München: Leerstand via Stromzählerdaten ermitteln – 96 Mio. Euro Abgabe geplant
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 19:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Fraktion der Linken im Münchner Stadtrat setzt sich dafür ein, ungenutzten Wohnraum in der bayerischen Landeshauptstadt künftig systematisch über anonymisierte Stromzählerdaten zu erfassen. Wie aus einem Bericht vom 22. September 2026 hervorgeht, soll dieser Schritt Klarheit über das tatsächliche Ausmaß des Wohnungsleerstands schaffen und eine gezieltere Bekämpfung ermöglichen.
Die Initiative stützt sich auf ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags, das von der Linken-Abgeordneten Katalin Gennburg in Auftrag gegeben worden war. Die Ausarbeitung kommt zu dem Ergebnis, dass eine Weitergabe anonymisierter Verbrauchsdaten durch Stadtwerke an kommunale Behörden datenschutzrechtlich unbedenklich sei.
Andere Kommunen setzen vergleichbare Verfahren bereits in der Praxis ein: Die Städte Wuppertal, Duisburg und Karlsruhe nutzen Stromverbrauchsdaten seit Jahren zur Ermittlung von Leerständen, während Dortmund entsprechende Daten auf Quartiersebene übermittelt.
Streit über Zahlen und rechtliche Spielräume
Bislang beruhen die Annahmen über den ungenutzten Wohnraum in München vor allem auf Zensus-Schätzungen. Diese beziffern den Leerstand auf 22.000 beziehungsweise 47.000 Wohnungen bei einem Gesamtbestand von gut 800.000 Wohnungen. Das Münchner Sozialreferat stuft diese Zahlenwerte jedoch als wenig aussagekräftig ein.
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Bereits im Jahr 2025 konnten in der Stadt 507 Wohnungen wieder dem Mietmarkt zugeführt werden, zudem wurden Bußgelder in Höhe von 700.000 Euro verhängt. Seit August 2026 dürfen städtische Behörden Stromverbrauchsdaten zudem in Einzelfällen bei konkretem Verdacht anfordern. Der Linken-Fraktion reicht dieser Einzelfallbezug jedoch nicht aus; sie verlangt stattdessen eine flächendeckende, systematische Auswertung.
Über die reine Datenerfassung hinaus verlangt die Stadtratsfraktion die Einführung einer monatlichen Leerstandsabgabe in Höhe von 20 Euro pro Quadratmeter, sofern eine Wohnung länger als drei Monate ungenutzt bleibt. Einer Beispielrechnung der Fraktion zufolge würde eine solche Regelung bei 5.000 betroffenen Wohnungen mit einer durchschnittlichen Größe von 80 Quadratmetern jährliche Einnahmen von 96 Millionen Euro für die Stadtkasse generieren.
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Das Sozialreferat München wies diesen Vorstoß zurück und betonte, dass für eine derartige Abgabe derzeit keine rechtliche Grundlage bestehe. Das Vorhaben steht in Kürze auf der politischen Tagesordnung: Der Sozialausschuss des Münchner Stadtrats soll am Donnerstag über die Forderungen abstimmen.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „München: Stadt soll Leerstand von Wohnungen über Stromverbrauch ermitteln - München“
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von Süddeutsche Zeitung.
