Bausektor-Studie: Nachfrage steigt, KapazitÀten fehlen - Branche vor dem nÀchsten Engpass
29.04.2026 - 08:45:00 | presseportal.de
Nach zwei Jahren schwacher Nachfrage kehrt der Optimismus in die Bauindustrie zurĂŒck. FĂŒr die Jahre 2026 und 2027 erwarten die Unternehmen im Schnitt ein Wachstum von mehr als sieben Prozent. Doch die Erholung offenbart ein neues Problem: "Der Aufschwung kommt schneller, als viele Unternehmen liefern können", sagt Dr. Markus Mayer, Studiengangsleiter und Partner bei Simon-Kucher. "Wer jetzt nicht in KapazitĂ€ten und effizientere Prozesse investiert, wird die zusĂ€tzliche Nachfrage nicht in Wachstum ĂŒbersetzen können."
Besonders Unternehmen am Anfang der Wertschöpfungskette - BautrĂ€ger, Planer und Bauunternehmen - rechnen mit einem Umsatzplus von bis zu zehn Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig bleibt der Handel deutlich zurĂŒckhaltender und erwartet eine spĂŒrbare Belebung erst ab kommendem Jahr. Politische MaĂnahmen wie das Sondervermögen Infrastruktur und der sogenannte Bauturbo versprechen zwar zusĂ€tzliche Umsatzimpulse von durchschnittlich rund 16 Prozent. Die Mehrheit der Unternehmen geht jedoch davon aus, dass sich diese Effekte erst ab 2027 spĂŒrbar materialisieren. Damit entsteht eine Phase, in der der aktuelle Aufschwung nicht durch staatliche Programme getragen wird, sondern aus der Marktdynamik heraus entsteht. "Die politischen MaĂnahmen setzen wichtige Impulse - aber sie kommen zu spĂ€t fĂŒr die aktuelle Marktphase", sagt Mayer. "Der Aufschwung 2026 wird nicht von staatlichen Programmen getragen, sondern aus dem Markt selbst heraus entstehen."
Aufschwung trifft auf strukturelle Grenzen
Mit der steigenden Nachfrage verschiebt sich der Engpass fundamental. WĂ€hrend zuletzt hohe Baukosten, Zinsen und regulatorische Anforderungen im Fokus standen, werden nun KapazitĂ€tshemmnisse zum zentralen Risiko. Mehr als die HĂ€lfte der Unternehmen sieht den FachkrĂ€ftemangel als wichtigste EinflussgröĂe fĂŒr die Branche.
Neben dem FachkrĂ€ftemangel bremsen auch BĂŒrokratie und technische Anforderungen die Umsetzung. Projekte verzögern sich, obwohl die Auftragslage sich verbessert - ein strukturelles Problem fĂŒr die gesamte Branche. "Der Engpass verlagert sich damit von der Nachfrage auf die Umsetzung", so Christian Alter, Director bei Simon-Kucher. "Entscheidend wird jetzt, wie schnell Unternehmen ihre Ressourcen und Prozesse an die neue Marktdynamik anpassen."
Effizienz rĂŒckt in den Mittelpunkt
Der steigende Druck auf KapazitĂ€ten verĂ€ndert die PrioritĂ€ten im Markt: Effizienzsteigerung rĂŒckt klar in den Mittelpunkt, etwa durch Vorfertigung, modulares Bauen und optimierte Baustellenlogistik. Nachhaltigkeit bleibt relevant, verliert jedoch im Vergleich zum Vorjahr an Gewicht.
Wachstum verlagert sich und nicht alle profitieren
Rund die HĂ€lfte der Unternehmen sieht die gröĂten Wachstumspotenziale im Bauen im Bestand sowie in öffentlichen Infrastrukturprojekten. Der Neubau verliert dagegen relativ an Bedeutung. Doch nicht alle Marktteilnehmer sind darauf vorbereitet: Insbesondere der Handel unterschĂ€tzt die Dynamik im Sanierungssegment und droht, zentrale Wachstumschancen zu verpassen.
Pricing, Effizienz und KI unter Druck
Um Wachstum und ProfitabilitĂ€t zu sichern, setzen Unternehmen verstĂ€rkt auf interne Hebel. Kostensenkungen und Preiserhöhungen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig wird der Einsatz von KI - insbesondere im Pricing und in Vertriebsprozessen - als zentraler Hebel gesehen. In der Praxis zeigt sich jedoch eine LĂŒcke zwischen Anspruch und RealitĂ€t: KI steigert vor allem die Effizienz, erfordert aber erhebliche Vorlaufzeiten und strukturelle Anpassungen.
Wachstum ist kein SelbstlÀufer
Die Studie macht deutlich, dass nicht alle Unternehmen gleichermaĂen vom Aufschwung profitieren werden. Insgesamt verfĂŒgen nur 45 Prozent der Unternehmen ĂŒber ein fundiertes VerstĂ€ndnis relevanter Branchentrends - ein entscheidender Unterschied zwischen wachstumsstarken und schwĂ€cheren Marktteilnehmern. "Der Markt wĂ€chst - aber nicht fĂŒr alle", so Mayer. "Wer seine Prozesse nicht auf Skalierung ausrichtet, wird den Aufschwung nur eingeschrĂ€nkt nutzen können."
*Ăber die Studie: Die Studie Neues Bauen wurde im Zeitraum November 2025 bis Januar 2026 von Simon-Kucher in Zusammenarbeit mit dem BaustoffMarkt zum zweiten Mal in Folge durchgefĂŒhrt. Dabei wurden 433 Expert:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Bausektors zu Trends, Herausforderungen und strategischen Antworten befragt.
Ăber Simon-Kucher
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