Deutschland, Bayern

OLG MĂŒnchen stellt Ablehnung der Lkw-Kartellklage in Frage

05.10.2023 - 16:41:16 | dpa.de

Mit einer Sammelklage wollen Lkw-KĂ€ufer von den fĂŒhrenden Herstellern Schadenersatz eintreiben, weil sie in einem Kartell Preise ausgetauscht hatten. Das Berufungsgericht macht ihnen neue Hoffnung.

Das Landgericht MĂŒnchen muss den grĂ¶ĂŸten Schadenersatzprozess gegen ein Lkw-Kartell möglicherweise noch einmal aufrollen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Das Landgericht MĂŒnchen muss den grĂ¶ĂŸten Schadenersatzprozess gegen ein Lkw-Kartell möglicherweise noch einmal aufrollen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Das Landgericht MĂŒnchen muss den grĂ¶ĂŸten Schadenersatzprozess gegen ein Lkw-Kartell möglicherweise noch einmal aufrollen. Die KĂ€ufer von 70.000 angeblich ĂŒberteuert verkauften Lastwagen fordern von MAN, Daimler, Iveco und Volvo/Renault 500 Millionen Euro Schadenersatz, waren in erster Instanz aber gescheitert: Das Landgericht hatte die Sammelklage des Rechtsdienstleisters Financialright Claims als teils unzulĂ€ssig, teils unbegrĂŒndet abgewiesen. Das Oberlandesgericht (OLG) kam im Berufungsverfahren am Donnerstag zu einer anderen Bewertung.

Nach vorlĂ€ufiger EinschĂ€tzung des Senats sei das Urteil der ersten Instanz aufzuheben und das Verfahren an das Landgericht zurĂŒckzuverweisen, sagte der Vorsitzende Richter Andreas MĂŒller. Viele Fragen seien offen geblieben, der Fall sei noch nicht entscheidungsreif.

Financialright Claims ist alleiniger KlÀger

Im Laufe der mĂŒndlichen Verhandlung stellte sich allerdings heraus, dass der Vertrag von Financialright mit einem Prozessfinanzierer «der Dreh- und Angelpunkt» fĂŒr die ZulĂ€ssigkeit der Sammelklage und fĂŒr das Verfahren sein könne. Ob Financialright diesen Vertrag nun vorlegen muss, will der Senat am 21. Dezember verkĂŒnden.

Im Gegensatz zum Landgericht hĂ€lt das OLG die Abtretung der Schadenersatzforderungen an den Inkasso- und Rechtsdienstleister Financialright Claims zumindest nach erster EinschĂ€tzung fĂŒr rechtens. Die BĂŒndelung der AnsprĂŒche sei demnach zulĂ€ssig, sagte MĂŒller zum Auftakt der Berufungsverhandlung. Financialright Claims tritt als alleiniger KlĂ€ger auf und bekommt im Erfolgsfall 33 Prozent Provision.

Auch die vom Landgericht angenommene Unbestimmtheit der Klage liege nicht oder nach Korrekturen nicht mehr vor, sagte der Senatsvorsitzende. Vom Landgericht als unzulĂ€ssig zurĂŒckgewiesene AntrĂ€ge seien nach vorlĂ€ufiger EinschĂ€tzung des Senats hinreichend bestimmt.

KlÀger-Anwalt zeigt sich erfreut

KlĂ€ger-Anwalt Alex Petrasincu Ă€ußerte sich zunĂ€chst erfreut. Die EinschĂ€tzung des OLG sei im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs.

Die AnwĂ€lte von MAN und Daimler vertraten in der anschließenden Verhandlung jedoch die Ansicht, die vorliegende Sammelklage verstoße wegen Interessenkonflikten gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz. Financialright habe nicht nur Betroffene mit völlig unterschiedlichen Erfolgsaussichten gebĂŒndelt, sondern sei auch wirtschaftlich von einem Prozessfinanzierer abhĂ€ngig und damit in der Möglichkeit beschrĂ€nkt, Vergleiche abzuschließen. Um diese wichtige Frage abschließend zu beantworten, forderten die Lkw-Hersteller die Offenlegung des Vertrages von Financialright mit dem Prozessfinanzierer.

Diese Hersteller sind betroffen

Die EU-Kommission hatte gegen DAF, Daimler, Iveco, Scania und Volvo/Renault ein Bußgeld von fast vier Milliarden Euro wegen KartellverstĂ¶ĂŸen verhĂ€ngt. Die Lkw-Konzerne hatten von 1997 bis 2011 Verkaufspreise ausgetauscht. MAN war als Kronzeuge straffrei ausgegangen. Ob den Lkw-KĂ€ufern durch das Kartell ein Schaden entstanden ist, hatte die EU-Kommission jedoch offengelassen. Die Lkw-Hersteller bestreiten es.

Beim Landgericht MĂŒnchen sind noch weitere große Lkw-Verfahren anhĂ€ngig. Unter anderem fordert Financialright fĂŒr die KĂ€ufer von weiteren 100.000 Lastwagen ebenfalls annĂ€hernd eine halbe Milliarde Euro Schadenersatz. Der Bundesverband GĂŒterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) hatte seinen Mitgliedern zu der Klage ĂŒber Financialright geraten. In einem anderen Verfahren fordern die Deutsche Bahn, die Bundeswehr und viele Speditionsfirmen von den Lastwagenherstellern 385 Millionen Euro Schadenersatz.

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