Mittelstand unter Druck: Lohnkosten steigen 6,3%, Jobs werden abgebaut
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Lage für den deutschen Mittelstand bleibt angespannt. Zwar stiegen die Umsätze im Juni 2026 leicht – doch die Betriebe bauen weiter Personal ab und halten sich bei Investitionen zurück.
Die aktuellen Daten des DATEV-Mittelstandsindex zeigen ein zweigeteiltes Bild. Im Juni stiegen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat saison- und kalenderbereinigt um 2,7 Prozent. Im Mai war noch ein Rückgang von 1,2 Prozent verzeichnet worden. Doch die DATEV-Geschäftsführung dämpft die Erwartungen: Es handle sich lediglich um eine punktuelle Stabilisierung, nicht um eine breite Erholung.
Mittlere Unternehmen steigern Umsatz – und bauen Personal ab
Besonders deutlich wird die Diskrepanz bei mittleren Unternehmen. Sie steigerten ihren Umsatz um 7,1 Prozent, bauten aber gleichzeitig 0,6 Prozent ihrer Stellen ab. Kleinstunternehmen hingegen verzeichneten einen Umsatzrückgang von 2,9 Prozent, während ihre Beschäftigtenzahl leicht um 0,7 Prozent stieg. Über alle Segmente hinweg sank die Beschäftigung im Juni geringfügig um 0,1 Prozent.
CFOs sehen schwarz: 45 Prozent bewerten Lage schlechter
Die Zurückhaltung spiegelt sich auch in anderen Erhebungen wider. Einem aktuellen CFO-Survey zufolge bewerten 45 Prozent der Finanzverantwortlichen ihre Geschäftsaussichten schlechter als noch vor drei Monaten. Hauptbelastungsfaktoren: die schwache Inlandsnachfrage und geopolitische Unsicherheiten. 72 Prozent der Befragten priorisieren daher die Reduktion von Kosten. Der Beschäftigungsindex sank deutlich um 17 Prozent.
Auch im Handwerk ist die Stimmung gedrückt. Im Kammerbezirk Frankfurt-Rhein-Main fiel das Geschäftsklima im zweiten Quartal auf 131,7 Punkte – nach 139 Punkten im Vorjahreszeitraum. Nur noch 64 Prozent der Betriebe investieren stabil, 40 Prozent planen weitere Kürzungen ihrer Investitionsbudgets. Als wesentliches Hindernis gilt das aktuelle Zinsniveau.
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Lohnkosten explodieren – Handwerk fordert Kommission
Die Arbeitskosten entwickeln sich zum zentralen Problem. Der Lohnindex im Mittelstand stieg im Juni um 6,3 Prozent, das Baugewerbe verzeichnete mit plus 7,8 Prozent die stärksten Zuwächse. Handwerkspräsident Dittrich verwies darauf, dass das Handwerk bereits 2025 rund 73.000 Arbeitsplätze verloren habe. Er fordert eine Kommission zur Senkung der Lohnzusatzkosten.
Eine Trendwende bei der preisbereinigten Umsatzentwicklung sei im Handwerk nicht erkennbar. Die Zahl der Insolvenzen steigt, insbesondere im Hochbau.
Fachkräftemangel bleibt – trotz sinkender Beschäftigung
Paradox: Trotz des Jobabbaus in einigen Bereichen bleibt der Mangel an qualifiziertem Personal ein strukturelles Problem. Einem Branchenbericht zufolge finden 72 Prozent der Industriehersteller keine passenden Talente. Gleichzeitig stockt die interne Weiterbildung: 60 Prozent der Beschäftigten erhielten in den letzten sechs Monaten kein gezieltes Skill-Training. 45 Prozent der Befragten befürchten zudem, in den kommenden zwei Jahren durch KI ersetzt zu werden.
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Positive Impulse kommen hingegen von der Aktivrente. Seit Jahresbeginn ermöglicht sie Rentnern steuerfreien Hinzuverdienst. Daten der DATEV belegen einen kontinuierlichen Anstieg der Beschäftigung von Vollrentnern im Mittelstand. Das Bundesfinanzministerium schätzt die Zahl der Nutzer auf rund 168.000.
Insolvenzen auf Höchststand seit zwei Jahrzehnten
Die wirtschaftliche Schwächephase hinterlässt deutliche Spuren. Nach Angaben des IWH lagen die Firmenpleiten im Juni um 80 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 – der höchste Stand seit zwei Jahrzehnten. Experten werten dies nicht als normale Marktbereinigung, sondern als Zeichen einer tiefgreifenden strukturellen Schwäche. Demgegenüber steht ein leichter Zuwachs bei den Neugründungen: Im ersten Quartal lagen sie um 10 Prozent über dem Vorjahreswert.
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