anderem bei Edeka und Lidl.
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